Regeln und Verbote So feiert Europa Corona-Weihnachten

Deutschland diskutiert über das Fest in der Pandemie. Wie sieht es im Rest von Europa aus? Dürfen Römer ihre Oma und Opa einladen, gibt es in Warschau Gottesdienste – und was sind »Weihnachtsblasen«?
Wird auch an Weihnachten erleuchtet sein: St. Michaelis in Hamburg

Wird auch an Weihnachten erleuchtet sein: St. Michaelis in Hamburg

Foto: Malte Christians / dpa

Auch Bethlehem bleibt von der Corona-Pandemie nicht verschont. In der Geburtsstadt Jesu gilt aufgrund der hohen Infektionszahlen momentan nachts und an den Wochenenden eine Ausgangssperre.

Die Folge: Pilger aus aller Welt müssen dieses Jahr an Weihnachten zu Hause bleiben – und am vergangenen Wochenende wurde die Beleuchtung am Christbaum auf dem Krippenplatz ohne die sonst üblichen Hunderten Schaulustigen eingeschaltet.

Leuchtet in die Nacht: Der Christbaum in Bethlehem

Leuchtet in die Nacht: Der Christbaum in Bethlehem

Foto: EMMANUEL DUNAND / AFP

Dieses Jahr dürften wohl auch nur eine Handvoll einheimischer Christen in der Geburtskirche von Bethlehem Gottesdienst feiern. Welche Regeln am 24. Dezember in Deutschland gelten werden, darüber wird gerade intensiv diskutiert. Andere Länder in Europa sind da schon weiter. Der Überblick.

Spanien

Zum ersten Mal in ihrem Leben wird Spaniens Vizeregierungschefin Weihnachten nicht in ihrem andalusischen Heimatdorf verbringen. »Das Opfer lohnt sich aber«, sagt Carmen Calvo. Denn um die jüngsten Erfolge im Kampf gegen die Pandemie nicht zu gefährden, soll es auch über Weihnachten, Neujahr und den in Spanien ebenfalls wichtigen Dreikönigstag so wenig Reisen und Kontakte wie möglich geben.

Auf einige Lockerungen haben sich die Regionalregierungen aber geeinigt: Für Besuche bei der engsten Familie sind Reisen zwischen den Regionen erlaubt, außerdem dürfen sich am 24., 25. und 31. Januar statt sechs insgesamt zehn Menschen treffen, Kinder inbegriffen.

Frankreich

Auch in Frankreich werden Familien nur im kleinen Kreis feiern können. Premierminister Jean Castex gab Anfang Dezember die Empfehlung aus, Feste am Weihnachtsabend auf sechs Erwachsene plus Kinder zu begrenzen. Kontrollen dieser Privatfeiern aber soll es nicht geben. Außerdem werden sich die Franzosen an den Feiertagen frei im Land bewegen können, um zu ihren Familien zu fahren.

Am 15. Dezember soll der strenge Lockdown möglicherweise aufgehoben werden. Ihm folgt eine nächtliche Ausgangssperre von 21 Uhr bis 6 Uhr früh, die aber am 24. und 31. Dezember außer Kraft gesetzt wird.

Beten mit Abstand: Gläubige mit Mund-Nasen-Schutz in einer Pariser Kirche

Beten mit Abstand: Gläubige mit Mund-Nasen-Schutz in einer Pariser Kirche

Foto: Michel Euler / dpa

Cafés, Bars und Restaurants werden über Weihnachten weiterhin geschlossen sein, dafür sind Theater-, Museums- und Konzertbesuche an den Feiertagen möglich.

Weihnachtsgottesdienste wird es auch in diesem Jahr geben, allerdings mit stark eingeschränkten Besucherzahlen: Nur einer von drei Plätzen darf besetzt werden und dass nur in jeder zweiten Reihe. Und zum ersten Mal seit dem Brand wird in der Pariser Kathedrale Notre-Dame am Weihnachtsabend wieder ein Konzert stattfinden – wenn auch ohne Publikum. Das Konzert wird um Mitternacht im Fernsehen übertragen.

Österreich

In Österreich dürfen Großeltern, Kinder, Enkel und Anverwandte bis zu einer Gesamtzahl von zehn Personen gemeinsam unter dem Christbaum sitzen – selbst dann, wenn sie zuvor Hunderte Kilometer quer durchs Land reisen müssen, um zueinanderzufinden. Kurz vor der Bescherung ist sogar noch gemeinsames Skifahren erlaubt: Ab Heiligabend dürfen Lifte in Betrieb gehen.

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Mit zehntägiger Quarantäne bestraft wird hingegen nach vorherrschender Deutung der jüngsten Verordnung aus Wien, wer – zum Beispiel – von Bayrisch Gmain aus bei lieben Verwandten oder Bekannten im 500 Meter entfernten, salzburgischen Großgmain vorbeischaut – es sei denn, der Eindringling kann glaubhaft machen, dass er die Herrschaften hinter der Grenze regelmäßig, mindestens monatlich, »physisch« trifft. In diesem Fall entfiele die Quarantäne.

Polen

Polen hat die zweite Welle der Pandemie hart getroffen. Der Höhepunkt war am 7. November mit 27.875 Neu-Infizierten erreicht – bei einer Gesamtbevölkerung von rund 38 Millionen. Doch seit einigen Tagen sinken die Neuansteckungen. Am Dienstag zählten die Behörden nur noch 8312 Fälle.

