Sipri-Studie Boom der Rüstungsgiganten

Für Rüstungskonzerne war 2019 ein erfolgreiches Jahr, wie eine aktuelle Sipri-Studie zeigt. Insbesondere US-Unternehmen dominierten – russische und chinesische Firmen hatten es demnach schwerer.
Militärflugzeug von Lockheed Martin, einem der größten Waffenhersteller der Welt

Militärflugzeug von Lockheed Martin, einem der größten Waffenhersteller der Welt

Foto: mpi04/MediaPunch / imago images/MediaPunch

Die Rüstungsbranche hat ein Boomjahr hinter sich. Allein die 25 größten Waffenhersteller setzten im vergangenen Jahr mit Waffenverkäufen und militärischen Dienstleistungen 361 Milliarden US-Dollar (etwa 300 Milliarden Euro) um. Das entspricht einem Jahreszuwachs von 8,5 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in einer aktuellen Studie.

Dabei dominierten US-amerikanische Firmen den Markt. 2019 waren – wie schon im Vorjahr – die fünf größten Rüstungsunternehmen in den Vereinigten Staaten ansässig: Lockheed Martin, Boeing, Northrop Grumman, Raytheon und General Dynamics. Allein sie verkaufen Waffen für 166 Milliarden Dollar (etwa 137 Milliarden Euro). Insgesamt befanden sich unter den größten 25 Rüstungskonzernen zwölf US-Unternehmen, die für 61 Prozent der Umsätze standen.

Die 15 größten Rüstungskonzerne (nach Verkäufen von Waffen und militärische Dienstleistungen, 2019)

Rang

Konzern

Land

1

Lockheed Martin Corp.

USA

2

Boeing

USA

3

Northrop Grumman Corp.

USA

4

Raytheon

USA

5

General Dynamics Corp.

USA

6

Aviation Industry Corp. of China (AVIC)

China

7

BAE Systems

Großbritannien

8

China Electronics Technology Group Corp. (CETC)

China

9

China North Industries Group Corp. (NORINCO)

China

10

L3Harris Technologies

USA

11

United Technologies Corp.

USA

12

Leonardo

Italien

13

Airbus

EU

14

Thales

Frankreich

15

Almaz-Antey

Russland

Quelle: Sipri
Anmerkung: Northrop Grumman Corp. und United Technologies Corp. gehören seit 2020 zusammen

Unter den größten Herstellern sind zudem sechs westeuropäische, vier chinesische und zwei russische Unternehmen. Der Umsatz der chinesischen Firmen stieg im Jahresvergleich zu 2018 langsamer an als der Durchschnitt der Top 25 insgesamt. Die russischen Konzerne verzeichneten einen Rückgang. Laut Sipri ist ein Grund dafür, dass die russische Regierung 2019 weniger Geld für die Modernisierung der Flotten ausgab.

Zum ersten Mal rangierte auch eine Firma aus dem Nahen Osten unter den größten Waffenverkäufern. Die Firma EDGE mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) entstand 2019, als sich mehr als 25 kleinere Unternehmen zusammenschlossen. Das Unternehmen war 2019 für 1,3 Prozent der gesamten Waffenverkäufe der größten 25 Marktteilnehmer verantwortlich – Platz 22 im Sipri-Ranking.

Die Waffenkonzerne unterhalten außerhalb ihrer Heimatländer ein Netzwerk: Tochterfirmen, Joint Ventures und eigene Forschungseinrichtungen, auch in ärmeren Regionen der Welt. Staaten dort wollten durch Vereinbarungen mit den Firmen den Aufbau ihrer eigenen Rüstungsproduktion voranbringen, schreiben die Sipri-Forscher. Die ärmeren Länder hätten »ausländische Rüstungsunternehmen willkommen geheißen, um von Technologietransfers zu profitieren«.

Fünf Länder sind für knapp zwei Drittel aller Rüstungsausgaben verantwortlich

Beim Ausbau ihrer weltweiten Präsenz liegen die europäischen und amerikanischen Rüstungskonzerne vorn – chinesische und russische Produzenten haben hingegen nur eine begrenzte internationale Infrastruktur. Siemon Wezeman, leitender Sipri-Forscher, vermutet die Gründe in Konflikten mit anderen Staaten. »Sanktionen gegen russische Firmen und von der Regierung auferlegte Beschränkungen für Übernahmen durch chinesische Firmen scheinen bei der Beschränkung ihrer globalen Präsenz eine Rolle gespielt zu haben«, heißt es von Wezeman in dem Report.

Staaten sind die größten Kunden der Rüstungsbranche. Wie Sipri in einer früheren Studie zeigte, flossen 2019 fast zwei Billionen Dollar (etwa 1,6 Billionen Euro) in Wehretats. Knapp zwei Drittel davon (1,2 Billionen Dollar/etwa 1 Billion Euro) investierten allein die USA, ChinaIndien, Russland und Saudi-Arabien.

Das Sipri-Institut ist ein unabhängiger internationaler Thinktank mit Sitz in Stockholm. Das Institut forscht seit 1966 zu Konflikten, Rüstung und Abrüstung. Finanziert wird es zu einem großen Teil von der schwedischen Regierung.

ire