Waldbrände in Kalifornien Immer größer, immer tödlicher

Seit zwei Wochen wird der US-Bundesstaat Kalifornien zusätzlich zur Coronakrise auch noch von Feuersbrünsten heimgesucht. Der Klimawandel erhöht die Waldbrandgefahr.
Ein Feuerwehrmann im Einsatz bei einem der größten Waldbrände in der Geschichte Kaliforniens

Ein Feuerwehrmann im Einsatz bei einem der größten Waldbrände in der Geschichte Kaliforniens

Foto: ADREES LATIF / REUTERS

Was nimmt man mit, wenn man vielleicht nie mehr nach Hause zurückkehrt? Was kann man in wenigen Minuten oder Stunden zusammenpacken? Und was ist so wertvoll, dass es durch nichts ersetzt werden kann? Riley Park musste Antworten auf diese Fragen finden. Mit Hund, Katze und seiner Familie sitzt der 39-jährige Amerikaner in einem Hotelzimmer im kalifornischen Küstenort Santa Cruz und hofft, dass sein zehn Meilen entfernt stehendes Haus nicht in den Flammen steht. Ein Foto und die Kette seines verstorbenen Bruders hat Park im Gepäck, den grauen Stoffelefanten seines dreijährigen Sohnes, ein Highschool-Jahrbuch, das Hochzeitsfoto mit seiner Frau sowie wichtige Dokumente und eine Grundausstattung für seine neugeborene Tochter Lucy. Für viel mehr war kein Platz im Auto.

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Feuer in Kalifornien

Foto: Noah Berger / AP

Zwei Katastrophen auf einmal

Auch in Santa Cruz können sie den Rauch riechen und sehen, die Sicht ist schlecht. Wenige Meilen weiter wütet nur eines der 700 Feuer, die seit Mitte August den US-Bundesstaat Kalifornien vor größte Herausforderungen stellen: Wie bekämpft man eine Pandemie und eine Naturkatastrophe gleichzeitig? Gefährliche Waldbrände hat Kalifornien schon oft erlebt, doch selten war das Ausmaß so groß wie in diesem Jahr. Mitte August hatten mehrere starke Gewitter mit mehr als zehntausend Blitzen die Brände entfacht. Seitdem sind im Norden des Bundesstaates viele kleine Brände zu großen Feuersbrünsten zusammengewachsen.

Sie hinterlassen Schneisen der Verwüstung: Mehr als tausend Häuser wurden verstört, Stromleitungen, Wassertanks, und ganze Dörfer sind zerstört. Sieben Menschen kamen bisher in den Waldbränden ums Leben, darunter ein Pilot, der mit einem Löschflugzeug abstürzte. Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, schrieb auf Twitter , dass die verbrannten Flächen fast die Ausmaße des Grand Canyons erreicht hätten.

 

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Feuer im Paradies

Riley Parks Zuhause ist ein Holzhaus in den Bergen, drei Schlafzimmer, Wohnzimmer mit Kamin und Küche mit Blick in die Natur. Durch das Grundstück fließt ein kleiner Bach, morgens singen die Vögel im Garten. "Eigentlich wohnen wir im Paradies, aber jetzt ist es einer der gefährlichsten Wohnorte überhaupt", erzählt er am Telefon. Sein Haus steht mitten im Wald, umringt von riesigen Mammutbäumen. Manche von ihnen wachsen dort seit weit über 2000 Jahren. Auf das Dach seines Hauses hat Park einen Rasensprenger gestellt, der Tag und Nacht Wasser verteilt, damit das Holz nass ist, falls die Flammen zu nahe kommen. "Es ist schon verrückt, vor dem Feuer war die größte Sorge in unserem Kopf Covid-19, und nun müssen wir mitten in einer Pandemie im Hotel wohnen und hoffen", sagt Parks. Die Familie ist schon am Tag vor der offiziellen Evakuierung gefahren. Nicht immer kommt die Warnung schnell genug.

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Vor dem Feuer und danach

Foto: Riley Park

Weiter nördlich, im Sonoma County etwa, hörten Anwohner im Radio den Aufruf zur Evakuierung - zwei Minuten später war das Feuer am Haus von Michael Jones. So erzählt es seine Tochter. Mit nichts als seiner Kleidung am Körper musste der 53-Jährige mit seinem Vater fliehen. Bis auf seinen Metallsafe ist alles verbrannt. Aber der Inhalt des Safes ist geschmolzen.

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Klimawandel verstärkt Waldbrandrisiko

Waldbrände gibt es seit Jahrhunderten in Kalifornien. Doch in den vergangenen Jahren sind sie immer größer und auch tödlicher geworden. Nicht nur steigen die Temperaturen durch den Klimawandel und trocknen somit die Wälder aus, die Schneeschmelze im Frühling setzt immer früher ein und die Dürrezeiten verlängern sich. Und wenn ein Feuer ausbricht, frisst es sich rasend schnell durch das Unterholz. US-Präsident Donald Trump kritisiert, die Politik in Kalifornien tue nicht genug, um Feuer zu vermeiden. Er schlug vor, dass Unterholz in den Wäldern wegzuharken und damit den Waldbränden die Nahrung zu nehmen.

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"A little silly", ein bisschen dumm, findet Parks den Vorschlag. "Das Unterholz in ganz Kalifornien sauber zu harken, wäre eine nie endende Aktion. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das überhaupt möglich gemacht werden sollte."

Keine Entwarnung für Kalifornien

Mehr als 1500 Quadratkilometer Fläche hat nur der eine große Feuerkomplex im Norden bereits verwüstet. Mit fast 70 Bulldozers haben Feuerwehrleute Schneisen in die Wälder geschlagen bis nur noch blanke Erde zu sehen ist, sodass das Feuer sich nicht weiter ausbreiten kann. Doch Shana Jones, Waldbrandexpertin bei der kalifornischen Feuerwehr, warnt, dass der Höhepunkt des Infernos vielleicht erst bevorsteht.   

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