Wegen Westsahara-Konflikt Algerien zieht Botschafter aus Spanien ab

Spanien kündigte an, dass es eine Autonomie der Westsahara unter marokkanischer Souveränität unterstützen wird. Algerien reagiert irritiert und spricht von einer »abrupten Kehrtwende« im Streit um die Konfliktregion.
Marokkaner schwenken ihre Nationalflagge in den Straßen von Laayoune, der Hauptstadt der umstrittenen Gebiete der Westsahara (Archivbild)

Marokkaner schwenken ihre Nationalflagge in den Straßen von Laayoune, der Hauptstadt der umstrittenen Gebiete der Westsahara (Archivbild)

Foto: AP/dpa

Aus Protest gegen das Einlenken Spaniens gegenüber Marokko im Streit um die Westsahara hat Algerien am Samstag seinen Botschafter aus Madrid abgezogen. Man habe Botschafter Said Musi »zu Konsultationen« zurück nach Hause gerufen, heißt es in einer Mitteilung des algerischen Außenministeriums, die vom staatlichen spanischen TV-Sender RTVE veröffentlicht wurde. Man sei »sehr überrascht angesichts der abrupten Kehrtwende in der Haltung der ehemaligen Verwaltungsmacht der Westsahara«, heißt es aus Algier.

Erst am Freitag hatte der marokkanische Königspalast in Rabat mitgeteilt, die spanische Regierung habe erstmals eingeräumt, dass die Westsahara wie von Rabat vorgeschlagen eine autonome Provinz unter marokkanischer Souveränität sein könne. Madrid gab wenig später den Beginn einer »neuen Phase« in den Beziehungen zu Marokko bekannt, die auf gegenseitigem Respekt beruhen und die Stabilität und territoriale Integrität beider Länder gewährleisten werde.

Die Zeitung »El Mundo« und andere spanische Medien bezeichneten diese neue Position Spaniens als »historisch«. Die von Marokko beanspruchte Westsahara war bis 1975 eine spanische Kolonie. Nach dem Abzug Spaniens annektierte Marokko Teile des Territoriums an der Atlantikküste Nordwestafrikas. Rabat kontrolliert seitdem weite Teile des dünn besiedelten, aber rohstoffreichen Wüstengebiets.

Die Bewegung Frente Polisario strebt derweil in der Westsahara nach einem unabhängigen Staat. Immer wieder kommt es zu Gefechten zwischen Polisario und der marokkanischen Armee. International wurde der Anspruch Marokkos bisher nicht anerkannt. Aus Sicht Deutschlands ist der Status der Westsahara ungeklärt. Algerien unterstützt die Frente Polisario und ist der wichtigste Gaslieferant Spaniens. Aber nicht nur Algier, auch die Polisario und die konservative Opposition in Spanien kritisierten den Beschluss von Ministerpräsident Pedro Sánchez.

Und sogar auch die Linkspartei Unidas Podemos (UP), Juniorpartner der Sozialisten von Sánchez in der Regierungskoalition, wies diesen Schritt zurück. Sie betonte, das saharauische Volk müsse über seine Zukunft frei entscheiden können. UP-Sprecher Pablo Echenique schrieb auf Twitter, Marokko halte die Westsahara militärisch besetzt und verletzte die Menschenrechte der 600.000 Bewohner des Gebiets und auch internationales Recht wie Russland in der Ukraine.

jso/dpa
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