Valerie Höhne

US-Wahl 2020 Endlich eine Frau!

Valerie Höhne
Ein Kommentar von Valerie Höhne
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Mit Kamala Harris haben die USA zum ersten Mal eine Frau zur Vizepräsidentin gewählt. Das ist eine wichtige Nachricht für die Welt, gerade in diesen Tagen.
Kamala Harris: "Stolze, starke schwarze Frau"

Kamala Harris: "Stolze, starke schwarze Frau"

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Andrew Harnik / dpa

Was für eine Erleichterung. Joe Biden und Kamala Harris haben gewonnen, gegen Donald Trump und Mike Pence. Vielleicht kehrt ein Stück Normalität zurück in die Welt, die durch die Coronakrise endgültig aus den Fugen geraten war. Und zum ersten Mal in der Geschichte der USA ist die Vizepräsidentin eine Frau. Nicht nur das, sie ist eine schwarze Frau mit indischen Wurzeln. Das hat Symbolwirkung.  

Frauen in mächtigen Ämtern sind weltweit in der Unterzahl. Schwarze Frauen findet man in diesen Positionen erst recht selten. Um den Kritikern das Argument zu nehmen: Es geht nicht darum, dass das Frausein oder ihre Hautfarbe Kamala Harris dazu qualifiziert, Vizepräsidentin der USA zu sein. Es geht darum, dass ihr Frausein und ihre Hautfarbe sie nicht von dieser Position ausschließen dürfen. Noch immer ist das viel zu oft der Fall.

Vier Jahre Rückschritt

Es gibt strukturelle Benachteiligung von Frauen in unseren Gesellschaften, sowohl in den USA als auch in Deutschland. Es gibt strukturellen Rassismus, hier und dort. Dass eine schwarze Frau es trotz dieser strukturellen Hürden schafft, in diese Sphären der Macht vorzudringen, ist beeindruckend. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass wir auf dem Weg sind, eine inklusivere Gesellschaft zu werden, und Schritte nach vorn machen.

Die letzten vier Jahre wirkten oft wie ein einziger Rückschritt: Mit Donald Trump ist ein Mann Präsident geworden, der damit prahlte, Frauen ungestraft in den Schritt fassen zu können, ein Mann der 26-mal der sexuellen Belästigung bezichtigt wurde, der Rassismus salonfähig machte und sich nicht von Neonazis und Rechtsextremisten distanzierte. Viele Schwarze starben durch Polizeigewalt. Der Brexit schwächt die Europäische Union, in Frankreich wurde der rechtsextreme Front National 2017 bei der Präsidentschaftswahl zweitstärkste Kraft, in Thüringen wählte die AfD den Ministerpräsidenten mit.

Durch Anwesenheit schafft sie Irritation

Für viele Frauen fühlte sich der Wahlausgang 2016 wie ein Schlag in die Magengrube an. Hillary Clinton hat nicht nur verloren, weil sie eine Frau ist, aber auch weil sie eine Frau ist. Es wirkte, als würde Frauen das mächtigste Amt der Welt nicht zugetraut, selbst wenn der Gegenkandidat Donald Trump heißt. In diesem Jahr haben die Demokraten sich für die sicherere Variante entschieden: Joe Biden ist ein weißer, heterosexueller Mann, der seit mehr als 40 Jahren Politik macht und so viele Ecken und Kanten hat wie ein Ball.

Aber er hat Kamala Harris zu seiner Vizepräsidentschaftskandidatin gemacht, und das war historisch. Die erste schwarze Frau, eine, die auf einer schwarzen Universität studiert hat. Es ist ein bisschen wie bei Angela Merkel: Allein durch ihre Anwesenheit schafft sie eine Irritation in den Räumen, die sonst weißen Männern vorbehalten waren. Wenn es normal wird, Frauen in mächtigen Positionen zu sehen, wird ihre Präsenz dort und auf anderen Ebenen irgendwann (hoffentlich) nicht mehr hinterfragt.

"Du kannst Präsidentin werden"

Kamala Harris

Angela Merkel hat ihr Frausein nie zum Thema gemacht. Erst in den vergangenen Jahren hat sie darüber gesprochen, dass sie für Parität sei. Kamala Harris ist weniger zurückhaltend. Sie sagt, ihre Mutter hätte sie und ihre Schwester dazu erzogen, "stolze, starke schwarze Frauen" und stolz auf ihre indischen Wurzeln zu sein.

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Auf Twitter hat einen Tag nach der Wahl ein Video die Runde gemacht, das Harris' Schwester geteilt hatte. Auf Harris' Schoß sitzt ihre Großnichte, vier Jahre alt, und redet darüber, dass sie Präsidentin werden könnte. "Du kannst Präsidentin werden, aber noch nicht jetzt, weil du über 35 Jahre alt sein musst", sagt Kamala Harris zu ihrer Nichte.

Das ist das, was Harris für kleine Mädchen in den USA bedeutet: Sie können Präsidentin werden.