Terrorattacke in Wien Anschlag hatte offenbar islamistisches Motiv

Ein schwer bewaffneter Terrorist hat am Montagabend in der Wiener Innenstadt vier Menschen getötet und viele verletzt. Der Angreifer wurde nach Angaben des Innenministeriums erschossen. Nach mindestens einem weiteren wird gefahndet.
Bewaffnete Polizisten stehen Wache am Morgen nach dem Terroranschlag im Wiener Stadtzentrum

Bewaffnete Polizisten stehen Wache am Morgen nach dem Terroranschlag im Wiener Stadtzentrum

Foto: Hans Punz / dpa

Mindestens ein islamistischer Terrorist hat in Wien eine Terrorattacke mit vier Opfern und 17 Verletzten verübt. Österreichs Innenminister Karl Nehammer sagte bei einer Pressekonferenz, der Attentäter sei ein Sympathisant der Terrormiliz "Islamischer Staat" gewesen. Er wurde von der Polizei nach dem Angriff erschossen.

DER SPIEGEL

Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich bei dem Täter um den 20-jährigen Kujtim F. Er war bereits im vergangenen Jahr in Wien wegen eines Terrordelikts verurteilt worden. Im Jahr 2018 hatte F. versucht, sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien anzuschließen, wurde aber in der Türkei von der Polizei aufgegriffen.

Unter den vier zivilen Opfern waren zwei Männer und zwei Frauen, bestätigte Innenminister Nehammer der Nachrichtenagentur APA. Nach Angaben der Rettungsdienste wurden etwa 17 Menschen verletzt. Mindestens sieben seien "in kritischem, lebensbedrohlichem Zustand", sagte eine Sprecherin des Klinikverbandes am Dienstagmorgen. Darunter sei auch ein Polizist, der sich inzwischen außer Lebensgefahr in "kritisch-stabilem" Zustand befinde.

Der Angreifer war mit einem Sturmgewehr bewaffnet und trug außerdem einen Sprengstoffgürtel als Attrappe. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen, sagte Nehammer.

Nach weiteren Tätern wird gefahndet

1000 Beamte seien in Wien zu Ermittlungen im Einsatz. "Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt", sagte Nehammer. Die entsprechenden Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Nach mindestens einem weiteren Täter wird demnach gefahndet.

Der Sprecher der Wiener Polizei, Harald Sörös, erklärte am Dienstagmorgen im Österreichischen Rundfunk, die Ermittler erstellten gerade ein sogenanntes Weg-Zeit-Diagramm, um den Weg des Tatverdächtigen oder möglicher mehrerer Tatverdächtiger während des Attentates zurückzuverfolgen. "Anhand dieses Diagramms wird dann beurteilt werden, ob es sich um einen Täter gehandelt haben kann oder ob es mehrere Tatverdächtige gegeben haben muss."

Auf der Suche nach belastendem Material sei die Wohnung des Verdächtigen durchsucht worden, teilte die Polizei mit. Im "Ö1-Morgenjournal" sagte Nehammer wenig später, dass es im Umfeld des Täters bereits zahlreiche weitere Hausdurchsuchungen und auch mehrere Festnahmen gegeben habe.

Die Polizei sprach von sechs Tatorten: Morzinplatz, Salzgries, Seitenstettengasse, Graben, Bauernmarkt und Fleischmarkt.

Täter sei "sehr umfassend vorbereitet" gewesen

Bürgermeister Michael Ludwig hatte in der Nacht mitgeteilt, dass der erschossene Attentäter wohl keinen Sprengstoffgürtel, sondern eine Attrappe getragen habe. Der Mann sei mit einer Langwaffe, aber auch mit einer Pistole und einer Machete ausgerüstet gewesen. Er sei "sehr umfassend vorbereitet" gewesen, so Ludwig. Die Polizei überprüft derzeit noch die Identität des Attentäters.

Die polizeilichen Ermittlungen dauern noch an, die Lage ist unübersichtlich. Die Bürger wurden deshalb aufgerufen, zu Hause zu bleiben und große Plätze in der Innenstadt zu meiden.

Kurz beruft Sonder-Kabinettssitzung ein

"Wer einen von uns angreift, greift uns alle an", sagte Nehammer. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz verurteilte den Angriff als "widerwärtigen Terroranschlag".

Laut der Nachrichtenagentur APA hat Kurz für Dienstagfrüh eine Sonder-Kabinettssitzung per Videokonferenz einberufen. Im Anschluss wird er sich um 11.30 Uhr mit einer Rede an die Bevölkerung wenden.

Um 12.00 Uhr soll eine landesweite Gedenkminute abgehalten werden. Auf bundeseigenen Gebäuden wurde zudem Trauerbeflaggung veranlasst. Für ganz Österreich wurde eine dreitägige Staatstrauer angekündigt.

Um 12 Uhr empfangen Kurz und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sowie die Fraktionschefs der Parlamentsparteien im Bundeskanzleramt zu einem Gespräch. Danach folgt eine gemeinsame Kranzniederlegung am Tatort, um der Opfer zu gedenken.

cop/mfh/mrc/rol/dpa
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