Westjordanland Friedensaktivist nach Festnahme durch palästinensische Behörden umgekommen

Im Westjordanland ist ein bekannter Kritiker der Palästinensischen Autonomiebehörde nach seiner Festnahme gestorben. Die Polizei erklärt sich für unschuldig, die Familie spricht von einer »absichtlichen« Tötung.
Demonstrierende in Ramallah fordern nach dem Tod von Nisar Banat den Rücktritt von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas

Demonstrierende in Ramallah fordern nach dem Tod von Nisar Banat den Rücktritt von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas

Foto: ABBAS MOMANI / AFP

Ein bekannter Kritiker der Palästinensische Autonomiebehörde ist im Zuge seiner Festnahme ums Leben gekommen. Der 43-jährige Nisar Banat sei am Donnerstagmorgen bei einer Razzia in Hebron festgenommen worden, erklärte der örtliche Gouverneur, Dschibrin al-Bakri.

Bei der Festnahme habe sich Banats »Gesundheitszustand verschlechtert«, danach sei er sofort in ein Krankenhaus gebracht worden, »wo er für tot erklärt wurde«. Die Umstände seines Todes sollten nun untersucht werden.

Banats Familie warf der Polizei hingegen vor, ihn bei der Festnahme schwer misshandelt zu haben. Sie hätten »mit Holzknüppeln auf seinen Kopf eingeschlagen« und ihn »absichtlich getötet«, sagten Angehörige dem palästinensischen Nachrichtenportal Kuds.

Ein Grund für die Verhaftung Banats wurde von den Behörden nicht genannt. Der 43-Jährige war bekannt für seine auf Facebook veröffentlichten Videos, in denen er der Palästinensische Autonomiebehörde immer wieder Korruption und schwere Menschenrechtsverletzungen vorwarf.

Abgesagte Parlamentswahlen

Banat wollte in diesem Jahr bei den Parlamentswahlen kandidieren, die Palästinenserpräsident Mahmud Abbas jedoch wieder abgesagt hat. Er war in der Vergangenheit schon mehrfach verhaftet worden.

Abbas hatte Ende April die Verschiebung der für den 22. Mai geplanten Wahl bekannt gegeben. Er führte dafür den Konflikt mit Israel um Jerusalem an. Einen neuen Termin nannte der 85-Jährige nicht. Man habe sich darauf verständigt, die Wahl zu verschieben, bis die Teilnahme der Menschen im Ostteil der Stadt gesichert sei.

Die Europäische Union hatte mit großer Enttäuschung auf die Verschiebung der ersten Wahl seit 15 Jahren reagiert. Seit der Absage des geplanten Wahltermins wird über ein härteres Vorgehen der Autonomiebehörde im Westjordanland gegen Kritiker berichtet.

»Die Festnahmen machen uns keine Angst«

In Ramallah versammelten sich nach Bekanntwerden von Banats Tod etwa 300 Menschen vor dem Sitz der Autonomiebehörde und forderten Abbas' Rücktritt. »Die Festnahmen machen uns keine Angst«, riefen die Demonstranten, während sie Bilder hochhielten, die Banat zeigen.

Die diplomatische Vertretung der Europäischen Union äußerte sich »schockiert und traurig« über Banats Tod und forderte eine unabhängige Untersuchung.

mrc/dpa/Reuters
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