"Alles, was wir wollen, sind faire Wahlen" Oppositionskandidatin in Weißrussland bittet Merkel um Hilfe

In Weißrussland fordert Swetlana Tichanowskaja Machthaber Lukaschenko raus. Nun bittet sie Deutschland um Mithilfe für eine faire Abstimmung. Ihr Land habe es satt, von "diesem Diktator" regiert zu werden.
Swetlana Tichanowskaja

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Sergei Grits/ dpa

Seit 26 Jahren regiert Machthaber Alexander Lukaschenko in Weißrussland. Bei den Präsidentschaftswahlen am Wochenende will er sich erneut im Amt bestätigen lassen und geht hart gegen politische Gegner vor. Die Opposition ist dadurch jedoch bestärkt. Kurz vor der Wahl hat Lukaschenkos schärfste Herausforderin nun Deutschland zur Mithilfe für eine faire Abstimmung aufgerufen.

"Frau Merkel, setzen Sie sich mit Lukaschenko in Verbindung. Sagen Sie ihm, dass wir keinen Krieg wollen", sagte Swetlana Tichanowskaja in einem Appell an Kanzlerin Angela Merkel. Die 37-jährige Kandidatin sagte der Zeitung "Bild": "Alles, was wir wollen, sind faire Wahlen." Ihr Land habe es satt, von "diesem Diktator" regiert zu werden, meinte sie. "Wir sind müde."

Lukaschenko will sich am Sonntag für eine sechste Amtszeit wählen lassen. Er regiert die zwischen Russland und Polen gelegene Ex-Sowjetrepublik seit gut zweieinhalb Jahrzehnten mit harter Hand. Im Wahlkampf ging er wie in den Jahren zuvor gegen Kritiker vor. Bei Demonstrationen gab es Hunderte Festnahmen. Der 65-Jährige gilt als der "letzte Diktator" Europas. In Weißrussland wird noch die Todesstrafe vollstreckt.

Tichanowskaja ist als einzige Oppositionelle zur Wahl zugelassen worden. Sie räumte ein, sich vor Lukaschenko zu fürchten. "Ich sehe, was er bereit ist zu tun, um an der Macht zu bleiben. Ich habe Angst, wenn ich auf die Straße gehe, wenn ich auf dem Podium stehe", sagte die Frau des inhaftierten populären Bloggers Sergej Tichanowski. "Angst ist ein ständiger Begleiter." Sie will im Fall eines Sieges alle politischen Gefangenen freilassen und Neuwahlen ansetzen.

Der Präsident hatte am Dienstag in einer Rede erneut vor Putschversuchen in seinem Land gewarnt und sich bei den Wählern als Garant für Stabilität bezeichnet. Am Abend rief er nach Angaben der Staatsagentur Belta die Sicherheitskräfte auf, bei der Abstimmung für "Recht und Ordnung" zu sorgen: "Auf Bedrohungen, Beleidigungen und sonstige Gewalt sollte man sofort und hart reagieren."

Tichanowskaja warf Lukaschenko vor, die Ex-Sowjetrepublik "verödet" zu haben. Weißrussland sei ein Land geworden, in dem ein "Bürger entscheiden muss, kaufe ich heute ein Stück Brot oder eine Packung Milch oder ein Medikament". Die Massen seien arm. Der Staatschef hatte zuvor Reformen in Aussicht gestellt: "Wenn die Gesellschaft Veränderungen braucht, werden sie vorgenommen." Alle Reformen sollten mit Änderungen der Verfassung beginnen, meinte er - "nicht mit Straßenaktionen, sondern mit dem Grundgesetz".

asc/dpa
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