Vulkanausbruch in Tonga »Die Versorgung mit Trinkwasser ist kritisch«

Der gewaltige Vulkanausbruch im Inselstaat Tonga hat viele Wasserquellen verseucht. Sophie Ford vom Australischen Roten Kreuz steht in engem Kontakt mit den Inseln, die nun von einer dicken Schicht Asche bedeckt sind.
Ein Interview von Maria Stöhr, Bangkok
Erste Hilfslieferungen haben via Flugzeug den Inselstaat Tonga erreicht

Erste Hilfslieferungen haben via Flugzeug den Inselstaat Tonga erreicht

Foto: Uasike Latu / AFP
Globale Gesellschaft

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SPIEGEL: Frau Ford, Sie sind Teil des Krisenstabs des Australischen Roten Kreuzes, koordinieren die Hilfen, die jetzt nach Tonga geschickt werden. Was brauchen die Menschen dort am meisten?

Sophie Ford: Wie Sie bestimmt wissen, ist die Kommunikation mit den Inseln nach dem Vulkanausbruch nur sehr eingeschränkt möglich. Das Unterseekabel ist unterbrochen, das Internet ausgefallen. Aber wir haben mittlerweile Kontakt zum Roten Kreuz in Tonga. Die Kollegen teilen uns mit, dass dringend Trinkwasser benötigt wird. Die Versorgung ist kritisch, denn die Vulkanasche hat die Wasserquellen verunreinigt. Außerdem sind viele Häuser zerstört worden. Es ist wichtig, dass wir die Menschen mit grundlegenden Hilfsgütern versorgen: Essenspakete, Zelte, Kochgeräte oder Planen, mit denen Schäden an Häusern erst mal abgedeckt werden können.

In Amerbley, Australien, beladen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Streitkräfte ein Transportflugzeug für Tonga

In Amerbley, Australien, beladen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Streitkräfte ein Transportflugzeug für Tonga

Foto: Lacw Kate Czerny / dpa

SPIEGEL: Tongas Premierminister Siaosi Sovaleni sprach von einer »noch nie dagewesenen Katastrophe«. Wie viel wissen Sie inzwischen über den Grad der Zerstörung?

Ford: Die heruntergefallene Asche hat sich in einer dicken Schicht über die Inseln gelegt. Auf der Inselgruppe Ha'apai hat der Tsunami viele Gebäude zerstört. Die Regierung von Tonga berichtet, dass auf einigen Inseln, zum Beispiel auf Mango, wirklich alle Häuser zerstört wurden. Dort sollen die Bewohner evakuiert und auf die Hauptinsel Tongatapu gebracht werden. Ein Großteil der 100.000 Einwohner, die auf den 170 Inseln leben, dürften von der Katastrophe betroffen sein. Wir wissen von drei Toten. Aufklärungsflieger bewerten das Ausmaß der Situation nun aus der Luft.

SPIEGEL: Australien, Neuseeland und Japan haben Flugzeuge und Schiffe Richtung Krisengebiet entsandt. Einige sind schon gelandet oder dürften am Freitag vor Ort sein. Sind da auch Ihre Leute an Bord?

Ford: Im Moment unterstützen wir aus der Ferne. Das allernötigste Hilfsmaterial ist zum Glück schon auf den Inseln bevorratet gewesen, und wird bereits seit kurz nach dem Ausbruch verteilt. Wir schicken nun Moskitonetze, Planen, Wasserbehälter, Solarlampen und Bausätze für Notunterkünfte, um die lokalen Vorräte aufzustocken. Es wird später auch wichtig sein, die Menschen vor Ort langfristig zu unterstützen, gerade wenn es um Folgen von Traumatisierungen oder finanzielle Ausfälle geht.

Die Asche des Vulkans hat sich in einer dicken Schickt auf die Inseln gelegt – und viele Trinkwasserquellen verunreinigt

Die Asche des Vulkans hat sich in einer dicken Schickt auf die Inseln gelegt – und viele Trinkwasserquellen verunreinigt

Foto: Maxar / DigitalGlobe / Getty Images

SPIEGEL: In Tonga hat es bisher nur eine einzige Infektion mit dem Coronavirus gegeben – ein großer Erfolg für das Land, aber verbunden mit wirtschaftlichen Einbrüchen und strikten Quarantänen; Familien konnten sich Monate oder Jahre nicht sehen. Die Sorge ist groß, dass nun ausgerechnet die Helferinnen und Helfer aus Australien das Virus einschleppen.

Ford: Wir müssen in der Tat aufpassen, dass wir mit der Hilfe von außen nicht ein zusätzliches Problem mitbringen. Ich bin mir aber sicher, dass Australien in dem Punkt sehr große Vorsicht walten lässt. Und: Die Hilfsgüter sollen weitgehend kontaktlos übergeben werden, die Maschinen aus dem Ausland bleiben nur für sehr kurze Zeit am Boden.

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

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