Die Regierung hat verhältnismäßig harte Lockdownregeln eingeführt: Die Schulen sind geschlossen, Hotels und Bars auch. Restaurants dürfen nur Essen liefern oder zum Mitnehmen anbieten. In Geschäften sind bestimmte Zeiten für die Risikogruppe der Senioren reserviert.

»Etappe der Verantwortung« nennt die Regierung diese Phase. Sie soll bis zum 27. Dezember gelten. An Weihnachten werden diese Auflagen kaum gelockert: Zu privaten Feiern dürfen fünf Leute kommen – die Einladenden nicht mitgerechnet – die Gäste sollten aber aus einem Haushalt stammen. Besonders schmerzhaft für das katholische Land: Auch für Gottesdienste herrschen strikte Teilnehmerbeschränkungen. Das Episkopat will die Gläubigen von der Pflichtmesse am 25. Dezember offiziell entbinden, Messen werden vielfach online übertragen.

Die Regierung hat die Winterferien für alle Verwaltungsbezirke verbindlich auf den 4. bis zum 17. Januar gelegt. Der Zeitraum soll als eine Art Extra-Lockdown wirken. Skilifte sind geöffnet – aber keine Hotels, sodass nur wenige dem Sport nachgehen können. Diese »Etappe der Stabilisierung« soll bis Ende Januar gelten. Dann rechnet Polen mit dem Beginn der Impfungen.

Niederlande

»Es läuft wirklich nicht gut«: So lautet die aktuelle Einschätzung des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte mit Blick auf die weiterhin hohen Neuinfektionen. Seine Regierung hat die geltenden Corona-Maßnahmen daher über die Feiertage verlängert.

Bars und Restaurants bleiben geschlossen. Große Familienfeste unter einem Tannenbaum wird es nicht geben. Die Bürger dürfen auch über Weihnachten höchstens drei Gäste pro Tag zu Hause empfangen – und die sollten möglichst aus der Umgebung kommen.

Amsterdam bittet beispielsweise darum, auf Tagesausflüge in die Stadt zu verzichten. Auch der Kirchenbesuch wird wohl ausfallen. Viele Gotteshäuser im Land hatten bereits vor der Verlängerung der Restriktionen angekündigt, ihre Türen an den Feiertagen nicht zu öffnen.

Sollten die Corona-Zahlen nicht schnell sinken, drohen zudem noch vor Weihnachten weitere Verschärfungen. Details dazu wollte Rutte bislang nicht nennen. Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch: Die Regierung geht davon aus, dass im Januar die ersten Einwohner geimpft werden können.

Großbritannien

In Großbritannien werden die Corona-Regeln zu Weihnachten gelockert. Die Briten dürfen sich in »Bubbles« organisieren: Drei Haushalte können so vom 23. bis 27. Dezember in einer »Weihnachtsblase« zusammen feiern.

Sie dürfen sich zu Hause besuchen, beieinander übernachten und dazu landesweit reisen. In Nordirland gilt dies zwei Tage länger; in Schottland sind die Treffen auf acht Personen begrenzt, Kinder nicht mitgezählt. Wer wen zusätzlich unter freiem Himmel treffen darf, hängt von regionalen Beschränkungen ab.

Italien

Die Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte hat die Bewegungsfreiheit über die Feiertage drastisch eingeschränkt. Vom 21. Dezember bis 6. Januar dürfen die Italiener ihre Heimatregion nicht mehr verlassen. Reisen zum Beispiel zwischen der Lombardei und der Toskana sind dann verboten. Und wer in dieser Zeit aus dem Ausland nach Italien zurückkehren will, muss zwei Wochen in Quarantäne.

An den Weihnachtsfeiertagen und Silvester gelten noch strengere Regeln: Alle Bürger müssen in ihrer Kommune bleiben. Verwandtenbesuche sind untersagt – jeder Haushalt soll für sich allein feiern.

Ausnahmen gibt es zum Beispiel für Großeltern, die auf Unterstützung angewiesen sind. Außerdem gilt ab 22 Uhr ein Ausgangsverbot, Christmetten müssen entsprechend vorgezogen werden.

Ein bisschen Freiheit allerdings bleibt den Italienern erhalten: Restaurants, Cafés und Konditoreien bleiben in den Gebieten der niedrigsten Risikostufe bis 18 Uhr geöffnet – pro Tisch sind bis zu vier Personen erlaubt. Wer gegen die Regeln verstößt, muss mit Bußgeldern von 400 bis 1000 Euro rechnen.

Schweden

Geschäfte, Restaurants und Skipisten bleiben weiterhin geöffnet, schärfere Regeln gibt es in Schweden zu Weihnachten nicht. Obwohl die Rate der Neuinfektionen inzwischen erheblich über dem europäischen Durchschnitt liegt, beließ es Ministerpräsident Stefan Löfven am Dienstag bei einem seiner üblichen Appelle an die Vernunft: Seine Landsleute sollen bitte daheim nicht mit mehr als acht Personen feiern und auf Reisen, Restaurantbesuche und Einkaufsbummel verzichten.

Die führende schwedische Zeitung »Dagens Nyheter« nahm Löfvens Auftritt zum Anlass, auf grundlegende Unterschiede zu den dänischen Nachbarn hinzuweisen. In Kopenhagen hatte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen tags zuvor deutliche Corona-Verschärfungen für die Feiertage angekündigt. Den Leitartiklern in Stockholm fiel das Urteil nicht schwer: »Etwas läuft schief im schwedischen Königreich.«

brk/bsa/dop/wma/jpu/hor/ire/asc/dip
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