Die meisten Bäume benötigen Jahre, um sich vom Feuer zu erholen, der Eukalyptus wächst nach wenigen Wochen schon wieder. Genau das mache ihn so gefährlich, sagen Kritiker

Die meisten Bäume benötigen Jahre, um sich vom Feuer zu erholen, der Eukalyptus wächst nach wenigen Wochen schon wieder. Genau das mache ihn so gefährlich, sagen Kritiker

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL

Waldbrände in Portugal Eukalyptus Now

Nach den schlimmsten Waldbränden seit Jahren will Portugals Holzindustrie noch mehr Eukalyptusbäume anpflanzen. Die wachsen schnell – und brennen wie Zunder. Umweltschützer sind entsetzt und haben ganz andere Ideen.
Aus Monte Frio berichten Jan Petter und Gonçalo Fonseca (Fotos)
Globale Gesellschaft

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Die Nacht, in der es Feuer regnet, beginnt für Rafael Marques mit einem Anruf. Es ist der Abend des 13. Juli, kurz vor 21 Uhr. Der Biologe will sich gerade ein Bier aufmachen, da surrt es in seiner Tasche. Am anderen Ende ein Freund. »Weißt du, dass es in deinem Dorf brennt?«

Canelas ist ein unscheinbarer Fleck im Herzen von Portugal. Gut tausend Einwohner, weiße Häuser, orangerote Dachziegel. Keine richtigen Gehwege, eine holprige Durchgangsstraße. Als Marques ankam, war seine kleine Holzhütte bereits abgebrannt. Die Eukalyptusbäume am Haus seiner Großeltern brannten wie 25 Meter hohe Fackeln.

Rafael Marques hat mit seinem Verein Bioliving über Jahre ein Mikroreservat mit heimischen Pflanzen aufgebaut, dann kam das Feuer

Rafael Marques hat mit seinem Verein Bioliving über Jahre ein Mikroreservat mit heimischen Pflanzen aufgebaut, dann kam das Feuer

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL

Ein Inferno wie bei Dante sei es gewesen, erinnert sich Marques und zeigt Fotos. Mit einem kleinen Verein und einigen Kommilitoninnen hatte er hier seit 2016 ein Maisfeld am Dorfrand in einen einheimischen Wald zurückverwandelt. Ringsherum wuchs Eukalyptus, wie in vielen Gegenden Portugals. Touristen halten die Bäume oft für eine einheimische Spezies, dabei wird sie erst seit einigen Jahrzehnten gezielt angepflanzt.

Eukalyptus wächst schnell, ist anspruchslos – aber er brennt beinahe wie Benzin.

Die Katastrophe

Kein anderes Land in Europa litt in den vergangenen zehn Jahren so sehr unter Waldbränden wie Portugal – kein anderer Baum wächst hier so häufig wie Eukalyptus.

Das Feuer verkohlt den Baum nicht einfach, es lässt seine fasrige, ölhaltige Rinde regelrecht explodieren. Als Rafael Marques an diesem Abend im Juli den Dorfrand erreicht, brennen bereits die Baumkronen des angrenzenden Eukalyptusforstes. Der Horizont leuchtet orange. Wie glühender Schnee tanzen die brennenden Blätter leise durch die Nacht.

So verteilen sich Feuer noch weiter.

Der Brand zerstört mehr als 2500 Hektar Land, zwei nahe gelegene Autobahnen müssen gesperrt werden. Doch wie durch ein Wunder versengen die Flammen nur die erste Reihe Bäume auf Marques’ Grundstück. Außer Sträuchern und der Gartenhütte brennt nichts ab. Inmitten von verbrannter Erde blüht es heute auf zwei überschaubaren Hektar bereits wieder, Hummeln fliegen umher. Im Wassertank, erzählt Marques begeistert, lebten seltene Schlangen.

Was wie viel Glück klingt, meint er, sei das Ergebnis biologischen Brandschutzes. Der Boden auf seinem Grundstück sei feucht gewesen, der gepflanzte Baumbestand widerständig. Deshalb habe das Feuer gestoppt – so wie ihren Wald würden er und seine Mitstreiter deshalb jetzt gern auch die verbrannte Umgebung aufforsten.

