»Wall Street Journal« US-Zeitung druckt Trump-Brief voller Lügen – und erntet Kritik von eigenen Reportern

Das »Wall Street Journal« hat ein Schreiben von Donald Trump veröffentlicht. Darin listet der Ex-Präsident eine Reihe falscher Aussagen zur Wahl 2020 auf. Die Empörung ist auch innerhalb der Redaktion erheblich.
Donald Trump (im November 2020)

Donald Trump (im November 2020)

Foto: Evan Vucci / dpa

Zuletzt hatte das »Wall Street Journal« (WSJ) so etwas wie einen Lauf. Vor allem bei der Enthüllung des Fehlverhaltens von Facebook tat sich die Zeitung aus dem Imperium von Rupert Murdoch hervor. Umso größer dürfte auch daher die Unruhe in der Nachrichtenredaktion über einen zuletzt veröffentlichten Brief von Donald Trump gewesen sein.

Das Schreiben des früheren US-Präsidenten  an die Zeitung erschien am Mittwoch im Meinungsteil des WSJ. Dieser arbeitet, wie auch bei anderen Medienhäusern, getrennt vom Nachrichtenteil. In dem Brief listet Trump eine ganze Liste von Lügen und haltlosen Behauptungen über vermeintlichen Betrug bei der Präsidentenwahl 2020 auf.

So schreibt er unter anderem, die Wahl sei »manipuliert gewesen, was ihr unglücklicherweise immer noch nicht verstanden habt«. Eine Reihe von Untersuchungen und Gerichtsverfahren haben keinerlei Anhaltspunkte oder Rechtfertigungen für derartige Aussagen ergeben. Das hält Trump jedoch nicht davon ab, diese ständig, auch aus taktischen Gründen, zu wiederholen.

Die Entscheidung wird verteidigt

Die Reaktion war deutlich – auch im eigenen Haus. Zahlreiche ehemalige »Wall Street Journal«-Journalisten sahen die Standards der Zeitung nicht eingehalten. Und auch aktuelle Mitarbeiter äußerten sich in anderen US-Medien, wenn auch anonym. »Ich finde es sehr enttäuschend, dass die Meinungsseite weiter Falschinformationen verbreitet, die unsere eigene Nachrichtenredaktion so mühsam zu entkräften versucht«, zitiert der Sender CNN einen WSJ-Journalisten.

Ein ehemaliger leitender Redakteur, Bill Grueskin, fragte: »Warum wurden die ungeheuerlichsten Lügen nicht einem Faktencheck unterzogen oder gleich ganz entfernt?«

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Einen Tag nach der Veröffentlichung des umstrittenen Briefs äußerten sich die Verantwortlichen der Meinungsseite dann öffentlich – und verteidigten ihre Entscheidung . Man traue den Lesern zu, sich ihre eigene Meinung über die Aussagen zu bilden, hieß es: »Wir glauben, es hat Nachrichtenwert, wenn ein Ex-Präsident, der 2024 erneut antreten könnte, schreibt, was er getan hat. Das gilt auch (oder erst recht), wenn seine Behauptungen wirr sind.«

Taktik für kommende Wahlen

Trump hatte seine Lügen und Halbwahrheiten über die Wahl 2020 zunächst unter anderem über Twitter und Facebook verbreitet – beide Medienkonzerne haben ihn mittlerweile dauerhaft verbannt.

Hinter der ständigen Wiederholung der Wahlbetrugsmythen dürfte Taktik stecken. Im kommenden Jahr stehen die Midterm-Wahlen an, 2024 geht es wieder um das Weiße Haus . Trump und viele andere Republikaner unterminieren mit ihren Aussagen das Vertrauen der Bürger in das Wahlverfahren und den -Ausgang.

In zahlreichen Staaten arbeiten sie daran, das Wahlrecht zu verschärfen und anderweitig abzuändern. Eine häufige Rechtfertigung dabei: die erfundenen Unregelmäßigkeiten von 2020. Kritiker fürchten, dass so das Fundament für eine mögliche Nicht-Anerkennung oder gar Annullierung künftiger Wahlergebnisse gelegt werden könnte.

jok
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