Vorwahl in New Hampshire Sanders siegt, Biden flieht

Der linke Senator gewinnt die Vorwahl der US-Demokraten in New Hampshire. Doch Jungstar Pete Buttigieg bleibt ihm auf den Fersen – und Amy Klobuchar sorgt für eine Überraschung.
Aus Nashua, New Hampshire, berichten Roland Nelles und Ralf Neukirch
Fans von Bernie Sanders feiern in New Hampshire

Fans von Bernie Sanders feiern in New Hampshire

Foto:

Drew Angerer/ AFP

Zum ersten Mal seit längerer Zeit sah man Bernie Sanders wieder lachen. "Ich danke den Menschen von New Hampshire für einen großen Sieg", rief er in den Saal. "Dieser Sieg hier ist der Anfang vom Ende von Donald Trump."

Mit gut 26 Prozent der Stimmen hat sich der linke Polit-Veteran bei der Vorwahl der Demokraten in New Hampshire gegen seine Konkurrenten durchgesetzt. Der Ausgang war knapp: Der Zweitplatzierte Pete Buttigieg konnte nach seinem Erfolg in Iowa mit gut 24 Prozent erneut ein gutes Ergebnis einfahren.

Trotz der Freude über den Erfolg hatten sich Sanders und seine Strategen in New Hampshire sicherlich mehr erhofft. Bei den letzten Vorwahlen 2016 konnte er hier gegen Hillary Clinton noch 60 Prozent der Stimmen erreichen. Nun zeigt sich, wie anders dieses Rennen ist. Es sind weit mehr ernsthafte Konkurrenten im Spiel. Die demokratische Basis ist uneins oder auch unsicher, wer der beste Kandidat oder die beste Kandidatin ist, um Donald Trump bei der eigentlichen Wahl im November zu schlagen. Die vorhandenen Stimmen verteilen sich deshalb auf mehr Köpfe.

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Immerhin kann Sanders nun für sich in Anspruch nehmen, mit Rückenwind in die weiteren Vorwahlen zu gehen. Sein Vorteil: Er ist für eine lange, harte Wahlschlacht um die Präsidentschaftskandidatur bestens vorbereitet. Schon jetzt kann er praktisch in allen Staaten auf eine solide Unterstützerbasis verweisen. Er sammelt das meiste Geld von Kleinspendern ein und ist im ganzen Land eine bekannte politische Marke.

DER SPIEGEL

Pete Buttigieg ist mit seinem Erfolg in New Hampshire derweil zum Favoriten des moderaten Lagers in der Partei aufgestiegen. Er hat sich in den vergangenen Wochen erfolgreich als junges, modernes Gesicht der Partei inszeniert. "Wir sind hier, um zu bleiben", rief er seinen jubelnden Anhängern in einer Sporthalle in Nashua zu. Allerdings hat Buttigieg seine Erfolge in zwei Staaten mit einer überwiegend weißen Bevölkerung erzielt. Ob er seinen Höhenflug fortsetzen kann, wenn demnächst die deutlich durchmischteren Staaten wählen, ist offen. Unter schwarzen Wählern hat Buttigieg bislang sehr schlechte Umfragewerte.

"Amy, Amy, Amy"

Die große Überraschung dieser Vorwahl ist der Aufstieg von Amy Klobuchar. Die Senatorin aus Minnesota im Mittleren Westen spielte bislang in diesem Wahlkampf eine Nebenrolle, nun konnte sie mit ihren gemäßigten Ansichten und ihrem bedächtigen Stil aber offenbar viele Wähler in New Hampshire überzeugen. Sie kommt auf gut 20 Prozent und kann nun darauf hoffen, in diesem Rennen weiter eine gewichtige Rolle zu spielen. Wer gewinnt, bekommt mehr Spenden, kann in weiteren Staaten seine Wahlkampforganisation stärken.