Was aussieht wie Herbst, ist bis zum Horizont verbrannter Wald

Was aussieht wie Herbst, ist bis zum Horizont verbrannter Wald

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL
Rauch steigt nach einem der jüngsten Waldbrände bei Viseu aus dem Boden, schon jetzt gab es in Portugal deutlich mehr Waldbrände als in den vergangenen Jahren

Rauch steigt nach einem der jüngsten Waldbrände bei Viseu aus dem Boden, schon jetzt gab es in Portugal deutlich mehr Waldbrände als in den vergangenen Jahren

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL

Hilfe ist dringend nötig. In ganz Portugal ist bereits jetzt viermal so viel Land verbrannt wie im vergangenen Jahr. Die Waldbrandsaison ist noch nicht vorbei und doch schon die schlimmste seit 2017. Damals starben mehr als hundert Menschen. Immerhin sind in diesem Jahr die Opferzahlen niedriger. Doch in keinem Land Europas brannte es in den vergangenen Jahren mehr.

In der Öffentlichkeit dreht sich die Diskussion oft um Technik, große Löschflugzeuge, Heldengeschichten. Dabei ist Prävention viel entscheidender, sagen Experten.

Das schnelle Geld

Biologen wie Rafael Marques werden die Wiederaufforstung jedoch wohl nur an den wenigsten Orten vorantreiben. Denn die mächtige Holz- und Papierindustrie setzt darauf, nun noch mehr Eukalyptus anzubauen. Bislang verbietet ein Gesetz von 2017 die Ausweitung. Jetzt, im Jahr neuer Waldbrandrekorde, meinen sie es kippen zu können. Nur so lasse sich in Zeiten der Landflucht und des Klimawandels der Wald effizient nutzen. Nur damit könne man die Feuergefahr effektiv stoppen. »Wir brauchen mehr, nicht weniger Eukalyptus«, heißt es.

Mehr brandgefährdete Monokulturen – das klingt wie eine wahnwitzige Idee. Umweltschützer warnen vor den Folgen. Doch gibt es überhaupt realistische Alternativen?

Luís Damas ist der Mann, der als Erster lautstark das Ende des Eukalyptusbanns forderte. Damas ist Präsident des portugiesischen Verbands der Waldbesitzer. Ein großer, kräftiger Typ. Das Portugiesisch, das der 59-Jährige spricht, klingt geerdet und tief. Sein Leben lang schon lebt er in Abrantes, einer Gegend unweit des Tejo. Bei einer Tour im klimatisierten Pick-up will er seine Arbeit verteidigen. Draußen sind es über 30 Grad, drinnen kaum 20.

Hört man Damas zu, klingt es schnell, als gäbe es nichts Natürlicheres als Eukalyptusplantagen. Auch bei Damas hat es in diesem Sommer schon mehrfach gebrannt, er zeigt die kilometerweite Einöde bereitwillig. »Schauen Sie!«, brummt er und deutet auf den Boden: »Der Eukalyptus wächst bereits wieder.« Tatsächlich erneuert er sich schneller – Kritiker sagen, genau das mache ihn gefährlich.

Nur wenige Minuten entfernt liegt ein Tal, das Damas »Neu-Tasmanien« nennt. Hier, sagt er, sei im frühen 20. Jahrhundert erstmals Eukalyptus in Portugal angebaut worden. Die Pflanzen stammten aus Australien, daher der Name.

Luís Damas in einem letzten Stück Wald, das zwischen den Eukalyptusplantagen erhalten geblieben ist

Luís Damas in einem letzten Stück Wald, das zwischen den Eukalyptusplantagen erhalten geblieben ist

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL

Heute, sagt Damas, nutze man noch immer dieselbe Sorte, Eucalyptus globulus, aber man habe sie weiterentwickelt. Er hält jetzt mitten im Nirgendwo. Draußen gibt es kaum Schatten, dafür eine Plantage, auf der Eukalyptusbäume mit dicken Blättern künstlich bewässert werden. »Damit bekommen wir mehr Ertrag, und das bedeutet mehr Geld von den Produzenten«, sagt Damas und lächelt.

Der Eukalyptus ist ein Baum der Krise und der Landflucht. Ein Großteil der portugiesischen Wälder gehört Einzelpersonen und Familien. Viele Grundstücke wurden mit jeder Generation weiter aufgeteilt, heute sind sie oft winzig, manche gerade einmal 0,05 Hektar groß. Viele Landbesitzer leben weit entfernt in der Stadt.

