Waffenkult in den USA Mit dem Sturmgewehr zur Demo

In vielen US-Bundesstaaten ist es erlaubt, offen Waffen zu tragen – auch bei Demonstrationen. Laut »New York Times« lässt sich die überwiegende Mehrheit der bewaffneten Protestler politisch einem bestimmten Lager zuordnen.
Bewaffnete Demonstranten im US-Bundesstaat Virginia (2021)

Bewaffnete Demonstranten im US-Bundesstaat Virginia (2021)

Foto: Raquel Natalicchio / ZUMA Wire / IMAGO

In den USA tragen Demonstranten mit rechten Ansichten besonders häufig offen Waffen zur Schau. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der »New York Times« .

Die US-Zeitung und die gemeinnützige Organisation »Armed Conflict Location & Event Data Project« erhoben für die Untersuchung Daten von 700 bewaffneten Demonstrationen von Januar 2022 bis heute. Bei diesen vertraten auf 77 Prozent der Demonstrationen Menschen, die offen Waffen trugen, rechtsgerichtete Ansichten. Zu denen zählt die Zeitung etwa die Ablehnung von Abtreibungen und der Rechte der LGBTQ-Community sowie die Unterstützung der Lüge des Ex-Präsidenten Donald Trump, die Wahl 2020 gewonnen zu haben.

Republikanische Politiker oft aufseiten der Waffenträger

Den Daten zufolge nahmen an der Mehrzahl der Proteste regierungsfeindliche Milizen und Gruppierungen wie die »Proud Boys« teil. Bei mehr als hundert Veranstaltungen sei es zu Gewaltausbrüchen gekommen.

Republikanische Funktionäre oder Kandidaten seien bei 32 Protesten aufgetreten, bei denen sie auf der gleichen Seite wie die Waffenträger standen. Demokratische Politiker wurden nur bei zwei Protesten identifiziert, bei denen sie die gleiche Meinung wie die Bewaffneten vertraten.

Mehr als die Hälfte aller bewaffneten Proteste hätten in zehn Bundesstaaten stattgefunden, die das offene Tragen von Waffen gesetzlich erlaubten: Arizona, Georgia, Kentucky, Michigan, North Carolina, Oregon, Pennsylvania, Texas, Virginia und Washington.

Bewaffnete Zivilisten bei Demonstrationen seien nichts Neues in der US-amerikanischen Geschichte, räumt die »New York Times« ein, auch in den Sechzigerjahren ging die Bürgerrechtsbewegung der »Black Panthers« mit Waffen auf die Straße. Die Häufigkeit bewaffneter Demonstrationen habe jedoch im Jahr 2020 explosionsartig zugenommen, als etwa gegen Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zur Bekämpfung des Coronavirus und den Mord an George Floyd protestiert wurde. Heute sei es in einigen Teilen des Landes nicht ungewöhnlich, »dass bei allen Arten von Protesten Menschen mit Handfeuerwaffen oder Gewehren im Militärstil zu sehen sind«.

ktz

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