Amy Klobuchar (am 4. Februar): Von der Neben- in eine der Hauptrollen gewechselt

Amy Klobuchar (am 4. Februar): Von der Neben- in eine der Hauptrollen gewechselt

Foto: Scott Eisen/ AFP

Klobuchar präsentiert sich als Kandidatin der Vernunft: "Donald Trumps schlimmster Albtraum ist, dass die Menschen in der politischen Mitte jemanden finden, den sie wählen können", rief sie ihren Anhängern in New Hampshire zu. "Hallo Amerika, ich bin Amy Klobuchar, und ich werde Trump besiegen." Ihre Fans riefen: "Amy, Amy, Amy!"

Der Erfolg von Amy Klobuchar und Pete Buttigieg geht zweifellos auf Kosten von Joe Biden. Er landete in New Hampshire bei nur acht Prozent. Viele moderate Wähler trauen ihm offenbar nicht zu, Trump zu besiegen. Womöglich hat ihm auch die Ukraineaffäre nachhaltig geschadet. Von Trump und seinen Republikanern waren Biden und sein Sohn Hunter in den vergangenen Monaten immer wieder der Korruption bezichtigt worden, diesen Schatten wird er nicht los.

Schafft Biden noch ein Comeback?

Für Biden ist New Hampshire nach Iowa bereits die zweite Schlappe in Folge, seine Kandidatur gerät damit in ernste Schwierigkeiten. Seine Hoffnung ist, dass er bei den nächsten beiden Vorwahlen in Nevada (22. Februar) und South Carolina (29. Februar) ein Comeback starten kann. Dort gibt es viele hispanische und afroamerikanische Wähler, die Biden zu seinen wichtigsten Unterstützern zählt. Noch vor Schließung der Wahllokale in New Hampshire brach er nach South Carolina auf, um dort um jede Stimme zu kämpfen. Allerdings könnte Bidens Plan auch schiefgehen: Er hat jetzt das Image des Verlierers, viele Demokraten in Nevada oder South Carolina könnte dies veranlassen, sich von ihm abzuwenden und nach Alternativen Ausschau zu halten.

Die zweite große Verliererin des Abends ist Elizabeth Warren, wie Sanders eine Vertreterin des linken Parteiflügels. Die Senatorin aus dem benachbarten Massachusetts hatte noch vor wenigen Monaten in Umfragen in New Hampshire an erster Stelle gelegen. Am Ende reichte es mit nicht einmal zehn Prozent der Stimmen für sie nur zum vierten Platz. Es scheint klar zu sein, dass die meisten Wähler aus dem sogenannten progressiven Lager der Demokraten ihren Konkurrenten Sanders favorisieren. In den vergangenen Tagen hatte Warren versucht, sich als Kandidatin zu positionieren, die die Partei zusammenführt. "Wir brauchen einen Kandidaten, der die breiteste Koalition innerhalb der Partei hinter sich versammeln kann," sagte sie am Wahlabend. Es sieht nicht so aus, als werde sie das sein.

Die Sache könnte demnächst noch komplizierter werden, wenn der frühere Bürgermeister von New York, der Milliardär Michael Bloomberg, in das Rennen einsteigt. Er hat bisher an noch keiner Vorwahl teilgenommen, überzieht das Land aber mit einer Flut von Wahlspots und liegt in landesweiten Umfragen bereits auf dem dritten Platz.

Bloomberg, der zum moderaten Parteiflügel zählt, will ab dem 3. März, dem sogenannten Super Tuesday, zur Wahl antreten. An diesem Tag wird in 14 Staaten gewählt, darunter in so bevölkerungsreichen wie Texas und Kalifornien. Mehr als 35 Prozent der Delegiertenstimmen werden dann vergeben. Danach, so die Hoffnung der Parteistrategen, könnte das Rennen vorentschieden sein.

Dann könnten sich die Demokraten endlich darauf konzentrieren, Trump anzugreifen, statt sich untereinander zu streiten.

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