Andere Bäume müssen Jahrzehnte wachsen, Eukalyptus lässt sich im Schnitt alle zehn bis zwölf Jahre fällen. Für ein krisengeschütteltes Land wie Portugal ist der billige Baum eine sichere Bank, Feuergefahr hin oder her. Aus Sicht von Damas ist er unter wenigen Optionen schlicht die beste.

»Ein Haus kann man in einem Jahr wiederaufbauen, einen Wald nicht.«

Luís Damas, Verband der Waldbesitzer

Natürlich pflanze man auch andere Baumarten, aber in den vergangenen Jahren habe sich der Eukalyptus durchgesetzt, sagt Damas. »Für Pinien bekommen wir heute 90 Euro pro Tonne, für Eukalyptus 55 Euro.« Jetzt, wo seit dem Ukrainekrieg der Transport teuer geworden und Biomasse als Energiequelle so gefragt sei, habe man sogar eine einmalige Chance in Portugal, die man nutzen müsse.

Obwohl es in Zeiten des Klimawandels anders scheint, werden mehr als 90 Prozent aller Brände immer noch vom Menschen verursacht. Die genauen Gründe sind oft unklar, doch neben Unachtsamkeit spielt Brandstiftung eine zentrale Rolle. Damas sieht die Waldbesitzer als aktive Brandschützer: »Natürlich wollen wir das nicht.« Wenn es brenne, kümmere sich die freiwillige Feuerwehr zuerst um die Siedlungen, nicht um privaten Waldbesitz, klagt er. »Ein Haus kann man in einem Jahr wiederaufbauen, einen Wald nicht.«

Der Eukalyptus ist ein Wegwerfbaum. Drei- bis viermal lassen sich die Bäume erneuern, danach ist der Boden kaputt. Die Wurzeln lassen sich nur mit großem Gerät entfernen, ein Schritt, der zusätzlich Geld kostet, aber keins bringt. Umweltschützer schätzen, dass zwei Drittel der 800.000 Hektar Eukalyptuswald schlecht oder gar nicht gepflegt werden. Für die Industrie ist es billiger, neues Land zu bepflanzen, als tote Bäume zu entfernen. Auch deshalb scheint es nun lukrativ, weitere Flächen zu erschließen. Was bleibt, ist ein Dickicht voll Brandbeschleuniger.

Luís Damas will davon nichts wissen. »Wir räumen auf«, sagt er. »Dort, wo wir arbeiten, liegt nichts am Boden. Wir bremsen das Feuer.«

Zum Ende seiner Tour zeigt er noch ein Stück ursprünglicher Natur. Inmitten der Plantagen steht ein kleiner Wald. Der Papierkonzern Navigator hat ihn gesponsert, ein freundliches kleines Schild erinnert daran. Damas geht ein paar Meter durchs Unterholz, Vögel zwitschern, Wasser plätschert. Nach einigen Schritten dreht er sich um und sagt: »Forstwirtschaftlich gesehen ist das natürlich alles unnütz.«

Das große Geschäft

Portugal ist heute ein weltweit führendes Land bei der Papierproduktion. Kontrolliert wird der Markt von zwei Firmen. Navigator ist der Marktführer. Altri, Portugals zweitgrößtes Unternehmen bei der Verarbeitung von Eukalyptus, hatte bis zum vergangenen Jahr noch nicht einmal eine PR-Abteilung. Nun öffnet es zum ersten Mal für die ausländische Presse seine Türen. CEO José Soares de Pina spricht amerikanisches Englisch, statt von Waldbränden redet er lieber von Wandel und Nachhaltigkeit. Derzeit, erzählt er stolz, arbeite man darauf, aus Eukalyptus auch T-Shirts herstellen zu können. »Wir sind die Innovativsten.«

Keine andere Baumart ist in Portugal weiter verbreitet als Eukalyptus. Die Bäume wachsen schnell, sind anspruchslos – und brennen beinahe wie Benzin

Keine andere Baumart ist in Portugal weiter verbreitet als Eukalyptus. Die Bäume wachsen schnell, sind anspruchslos – und brennen beinahe wie Benzin

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL

Er weiß, dass die beiden börsennotierten Konzerne dem Land viel Geld bringen. »Wir produzieren in Europa nach den höchsten Standards. Wir gestalten die Landschaft. Unsere Produkte sind umweltfreundlich«, wirbt er. Dann sagt Soares de Pina einen Satz, der auf dieser Reise mehrfach zu hören ist: »In der Pandemie habt ihr Deutschen sehr gern Klopapier aus unserem Zellstoff gekauft.« Er lacht.

