Kurz erklärt – die Weltgesundheitsorganisation Wie arbeitet die WHO?

Die WHO bekämpft seit mehr als 70 Jahren weltweit Krankheiten. In der Coronakrise ist die Uno-Organisation in die Kritik geraten. Und mit dem Austritt der USA verliert sie ihren größten Geldgeber.
Logo der WHO in Genf: Mehr als 7000 Menschen arbeiten für die Organisation

Logo der WHO in Genf: Mehr als 7000 Menschen arbeiten für die Organisation

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Peter Klaunzer/ dpa

Der wohl größte Erfolg der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt schon einige Jahre zurück. 1979 - mitten im Kalten Krieg – gab die WHO bekannt, dass die Pocken weltweit ausgerottet seien. Entscheidend dafür war ein jahrelanges internationales Impfprogramm, das über Ländergrenzen und Ideologien hinweg durchgesetzt wurde.

Damals wie heute galt für die WHO der Glaubenssatz: "Wir machen keine Politik." Es geht nicht um gute Staatsführung, es geht um die Gesundheit aller Menschen weltweit.

Die Organisation wurde am 7. April 1948 in Genf gegründet. Sie ist eine Art Gesundheitsministerium der Vereinten Nationen und soll überall ein gesundes Leben ermöglichen, medizinische Standards durchsetzen und die großen Seuchen bekämpfen. Ob Schweinegrippe, Ebola oder Zika-Virus - wenn irgendwo eine Epidemie außer Kontrolle zu geraten droht, übernimmt der Genfer Apparat die globale Führungsrolle.

Um das umzusetzen, betreibt die Organisation weltweit etwa 150 Büros und beschäftigt eigenen Angaben zufolge mehr als 7000 Mitarbeiter. An der Spitze steht derzeit Tedros Adhanom Ghebreyesus, ein Biologe und Immunologe aus Äthiopien. Unter seiner Führung berät die WHO Regierungen, organisiert globale Kampagnen - beispielsweise gegen Übergewicht oder das Rauchen - und entwickelt Konzepte, um Krankheiten einzudämmen. Ziel in der nahen Zukunft sind die Ausrottung von Polio und die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Malaria.

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194 Länder haben sich der WHO seit ihrer Gründung angeschlossen. Im kommenden Jahr wird die Zahl der Mitglieder wohl um einen Staat schrumpfen. Die USA haben offiziell ihren Austritt beantragt. Dieser soll am 6. Juli 2021 wirksam werden.

Hinter dem Rückzug steht die Kritik von US-Präsident Donald Trump. Er wirft der WHO vor, zu spät über die Gefahr des Coronavirus informiert zu haben und unter der Kontrolle der chinesischen Regierung zu stehen; die Organisation habe unkritisch falsche Informationen aus China übernommen und verbreitet - und das, obwohl China geringere Beiträge zahle als die USA.

Tatsächlich war Washington bisher mit rund 400 Millionen Dollar jährlich der größte Geldgeber. Weitere wichtige Finanzierer sind Großbritannien, Deutschland, China und Japan. Der Gesamtetat der WHO liegt pro Jahr bei 4,8 Milliarden Dollar. Über einen Großteil davon kann die Organisation jedoch nicht frei verfügen, da viele Gelder zweckgebunden für bestimmte Kampagnen und Länder sind. Zudem wird die WHO auch durch Spenden unterstützt.

Im laufenden Haushalt ist die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung der drittgrößte Einzahler mit rund 341 Millionen Dollar. Kritiker fürchten, dass dadurch eine Abhängigkeit der Organisation geschaffen wird - und die WHO sich von den Vorstellungen und Zielen von privaten Stiftungen und Philanthropen leiten lassen könnte.

Kritik an der WHO

Präsident Trump ist dabei nicht der einzige Kritiker. In der gegenwärtigen Coronakrise sah die WHO sich mehrfach mit dem Vorwurf konfrontiert, zu unkritisch mit China zu sein. Und auch in der Vergangenheit gab es Vorwürfe an der Arbeit der Organisation.

Zum Beispiel habe die WHO beim Ebola-Ausbruch 2014 in Westafrika zu langsam gehandelt, hieß es damals. Mehr als 10.000 Menschen starben. Die WHO räumte später Fehler ein und kündigte an, ihre Arbeitsweise grundlegend zu ändern.

Viele Länder unterstützen die WHO nach wie vor. Auch Kanzlerin Angela Merkel stellte sich jüngst hinter die Arbeit der Organisation. Für die Befürworter gilt: Besser diese internationale Organisation mit ihren Schwächen als gar keine.

Der Austritt der USA könnte die WHO nun deutlich schwächen. Vor dem offiziellen Austrittsdatum wird in den USA jedoch noch gewählt - und der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat bereits seine Unterstützung für die WHO kundgetan.