Prozess gegen rechten Verschwörungstheoretiker Alex Jones muss mindestens vier Millionen Dollar Schadensersatz zahlen

Urteilsspruch gegen Amerikas obersten Verschwörungsideologen: Alex Jones muss den Eltern eines der Opfer des Sandy-Hook-Massakers eine Millionenentschädigung zahlen. Weitere Strafen dürften folgen.
Alex Jones bei der Ankunft am Gerichtssaal (am 3. August): »Wissen Sie, was Meineid ist?«

Alex Jones bei der Ankunft am Gerichtssaal (am 3. August): »Wissen Sie, was Meineid ist?«

Foto: Bob Daemmrich / dpa

Ein Gericht im texanischen Austin hat den ultrarechten US-amerikanischen Verschwörungstheoretiker Alex Jones zur Zahlung von mindestens 4,1 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld an die hinterbliebenen Eltern eines Opfers des Sandy-Hook-Schulmassakers verurteilt. Jones hatte in der Vergangenheit die Lüge verbreitet, der Amoklauf an der Grundschule in der Kleinstadt Newton im US-Bundesstaat Connecticut Ende 2012 sei eine Inszenierung gewesen. Die Eltern des erschossenen, damals sechsjährigen Jesse Lewis hatten den rechten Radiomoderator wegen seiner Behauptungen verklagt, sie hatten 150 Millionen Dollar als Entschädigung gefordert.

Tatsächlich könnte die Summe, die der 48-jährige Radiomoderator und Gründer der rechten Website »Infowars« zahlen muss, noch deutlich steigen. Die Geschworenen können den Eltern des Jungen, Neil Heslin und Scarlett Lewis, weitere bis zu 75 Millionen Dollar sogenannten Strafschadensersatz zusprechen. Ein solcher Strafschadenersatz, der als Strafe und zur Abschreckung gedacht ist, ist häufig deutlich höher als der eigentliche Schadensersatz. Die Beratungen darüber sollen an diesem Freitag beginnen.

Jones selbst war am Donnerstag zur Verkündung des Urteils nicht im Gerichtssaal, seine Anwälte kommentierten den Jury-Spruch nicht. Die Anwälte der Kläger zeigten sich zufrieden, auch wenn die Schadensersatzsumme zunächst geringer ausfiel als von ihnen gefordert. »Wir sind noch nicht fertig, Leute«, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters Mark Bankston, einen der Anwälte. Es sei notwendig gewesen, eine enorme Summe zu fordern, um den Geschworenen klarzumachen, dass »wir es ernst meinen«, so Bankston. Jones werde noch viel mehr zahlen müssen.

Jones hatte wiederholt behauptet, das Sandy-Hook-Schulmassaker sei lediglich vorgetäuscht worden, um eine Verschärfung des Waffenrechts durchzusetzen. Bei dem Amoklauf in der Stadt Newtown am 14. Dezember 2012 hatte der Täter 20 Kinder und sechs Erwachsene erschossen, bevor er sich das Leben nahm.

Der in rechtsradikalen Kreisen sehr einflussreiche Jones ist wegen seiner Behauptungen von einer Reihe von Eltern verklagt worden, nun wurde er erstmals zu Schadensersatz verurteilt. Der Zivilprozess in Austin hatte für viel Aufsehen gesorgt. Am Mittwoch hatte Klägeranwalt Bankston für eine Überraschung gesorgt, als er im Gerichtssaal verkündete, Jones' Anwälte hätten ihm versehentlich eine komplette digitale Kopie des Handys des Verschwörungstheoretikers geschickt.

»Wissen Sie, was Meineid ist?«

Bankston verwies darauf, dass Jones wiederholt unter Eid ausgesagt habe, dass er auf seinem Handy keine Textnachrichten zum Grundschulmassaker gefunden habe. Es hätten sich aber solche Nachrichten auf dem Handy befunden. »Wissen Sie, was Meineid ist?«, fragte der Anwalt Jones. Jones' Anwälte forderten daraufhin, den Prozess platzen zu lassen, Richterin Maya Guerra Gamble lehnte das aber ab.

»Infowars« hatte bereits im April Insolvenz angemeldet. Ein anderes von Jones' Unternehmen, »Free Speech Systems«, meldete vergangene Woche Konkurs an.

Jones ist als Unterstützer des früheren US-Präsidenten Donald Trump bekannt (Lesen Sie hier mehr über Alex Jones und seine Allianz mit dem US-Präsidenten Donald Trump.). Er machte sich Trumps Falschbehauptung zu eigen, dessen Wahlniederlage gegen den heutigen Präsidenten Joe Biden sei auf massive Betrügereien zurückzuführen.

Jones befand sich außerdem in Washington, als radikale Trump-Anhänger am 6. Januar 2021 das Kapitol stürmten. Er wurde hinter verschlossenen Türen vom parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Kapitol-Erstürmung befragt.

phw/AFP/AP/Reuters
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