Pandemie WHO stuft Coronavariante B.1.1.529 als »besorgniserregend« ein

Die Coronavariante B.1.1.529 gilt nun offiziell als »besorgniserregend«. Ein Gremium der Weltgesundheitsorganisation hat den Status der Variante hochgesetzt – und einen griechischen Buchstaben als Namen festgelegt.
Abstrich für eine Corona-Testung

Abstrich für eine Corona-Testung

Foto: Tom Weller / dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die neue Coronavariante B.1.1.529 als »besorgniserregend« eingestuft. Das teilte die Uno-Behörde nach Beratungen mit Experten mit. Zuvor hatte auch die EU-Seuchenschutzbehörde ECDC die Variante hochgestuft . B.1.1.529 wird künftig Omikron genannt – nach dem 15. Buchstaben im griechischen Alphabet.

Diese Klassifizierung  ist laut WHO-Definition ein Signal, dass eine Variante ansteckender ist oder zu schwereren Krankheitsverläufen führt . Außerdem besteht bei »besorgniserregenden Varianten« die Gefahr, dass herkömmliche Impfungen, Medikamente oder Coronamaßnahmen weniger wirksam sind.

Omikron weise eine große Anzahl Mutationen auf, von denen einige besorgniserregend seien, hieß es. Vorläufige Hinweise deuteten auf ein erhöhtes Risiko einer Reinfektion bei dieser Variante im Vergleich zu anderen besorgniserregenden Varianten, zu denen auch die derzeit vorherrschende Delta-Variante zählt.

Variante mit vielen Mutationen

Laut WHO wurde B.1.1.529 in Südafrika mittels genetischer Analyse entdeckt, die vom 9. November stammt. Insgesamt ist die Variante bislang weniger als hundertmal genetisch nachgewiesen worden. Sie weist viele Mutationen auf, die aus Sicht von Wissenschaftlern möglicherweise zu einer leichteren Übertragung führen können. Nach Angaben der WHO wird es jedoch noch Wochen dauern, bis klar wird, welche genauen Auswirkungen die Mutationen haben.

Bislang hatte die internationale Gesundheitsbehörde vier »besorgniserregende Varianten« (»variants of concern«) identifiziert: Alpha, Beta, Gamma, sowie Delta, die wegen ihrer hohen Übertragbarkeit zur vierten Pandemiewelle beigetragen hat. Zusätzlich sind zwei »Varianten unter Beobachtung« (»variants of interest«) gelistet, die um den vorigen Jahreswechsel in Südamerika aufgetreten waren.

Deutschland verhängt Reiserestriktionen

Die Europäische Kommission, Deutschland und einige andere Staaten kündigten am Freitag an, Einreisen aus dem südlichen Afrika einschränken zu wollen. Deutschland hat neben Südafrika die Nachbarländer Lesotho, Botswana, Malawi, Namibia, Simbabwe und Mosambik als sogenannte Virusvariantengebiete eingestuft. Rückkehrende brauchen einen frischen PCR-Test und müssen sich in Deutschland für 14 Tage in eine Quarantäne begeben, die nicht verkürzt werden darf.

WHO-Sprecher Christian Lindmeier empfahl stattdessen im Namen seiner Organisation wissenschaftlich fundierte Maßnahmen und Risikobewertungen. »Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es Vorbehalte gegen Reisebeschränkungen«, sagte er. Aus Sicht der WHO sollten Schäden für den internationalen Verkehr vermieden werden. Stattdessen sollte auf die genaue Beobachtung des Infektionsgeschehens und die Genanalyse von auftretenden Coronafällen gesetzt werden.

Der südafrikanische Gesundheitsminister Joe Phaahla nannte die Reisebeschränkungen »unberechtigt«. Bisher sei es unklar, ob die Variante B.1.1.529 ansteckender sei als andere Varianten, sagte er auf einer Pressekonferenz.

mrc/dpa