Weltweite Reaktionen Von »historischer Sieg« bis »herzzerreißend«

Die einen nennen es »mutig«, andere sind entsetzt: Die Entscheidung des Obersten Gerichtshof der USA, das verfassungsmäßige Recht auf Abtreibung aufzuheben, spaltet das Land. Ein Überblick.
Ein »grausames Urteil«: Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, reagiert auf die Entscheidung des Supreme Courts in Washington

Ein »grausames Urteil«: Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, reagiert auf die Entscheidung des Supreme Courts in Washington

Foto: J. Scott Applewhite / AP

Der Oberste Gerichtshof der USA hat das Grundsatzurteil Roe v. Wade aus dem Jahr 1973 aufgehoben, das das verfassungsmäßige Recht der Frau auf Abtreibung anerkannte und es landesweit legalisierte. Die Folge: Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus dem gesamten politischen Spektrum haben am Freitag darauf reagiert. Der Überblick:

  • Nancy Pelosi, die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, sagte: »Dieses grausame Urteil ist empörend und herzzerreißend. Aber täuschen Sie sich nicht: Die Rechte der Frauen und aller Amerikaner stehen im November auf dem Stimmzettel.«

DER SPIEGEL
  • US-Präsident Joe Biden nannte das Urteil einen »tragischen Fehler«. Er fügte hinzu: »Es ist meiner Ansicht nach die Verwirklichung einer extremen Ideologie.« Er »werde alles in meiner Macht Stehende tun, um diesen zutiefst unamerikanischen Angriff zu bekämpfen«. Der US-Kongress müsse jetzt handeln, um in der Sache das letzte Wort zu haben. »Es ist nicht vorbei«, so Biden.

  • Der Vorsitzende der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, ließ verlauten: »Dies ist ein historischer Sieg für die Verfassung und für die Schwächsten in unserer Gesellschaft.« Die Entscheidung sei »mutig und richtig«.

  • Der ehemalige republikanische Präsident Donald Trump nannte das Urteil »die Einhaltung der Verfassung und die Rückgabe von Rechten, die schon vor langer Zeit hätten zurückgegeben werden sollen. (...) Das bringt alles zurück zu den Staaten, in die es schon immer gehört hat.«

  • Der ehemalige demokratische Präsident Barack Obama schrieb beim Nachrichtendienst Twitter, der Oberste Gerichtshof habe »nicht nur fast 50 Jahre Präzedenzfälle rückgängig gemacht, er hat die persönlichste Entscheidung, die jemand treffen kann, den Launen von Politikern und Ideologen überlassen – und die grundlegenden Freiheiten von Millionen von Amerikanern angegriffen.« Obama rief zudem zum Widerstand gegen das Urteil auf.

  • Die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton erklärte in einem schriftlichen Statement: »Die meisten Amerikaner glauben, dass die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, eine der heiligsten Entscheidungen ist, die es gibt, und dass solche Entscheidungen zwischen Patienten und ihren Ärzten bleiben sollten. Das heutige Urteil des Obersten Gerichtshofs wird als Rückschritt für die Rechte der Frauen und die Menschenrechte in die Geschichte eingehen.«

  • Der ehemalige Vizepräsident Mike Pence teilte in einer Erklärung mit: »Heute hat das Leben gewonnen. Mit der Aufhebung des Urteils Roe v. Wade hat der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten dem amerikanischen Volk einen Neuanfang für das Leben ermöglicht, und ich gratuliere den Richtern in der Mehrheit für den Mut ihrer Überzeugungen.«

  • Der britische Premierminister Boris Johnson reagierte auf das Urteil auf einer Pressekonferenz bei einem Besuch in Ruanda: »Ich denke, es ist ein großer Rückschritt (...). Ich habe immer an das Recht der Frau geglaubt, sich zu entscheiden, und ich bleibe bei dieser Ansicht, und deshalb hat das Vereinigte Königreich die Gesetze, die es hat.«

  • Der kanadische Premierminister Justin Trudeau äußerte sich entsetzt über die Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofs: »Keine Regierung, kein Politiker oder Mann sollte einer Frau sagen, was sie mit ihrem Körper machen kann und was nicht«, schrieb Trudeau am Freitag auf Twitter und versicherte kanadischen Frauen, für ihr Recht auf Abtreibungen einzustehen. Die Nachrichten aus dem Nachbarland USA seien »erschreckend«.

  • Die Vereinten Nationen kritisieren das Urteil ebenfalls – und weisen auf die Gesundheitsrisiken für Frauen hin: »Daten zeigen, dass die Einschränkung des Zugangs zur Abtreibung die Menschen nicht davon abhält, eine Abtreibung durchzuführen – sie macht sie nur tödlicher«, teilte der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen mit.

ktz/dpa/Reuters
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