Ein großer Teil der Bäume, die heute in Portugal wachsen, werden gezielt angepflanzt. Nicht wenige davon kommen aus der Altri-Baumschule. Der Konzern versorgt mit seinen Setzlingen auch private Landbesitzer. Selbst der portugiesische Staat kauft hier seine Bäume, jährlich können neun Millionen gezüchtet werden. Obwohl das Gelände riesig ist, arbeiten darauf keine 50 Menschen.

Eine Stunde nördlich und direkt am Meer liefern täglich Dutzende Lkw Holz aus portugiesischen Wäldern an. Die Zellstofffabrik wirkt wie ein Eukalyptus fressendes Monster, Bagger auf fünf Meter hohen Türmen werfen tonnenweise Baumstämme auf Förderbänder. Am Ende der Fabrik steht eine Maschine, sie nimmt den Raum eines Fußballfelds ein und trocknet 24 Stunden und sieben Tage die Woche Zellstofffasern. Nur alle eineinhalb Jahre wird sie gestoppt, es ist angeblich die größte in Europa.

Den unpopulären Kampf für mehr Eukalyptus überlassen die Unternehmen gern den Waldbesitzern

Auch hier auf dem Industriegelände geht es um Waldbrände. Stolz erzählt der Sicherheitschef von der firmeneigenen Helikopterflotte und einem privaten Löschtrupp mit mehr als 300 Menschen, der jeden Sommer loszieht, um Brände zu stoppen. »Meistens sind wir schneller als die einheimische Feuerwehr.«

Doch fragt man Verantwortliche, was sie von Luís Damas’ Plänen für den Ausbau der Plantagen halten, werden sie einsilbig. CEO Soares de Pina lächelt freundlich, dann sagt er »Wenn wir die Produktivität des Waldes anders verbessern können, glaube ich nicht, dass das derzeit notwendig ist.«

Den unpopulären Kampf für mehr Eukalyptus überlassen die Unternehmen gern den Waldbesitzern. Dabei würden sie selbst davon wohl am meisten profitieren. Doch hinter vorgehaltener Hand geben leitende Angestellte offen zu, dass die unzähligen und oft zugewachsenen kleinen Grundstücke Teil des Problems sind. Ein erfahrener Manager wagt sogar das Undenkbare und sagt: »Aus meiner Sicht sollte man nach jedem Feuer die betroffenen Wälder einfach verstaatlichen.«

Täglich erreichen etliche Tonnen Eukalyptus die Altri-Zellstofffabrik in Figueira da Foz, der Konzern bezeichnet sie als modernste in Europa

Täglich erreichen etliche Tonnen Eukalyptus die Altri-Zellstofffabrik in Figueira da Foz, der Konzern bezeichnet sie als modernste in Europa

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL
Unter dem Glasdach der konzerneigenen Baumschule wachsen in Olho Marinho Millionen Eucalyptus-globulus-Pflanzen, selbst der portugiesische Staat kauft hier seine Bäume.

Unter dem Glasdach der konzerneigenen Baumschule wachsen in Olho Marinho Millionen Eucalyptus-globulus-Pflanzen, selbst der portugiesische Staat kauft hier seine Bäume.

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL
Arbeiterinnen reinigen die Pflanzen von Hand und versorgen sie mit Dünger, so soll der Ertrag verbessert werden

Arbeiterinnen reinigen die Pflanzen von Hand und versorgen sie mit Dünger, so soll der Ertrag verbessert werden

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL
Zellstoff aus portugiesischem Eukalyptus verlässt die Altri-Zellstofffabrik in Figueira da Foz

Zellstoff aus portugiesischem Eukalyptus verlässt die Altri-Zellstofffabrik in Figueira da Foz

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL

Die Rettung des Waldes

Duarte Neves ist angehender Forstingenieur und erst 24, doch er leitet bereits das einzige staatliche Projekt zur Wiederaufforstung des Brandgebietes nördlich des Tejo. Monte Frio ist ein windiges Bergdorf am Rande eines Naturparks, das die Kälte bereits im Namen trägt. Ausgerechnet hier zerstörte das letzte große Feuer 2017 gut 95 Prozent der Landschaft. Noch fünf Jahre später sind die Spuren des Brandes wie Narben in der Landschaft zu sehen. Erst vereinzelt wachsen wieder Bäume.

