Corona-Diplomatie der Vereinigten Arabischen Emirate Riskantes Spiel mit Washington und Peking

China weitet seinen Einfluss am Persischen Golf aus und lässt Corona-Impfstofftests in den Vereinigten Arabischen Emiraten durchführen. Dabei hilft ausgerechnet der geopolitische Rivale - Donald Trump.
Eine Analyse von Raniah Salloum
Burj Khalifa in Dubai, das höchste Gebäude der Welt, der Staatenbund will auch in der großen Politik mitmischen - und steht nun in der Coronakrise zwischen China und den USA

Burj Khalifa in Dubai, das höchste Gebäude der Welt, der Staatenbund will auch in der großen Politik mitmischen - und steht nun in der Coronakrise zwischen China und den USA

Foto: Yasir Nisar / Getty Images

Nicht ohne Stolz zeigt sich Hend al-Otaiba auf Twitter bei ihrer Impfung. Das Foto zeigt sie mit strahlenden Augen und Maske, ihr linker Arm bereitgestellt für die Medizinerin. Otaiba, Leiterin der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit im Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), bekam nach eigenen Angaben den Corona-Impfstoff der chinesischen Firma Sinopharm. "Bald schon wird der Impfstoff für alle an vorderster Front in den VAE zur Verfügung stehen - als großer Fortschritt in unserem erfolgreichen Kampf gegen Covid-19", schrieb sie am Dienstag.

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Die Zusammenarbeit zwischen den VAE und China bei der Corona-Impfstoffentwicklung ist für beide Länder ein Gewinn: Der reiche Golfstaat kann sich als moderner Vorreiter inszenieren, zumal die Infektionszahlen auch dort eigentlich gerade wieder steigen . China wiederum bekommt ein weiteres Testfeld für einen seiner Impfstoffkandidaten. Es kann dadurch auch diplomatisch punkten - und das ausgerechnet bei einem historischen Partner der USA.

Die VAE verfolgen einen schwierigen Balanceakt: enge Beziehungen mit Washington - und mit Peking. Die Emiratis investieren viel, um in Washington für gute Stimmung zu sorgen: So finanzieren sie einen Thinktank , spendeten im letzten US-Wahlkampf heimlich Millionen Dollar  und machten jüngst mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel kurz vor der US-Wahl dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump ein weiteres Geschenk. 

Emirati mit Maske, darauf die Flaggen der USA, von Israel und den VAE

Emirati mit Maske, darauf die Flaggen der USA, von Israel und den VAE

Foto: Nir Elias / dpa

Gleichzeitig haben sie jedoch auch in den vergangenen Jahren ihre Beziehungen zu Peking vertieft: China ist mittlerweile der wichtigste Handelspartner  der Emiratis. 2018 schlossen beide Länder eine umfassende strategische Partnerschaft ab, Chinas höchste Stufe  bilateraler Beziehungen. 2019 lud Abu Dhabi das chinesische Unternehmen Huawei ein, sein 5G Handynetz auszubauen  - eine Firma, die von Trump auf die schwarze Liste gesetzt wurde.

Rasante Annäherung zwischen Peking und Abu Dhabi

Es ist kaum überraschend, dass die VAE sich langfristig Richtung China orientieren: Die ganze Weltordnung verschiebt sich gen Osten und für die Emiratis mit ihrer Ambition als Hub zwischen Eurasien und dem Indischen Ozean ist die chinesische Seidenstraßen-Initiative besonders attraktiv. China wiederum zeigt zunehmend Interesse an der Region und hat auch mit Saudi-Arabien und Iran umfassende strategische Partnerschaften abgeschlossen.

Doch erstaunlich ist, wie rasant sich die Annäherung nun vollzieht - dank Donald Trump. Ausgerechnet der US-Präsident, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, Chinas Einfluss in der Welt zurückzudrängen, liefert Peking in der Coronakrise eine diplomatische Steilvorlage.

So haben die USA in einer der aktuell drängendsten Fragen, der Bekämpfung von Corona, wenig zu bieten. Anstatt ein globaler Vorreiter zu sein, der seine Expertise mit engen Partnern teilt und sie damit an sich bindet, sind die USA unter Trump zum Beispiel geworden für katastrophales Missmanagement und Wissenschaftsfeindlichkeit. Andere Länder dagegen scheinen die Bekämpfung von Corona geschickter für ihre politischen Zwecke zu nutzen.

Die VAE drohen zwischen die Fronten zu geraten

Gleich zu Beginn der Pandemie schickten die VAE Masken und Handschuhe nach China. Als das Virus den Golf erreichte, teilte dann die Regierung in Peking ihr Wissen und half den VAE ein riesiges Corona-Testzentrum zu eröffnen. Auch dank massenweiser Tests kamen die VAE bisher recht gut durch die Pandemie. Im Sommer dann begannen am Golf die Phase-III-Tests des chinesischen Impfstoffkandidaten von Sinopharm.

Bei allen Vorteilen ist der geopolitische Balanceakt für die VAE allerdings nicht ohne Risiko:

  • Die USA bleiben militärisch der Garant für ihre Sicherheit - auch wenn sie sich unter Trump darauf nicht mehr ganz verlassen können.

  • Die wichtigsten Waffen der Emiratis kommen weiterhin aus den USA - auch wenn sich Abu Dhabi mit unbemannten Drohnen aus China eingedeckt hat , weil die USA strengere Exportbeschränkungen darauf haben.

Die Emiratis müssen allerdings aufpassen, dass ihr diplomatisches Spiel nicht nach hinten losgeht und sie in den sich zuspitzenden Konflikt zwischen Trump und Peking hineingezogen werden - etwa, wenn sie aufgrund ihrer engen Zusammenarbeit mit China von US-Kooperationen ausgeschlossen werden.

Im Sommer bekamen die VAE dabei bereits einen Warnschuss: Großzügig boten die Emiratis der amerikanischen Botschaft in Abu Dhabi Hunderte Corona-Tests an, um die Mitarbeiter zu überprüfen. Doch die US-Diplomaten lehnten brüsk ab  - sie wollten nicht, dass ihre persönlichen medizinischen Daten möglicherweise in die Hände des chinesischen Staates gelangen könnten.

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