US-Präsident Joe Biden zu Massaker in Texas »Diese Eltern werden ihre Kinder nie wiedersehen«

Mindestens 19 Schülerinnen und Schüler sind tot, dazu mehrere Erwachsene: Nach dem Blutbad an einer Grundschule in Texas hat US-Präsident Joe Biden schärfere Waffengesetze gefordert. Er zeigte sich sichtlich erschüttert.
Joe und Jill Biden im Weißen Haus

Joe und Jill Biden im Weißen Haus

Foto: Stefani Reynolds / AFP

Die Bilder aus Texas wecken Erinnerungen an Parkland 2018 und natürlich an die Sandy-Hook-Grundschule in Newtown 2012. Wieder hat es in den USA einen tödlichen Angriff auf eine Schule gegeben, wieder sind die meisten Opfer Kinder. Nach dem Massaker im Bundesstaat Texas hat sich US-Präsident Joe Biden für schärfere Waffengesetze ausgesprochen.

»Als Nation müssen wir uns fragen, wann in Gottes Namen wir der Waffenlobby die Stirn bieten werden«, sagte Biden am Dienstagabend (Ortszeit) im Weißen Haus. »Die Vorstellung, dass ein 18-jähriger Junge in ein Waffengeschäft gehen und zwei Sturmgewehre kaufen kann, ist einfach falsch.«

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Ein 18 Jahre alter Angreifer hatte nach Angaben der Polizei am Dienstagmittag in der Robb Elementary School in der 135 Kilometer westlich von San Antonio gelegenen Kleinstadt Uvalde das Feuer eröffnet. 19 Kinder wurden dabei getötet – und nach bisherigem Stand zwei Erwachsene.

Auch der Angreifer sei tot, sagte der texanische Gouverneur Greg Abbott bei einer Pressekonferenz. Er hatte die Waffen laut Ermittlern kurz nach seinem 18. Geburtstag legal erworben.

In den vergangenen zehn Jahren habe es mehr als 900 Vorfälle gegeben, bei denen Schüsse auf Schulgeländen gemeldet worden seien, sagte Biden. Man könne nicht jede Tragödie mit schärferen Waffengesetzen verhindern – aber diese Gesetze hätten positive Auswirkungen.

Waffenlobby und Republikaner stellen sich quer

Nach Schusswaffenvorfällen wie aktuell in Texas flammt in den USA üblicherweise die Debatte über eine Verschärfung des Waffenrechts kurz neu auf. Ernsthafte Veränderungen werden dann aber von der mächtigen Waffenlobby und Teilen der republikanischen Partei verhindert. Für eine Verschärfung der Waffengesetze ist der Kongress zuständig, das US-Parlament. Viele Republikaner lehnen einen solchen Schritt ab. »Ich bin angewidert und müde«, fügte Biden an. »Sagen Sie mir nicht, dass wir keinen Einfluss auf dieses Gemetzel haben können«, sagte er an die Adresse der Republikaner.

Biden erinnerte in seiner Rede auch an seinen Sohn Beau, der 2015 an Krebs gestorben war, und seine 1972 bei einem Autounfall getötete Tochter. »Ein Kind zu verlieren, ist, als würde einem ein Stück seiner Seele herausgerissen«, sagte er. Mit Blick auf Texas sagte er sichtlich bewegt, unschuldige Zweit-, Dritt- und Viertklässler hätten in »einem weiteren Massaker« ihr Leben gelassen. Ihre Eltern »werden ihr Kind nie wiedersehen, sie nie wieder ins Bett bringen und mit ihnen kuscheln können«, so der Demokrat.

Zunächst waren die Behörden von 14 toten Kindern ausgegangen, die Zahl musste dann später nach oben korrigiert werden. Statt – wie erst angenommen – einem toten Erwachsenen, wird nun von drei erwachsenen Todesopfern ausgegangen. Allerdings waren die Angaben von vor Ort zunächst noch teilweise unpräzise. So war lange unklar, ob der getötete Täter bei den erwachsenen Opfern mitgezählt wurde. Zudem gibt es Meldungen, wonach der Angreifer vor der Attacke in der Schule auch seine eigene Großmutter erschossen haben soll. Im Verlauf der Nacht präzisierte die Polizei dann die Zahlen auf den jetzigen Stand.

Forderung von Vizepräsidentin Harris

US-Senator Chris Murphy hatte entsetzt auf das Massaker reagiert und bewegende Worte an seine Senatskollegen gerichtet. »Was machen wir?«, fragte der Demokrat am Dienstagnachmittag (Ortszeit) im US-Kongress. »Warum verbringen Sie so viel Zeit damit, für den Senat der Vereinigten Staaten zu kandidieren? Warum machen Sie sich die Mühe, diesen Job zu bekommen ..., wenn Ihre Antwort lautet, dass wir nichts tun, während diese Metzelei zunimmt und unsere Kinder um ihr Leben rennen«, fragte er sichtlich um Fassung ringend. »Warum sind wir hier?«

US-Vizepräsidentin Kamala Harris forderte nach dem Massaker ebenfalls neue politische Maßnahmen. »Genug ist genug«, sagte sie am Dienstagabend (Ortszeit) in Washington. »Als Nation müssen wir den Mut haben zu handeln.« Es müssten Maßnahmen ergriffen werden, die sicherstellen, dass derartige Verbrechen nicht mehr geschehen, sagte Harris – ohne konkret zu werden: »Unsere Herzen werden immer wieder gebrochen.«

Uvalde ist nur der jüngste Fall in einer ganzen Reihe von Angriffen auf Schulen in den USA. Im Februar 2018 etwa hatte ein 19-jähriger Ex-Schüler in der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland im Bundesstaat Florida das Feuer eröffnet. Er tötete 17 Menschen und verletzte 17 weitere.

Ein weiteres Beispiel: Ein 20-Jähriger erschoss am 14. Dezember 2012 in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut 20 Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren sowie sechs Erwachsene. Zuvor hatte er bereits seine Mutter getötet. Nach den Bluttaten nahm er sich das Leben. Der damalige US-Präsident Barack Obama hatte sich nach der Tat für schärfere Waffenvorgaben starkgemacht – schon damals und bis heute ohne Erfolg.

jok/dpa