Auch hier gedeiht der Eukalyptus. Offiziell sind 26 Prozent des Waldes heute damit bedeckt, doch tatsächlich verbreitet sich die Pflanze vielerorts unkontrolliert, selbst hier im Naturpark. Experten schätzen, dass es auch doppelt so viele Bäume sein könnten.

Duarte Neves in seinem Forstfahrzeug

Duarte Neves in seinem Forstfahrzeug

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL

Im Auftrag der Regierung sollen Duarte Neves und sein Team nun zeigen, dass sich Wald auch ohne Monokulturen so aufforsten lässt, dass die Brandgefahr sinkt. Großflächig. Neves sagt, er sei kein Gegner des Eukalyptus, sondern ein Hüter des Waldes. Das Projekt soll kein Schutzgebiet werden, aber ein heimischer Wald, der widerstandsfähig ist und Geld erwirtschaftet. Gewissermaßen eine natürliche Schneise im Eukalyptusland.

Der Großteil seiner Arbeit, sagt Neves, sei Überzeugungsarbeit. Allein der kleine Hügel unterhalb des Dorfs gehöre 40 Parteien – bei 16 verbliebenen Einwohnern im Dorf. Um alle Eigentümer zu finden, spannte er die Gemeinschaft ein, sie zogen durch Lissabon. Neves ist Ingenieur, kein Aktivist. Er spricht sanft, aber entschlossen. Vielleicht überzeugte am Ende das.

Als sie im Januar alle Eigentümer gefunden hatten, begannen sie, das Totholz am Hang zusammenzuräumen. Drei Monate brauchten sie, bis die gröbsten Spuren beseitigt waren. Seit März pflanzen sie nun alle zwei bis drei Meter einheimische Sorten, die feuerbeständig und robust sein sollen. Kastanien, Eichen, Kork. Einige Büsche. Während Neves darüber spricht, zieht ein Helikopter surrend über die Bergkette. Dieses Jahr brennt es auf der anderen Seite.

Kastaniensetzling wächst am Hang von Monte Frio

Kastaniensetzling wächst am Hang von Monte Frio

Foto: Gonçalo Fonseca / DER SPIEGEL

Die Wiederaufforstung ist ein harter Job. Neves lebt im Haus seiner Großeltern. Freunde, sagt er offen, habe er hier nur wenige. Für den Vollzeitjob bekommt er weniger als tausend Euro im Monat. Seine Freundin in Lissabon, sagt er, verdiene im Büro das doppelte.

Doch das Projekt könnte Portugals Landschaft dauerhaft verändern. Wer dabei mitmachen will, muss nicht für die Wiederaufforstung zahlen, überträgt dafür aber die Kontrolle für 20 Jahre an eine Forstgenossenschaft. Nur so, sagt Neves, könne man das Land nachhaltig und feuersicher bewirtschaften. Er hofft, dass das Projekt andere Landbesitzer motiviert, ebenfalls ihr kleines Stückchen Portugal mit anderen zu teilen.

Insgesamt kostet das Projekt die Regierung für mehrere Jahre gerade einmal 135.000 Euro. Die Idee ist, dass die Bäume unterschiedlich schnell wachsen, sodass regelmäßig ein Teil gefällt werden kann. Selbst mit einer Wuchsdauer von 60 Jahren, sagt Duarte Neves, sei die Kastanie noch gewinnbringender als Pinie oder Eukalyptus. Mit den Einnahmen könne man künftig das Projekt finanzieren, aber auch Touristen anlocken, das Land entwickeln. Man müsse nur warten, sagt er und macht eine Pause.

»Und es sollte nicht brennen.«

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde der Preis pro Tonne Pinienholz mit 19 Euro angegeben. Tatsächlich sind es 90. Wir haben die Stelle korrigiert.

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