Coronapandemie WHO-Afrika-Chefin sieht Kontinent am Übergang in die endemische Phase

Hat Afrika das Schlimmste in der Pandemie überstanden? Laut WHO-Afrika-Chefin Matshidiso Moeti muss nun das Leben mit dem Virus organisiert und die Impfkampagne beschleunigt werden.
Am Strand in Kapstadt, Südafrika

Am Strand in Kapstadt, Südafrika

Foto: Nardus Engelbrecht / AP
Globale Gesellschaft

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Laut der Afrika-Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht Afrika am Übergang in eine endemische Phase der Coronapandemie. Der Kontinent trete in eine »kontrollierte Phase« ein, sagte Matshidiso Moeti am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. »Auch wenn Covid uns noch eine lange Zeit beschäftigen wird, sehen wir Licht am Ende des Tunnels«, so Moeti, »in diesem Jahr können wir die Erschütterung und Zerstörung, die das Virus auf seinem Weg hinterlassen hat, beenden und die Kontrolle über unsere Leben zurückgewinnen.«

Der Kontinent gehe in einen Zustand über, in dem man mit dem Virus koexistiere. Es sei jetzt wichtig, das Leben mit dem Virus zu organisieren. »In den letzten beiden Jahren wurde der afrikanische Kontinent schlauer, schneller und besser in seinen Antworten bei jeder neuen Welle von Covid-19-Fällen«, sagte Moeti, »trotz allem, trotz der großen Ungleichheit beim Zugang zu Impfungen, haben wir den Covid-19-Sturm mit Resilienz und Entschlossenheit gemeistert. Aber es hat uns viel gekostet: Wir haben mehr als 242 000 Menschenleben verloren und unsere Volkswirtschaften haben schweren Schaden erlitten.«

Moeti’s Optimismus steht im Gegensatz zu den Warnungen von WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, der wiederholt erklärte, die Pandemie sei nicht vorüber. »Egal wo man lebt, Covid ist noch nicht fertig mit uns«, sagte er in dieser Woche. Er mahnte, dass wahrscheinlich neue Varianten des Coronavirus entstehen würden und diese den bisherigen Fortschritt bei der Pandemiebekämpfung zunichtemachen könnten. Für afrikanische Bevölkerungen seien die Risiken besonders groß. Laut Schätzungen der Welt Bank hat die Pandemie auf dem Kontinent rund 40 Millionen Menschen in extreme Armut gebracht.

Dennoch ist der Kontinent laut Daten der WHO einer der am wenigsten von Covid-19 betroffenen Kontinente. Experten führen dies unter anderem auf die jüngeren Bevölkerungen zurück und auf die Tendenz, mehr Zeit im Freien zu verbringen.

Nur elf Prozent der erwachsenen Afrikanerinnen und Afrikaner sind geimpft. Dies sei besorgniserregend, sagte Afrika-Chefin Moeti. »Während viele (reiche) Länder Booster-Shots erwägen, müssen 85 Prozent der Afrikaner noch eine Erstimpfung erhalten.« Um die Immunität zu erreichen, die in anderen Teilen der Welt bereits bestehe, müsste die Impfkampagne dringend beschleunigt werden. Es gäbe einen Vorrat an Impfdosen, der den Kontinent regelmäßig erreiche, es gehe jetzt also darum, die Vakzinen auch tatsächlich in die Arme der Menschen zu bringen, also zu verimpfen.

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abe/dpa/Reuters/AFX
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