Diplomatische Spannungen Putin wünscht Biden nach »Killer«-Äußerung »Gesundheit«

Indem er Wladimir Putin indirekt einen »Mörder« nannte, sorgte Joe Biden für einen diplomatischen Eklat. Während der Kreml eine Erklärung der USA fordert, reagiert der russische Präsident auf seine ganz eigene Weise.
Wladimir Putin will weiter mit den USA zusammenarbeiten, »allerdings nur zu Bedingungen, die für uns vorteilhaft sind« (Archivbild)

Wladimir Putin will weiter mit den USA zusammenarbeiten, »allerdings nur zu Bedingungen, die für uns vorteilhaft sind« (Archivbild)

Foto: ALEXEI DRUZHININ / SPUTNIK / KREMLIN POOL / EPA

Joe Bidens Äußerungen über den russischen Präsidenten Wladimir Putin sorgen im Kreml für Unmut. Der Kommentar des US-Präsidenten sei »sehr schlecht« gewesen und zeige, dass Biden eindeutig keine Verbesserung der Beziehungen mit Russland anstrebe, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow. Dies werde man künftig berücksichtigen.

Putin selbst sagte laut der Nachrichtenagentur Interfax, er wünsche Biden »Gesundheit«. Menschen würden andere häufig so sehen, wie sie eigentlich auf sich selbst blicken, wurde der Präsident zitiert – offenbar eine Anspielung auf das Interview mit dem US-Präsidenten, das der Sender ABC am Mittwoch veröffentlicht hatte.

Auf die Frage, ob er Putin für einen Mörder halte, antwortete Biden dabei: »Das tue ich.« Er sagte aber auch, dass es Themen gebe, wo eine Zusammenarbeit im beiderseitigen Interesse liege, zum Beispiel bei der Erneuerung des »Start«-Abrüstungsvertrags. Putin teilte nun mit, man werde weiter mit den USA zusammenarbeiten, »allerdings nur zu Bedingungen, die für uns vorteilhaft sind«.

Russland hatte nur Stunden später seinen Botschafter in Washington zurückgerufen. Anatoli Antonow wurde zu Beratungen in die Heimat zurückbeordert. Gemeinsam mit dem Diplomaten sollten die Beziehungen zwischen beiden Ländern erörtert werden, teilte das russische Außenministerium mit.

Am Donnerstag hieß es vom Kreml jedoch, es sei vorerst kein Treffen Putins mit dem Botschafter Antonow geplant. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax erwartet das russische Außenministerium eine Erklärung der USA zu den Äußerungen Bidens.

Russlands Botschaft warnt vor »Kollaps« der Beziehungen

Zuletzt hatte die russische Botschaft in Washington vor einem »Kollaps« der US-Russland-Beziehungen gewarnt. »Gewisse unüberlegte Erklärungen hochrangiger US-Beamter haben die bereits übermäßig konfrontativen Beziehungen an den Rand des Zusammenbruchs gebracht«, hieß es in Anspielung auf das Biden-Interview.

Nach Angaben des stellvertretenden Parlamentschefs Konstantin Kosachew könnten womöglich weitere Schritte Russlands folgen, sollten sich die USA nicht für die Äußerungen Bidens entschuldigen.

Der US-Präsident hatte nicht nur mit der Aussage über Putin den Druck auf Russland erhöht. Dafür, dass Russland nach Ansicht der US-Geheimdienste Einfluss auf die Präsidentschaftswahl nehmen wollte, um Donald Trump zum Sieg zu verhelfen, werde das Land »einen Preis zahlen«, sagte Biden. Auf die Frage, was die Konsequenzen sein würden, sagte er: »Sie werden es in Kürze sehen.«

Gericht verlängert Hausarrest für Nawalny-Sprecherin

Russland hatte in der Vergangenheit auf Druck aus Washington häufig mit Gegendruck reagiert. Fast zeitgleich mit der Stellungnahme Peskows ging ein Gericht mit Härte gegen eine Vertraute des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny vor.

Der Hausarrest für dessen enge Vertraute und Sprecherin Kira Jarmysch wurde von einem Gericht bis zum 23. Juni verlängert. Jarmysch werden Verstöße gegen die Coronaauflagen bei einer Demonstration für Nawalny vorgeworfen.

fek/Reuters/AFP
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