Streit über Wahlergebnis Wie Fox News für Panik im Weißen Haus sorgte

Jahrelang konnte sich Donald Trump auf Fox News verlassen – bis der Sender in der Wahlnacht schon früh Joe Biden zum Sieger in Arizona erklärte. Da brach Hektik im Weißen Haus aus: Wie konnte das passieren?
Donald bei seiner Ansprache im Weißen Haus in der Wahlnacht

Donald bei seiner Ansprache im Weißen Haus in der Wahlnacht

Foto: CHRIS KLEPONIS/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Es sollte so sein wie vor vier Jahren, als mit dem Sieg in Florida feststand, dass Donald Trump die Präsidentschaftswahl gewonnen hatte. Auch diesmal triumphierte er im wichtigen Swing State – aber das Team des Präsidenten hat keinen Grund zum Jubeln – und das lag an Arizona und Trumps Lieblingssender Fox News.

Was in jener Nacht mit dem irritierenden TV-Auftritt Trumps, bei dem er sich schon als Sieger ausrief, im Weißen Haus passierte, schildert die "New York Times" .

Im East Room, dem größten Saal im Weißen Haus, fanden sich demnach am frühen Abend Hunderte aktive und ehemalige Mitarbeiter aus Trumps Team ein, um mit ihm den Sieg zu feiern – vier weitere Jahre an der Macht. Doch dann sorgte Fox News für ein abruptes Ende der Partystimmung: Denn um 23.20 Uhr Ortszeit rief der Sender Trumps Rivalen Joe Biden als Sieger im Bundesstaat Arizona aus – obwohl erst 73 Prozent der Stimmen dort ausgezählt waren.

Fassungslosigkeit sei daraufhin bei Trump und seinen Beratern ausgebrochen, heißt es in dem Bericht der Zeitung. Denn wenn Arizona wirklich an Biden geht, ist die Wiederwahl Trumps stark gefährdet.

Wütend habe Trump einige republikanische Gouverneure angerufen. Ratschläge aus seinem Wahlkampfteam ignorierte er, als er um 2.30 Uhr in der Nacht ans Rednerpult im East Room trat und seine irritierende TV-Ansprache hielt. Er sprach von "Betrug" und kündigte an, vor den Supreme Court zu ziehen, um ein Ende der Stimmenauszählung zu erreichen.

Mit einem Sieg in Arizona hatte das Trump-Team fest gerechnet, eine Niederlage konnte also gar nicht sein. Der republikanische Gouverneur Doug Ducey telefonierte demnach die ganze Nacht mit Verwaltungsbeamten und bestand darauf, dass noch viele Stimmen von Republikanern auszuzählen seien. Erst dann dürfe das Ergebnis bekannt gegeben werden.

Trumps Berater Jason Miller bestritt auf Twitter die Richtigkeit des Arizona-Ergebnisses. Er habe bei Fox News angerufen und gefordert, dass das Ergebnis beim Sender korrigiert werde. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner habe auch Rupert Murdoch, den Besitzer von Fox News, kontaktiert. Doch Fox News, der Sender, bei dem Trump sich jahrelang auf eine Berichterstattung zu seinen Gunsten verlassen konnte, habe sich geweigert.

Trumps Wahlkampagnenleiter Bill Stepien behauptete noch am folgenden Morgen, dass der Präsident in Arizona mit einem Vorsprung von 30.000 Stimmen gewinnen werde. Trumps Sohn Eric habe versucht, die Auszählung im ebenfalls wichtigen Pennsylvania anzuzweifeln. Trumps Anwalt Rudolph Giuliani wiederum behauptete, auch die Wahl in Pennsylvania werde "gestohlen", ohne dafür irgendeinen Beweis zu liefern.

Trump selbst habe die meiste Zeit in der Nacht damit verbracht, im Weißen Haus bei Fox News die anderen Wahlergebnisse zu verfolgen. Wütend musste er dann den Auftritt seines Rivalen mit ansehen. Joe Biden reklamierte den Sieg in Arizona schon für sich und sagte: "Wir glauben, dass wir auf dem richtigen Weg sind, um diese Wahl zu gewinnen." Während Bidens Rede twitterte Trump permanent und behauptete, die Demokraten wollten die Wahl "stehlen".

Als am nächsten Morgen Biden auch als Sieger in Michigan und Wisconsin feststand, war von Trump in der Öffentlichkeit nichts zu sehen. Wenn der Präsident im Oval Office des Weißen Hauses arbeitet, steht üblicherweise ein Marine vor den Türen des Westflügels. Doch diesmal sei der den ganzen Tag nicht zu sehen gewesen, heißt es in dem Bericht der "New York Times".

Trump habe vielmehr Unterstützer und Freunde angerufen und dabei angeblich etwas entmutigt geklungen. Jared Kushner bereitete derweil schon eine Anfechtung der Ergebnisse vor Gericht vor. Er suche nach jemandem wie James Baker – der einstige Stabschef von George W. Bush hatte im Jahre 2000 dafür gesorgt, dass in Florida nicht noch einmal neu ausgezählt wurde – und Bush so zum Sieg verholfen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, James Baker habe 2000 dafür gesorgt, dass die Stimmen in Florida neu ausgezählt wurden. Es ging den Republikanern damals aber darum, dass die Neuauszählung gestoppt wird. Wir haben die Stelle geändert.

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