Gasstreit zwischen Ungarn und der EU Orbán empört mit Holocaust-Vergleich

Die EU will alle Mitgliedstaaten zu einem Gasverzicht verpflichten. Der ungarische Langzeitpremier lehnt das ab. Er sagt: »Ich verstehe nicht, wie sie es erzwingen wollen, obwohl es deutsches Know-how gibt«.
Viktor Orbán: »Aus der Vergangenheit, meine ich...«

Viktor Orbán: »Aus der Vergangenheit, meine ich...«

Foto: Bertrand Guay / AP

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán verabschiedete sich in der Energiekrise zuletzt aus der EU-Solidargemeinschaft. Er ließ einen Notstand ausrufen, will ab August kein Gas mehr an andere EU-Länder liefern und gleichzeitig mehr Gas aus Russland kaufen. Und Orbán hat, wie nun öffentlich wird, im Streit mit der EU sogar den Holocaust verharmlost.

Bei einer Rede im rumänischen Băile Tușnad sagte Orbán: »Die EU will alle dazu verpflichten, ihren Gasverbrauch um 15 Prozent zu senken. Ich verstehe nicht, wie sie es erzwingen wollen, obwohl es deutsches Know-how gibt. Aus der Vergangenheit meine ich.« Das berichten unter anderem der Journalist Pal Daniel Rényi von der ungarischen Plattform 444.hu sowie das Portal szeretlekmagyarorszag.hu .

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Orbán bezieht sich mit seinem Spruch offensichtlich auf den von den Nazis organisierten Holocaust, dem rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden zum Opfer fielen.

Katalin Cseh, eine liberale und proeuropäische Politikerin im Europäischen Parlament, machte via Twitter auf Orbáns Aussage aufmerksam. Dazu schrieb die Ungarin: »Ja, das ist ein Witz über Gas und Nazideutschland.« Sie verurteilte Orbáns Wortwahl in der Rede, in der er sich auch offen rassistisch geäußert hatte.

Ungarischer Premier hält rassistische Rede

Orbán hatte gesagt, es gebe eine Welt, »in der sich die europäischen Völker mit den Ankömmlingen von außerhalb Europas vermischen«. Das sei eine »gemischtrassige Welt«. Dem gegenüber gebe es das Karpatenbecken, wo sich europäische Völker wie Ungarn, Rumänen, Slowaken und andere miteinander vermischten. »Wir sind bereit, uns miteinander zu vermischen, aber wir wollen nicht zu Gemischtrassigen werden«, sagte Orbán.

Das unter anderem von den Nationalsozialisten genutzte Konzept, dass es unterschiedliche menschliche Rassen gebe, ist wissenschaftlich nicht haltbar und ist Teil rassistischer Weltanschauungen. Diese Ideologie schreibt ganzen Gruppen von Menschen aufgrund äußerlicher Unterschiede wie etwa der Hautfarbe fälschlich bestimmte Eigenschaften zu.

Europapolitikerin Cseh schrieb auf Twitter: »Viktor Orbáns rassistische Tirade beinhaltete eine üble Beleidigung gegen praktisch jeden EU-Verbündeten.« Das sei der »absolute Tiefpunkt« der ungarischen Diplomatie, so Cseh: »Diese Sprache ist Gift für die EU als Ganzes, und sie sollte angeprangert werden.«

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Unter Orbán wird Ungarn zunehmend autokratisch regiert. Die EU hat Rechtsstaatsverfahren gegen das Land eingeleitet. Orbán hat unter anderem die Medien unter seine Kontrolle gebracht. Anfang April wurde er mit haushohem Vorsprung wiedergewählt, im Parlament hat seine Fidesz-Partei eine Zweidrittelmehrheit.

ptz/dpa
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