"Mitten im Gefecht gelandet" Wie zwei Kampfsportler im Kugelhagel Leben retteten

Recep Gültekin und Mikail Özen riskierten ihr Leben, um einer Frau und einem angeschossenen Polizisten im Kugelhagel zu helfen. Jetzt werden sie im Netz als Helden Wiens gefeiert.
Wien am Montagabend: Mehrere Frauen flüchten vor den Schüssen des Attentäters

Wien am Montagabend: Mehrere Frauen flüchten vor den Schüssen des Attentäters

Foto: Joe Klamar / AFP

In der Wiener Innenstadt fallen gerade die ersten Schüsse, als Recep Gültekin und Mikail Özen am Montagabend noch mal auf einen Kaffee raus wollen. Der 20-jährige Islamist Kujtim F. hat gerade einen Terroranschlag begonnen, wie er in der jüngeren Geschichte Österreichs ohne Beispiel ist.

Gültekin und Özen geraten mitten hinein. Noch während Schüsse fallen, beginnen sie, einer älteren Dame und einem angeschossenen Polizisten zu helfen, wie auf Videos in sozialen Medien zu sehen ist. "Wir wollten den letzten Kaffee vor den Ausgangssperren trinken und dabei sind wir mitten im Gefecht gelandet", schilderte Özen die Situation auf Instagram.

Nun werden die jungen Männer im Netz für ihre selbstlose Hilfe als Helden gefeiert. Innenminister Karl Nehammer lobte den Einsatz der beiden am Dienstagnachmittag als Zeichen des Miteinanders.

"Wir konnten einfach nicht nur zuschauen"

Bei dem Terroranschlag am Montagabend wurden vier Menschen getötet, 17 weitere zum Teil schwer verletzt. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach von einem "widerwärtigen Terroranschlag". Der Attentäter wurde von der Polizei noch vor Ort erschossen. Es handelt sich nach SPIEGEL-Informationen um den 20-jährigen Kujtim F.

Gültekin und Özen sind Kampfsportler. Am Montagabend hörten sie nach eigener Aussage am Schwedenplatz in der Wiener Innenstadt Schüsse und sahen blutende Passanten. Die beiden Männer halfen zunächst einer älteren Dame, sich in Sicherheit zu bringen. Danach sahen sie einen verwundeten Polizisten. "Wir konnten einfach nicht nur zuschauen. Wir sind hingelaufen und haben ihn zum Krankenwagen befördert", so Özen.

"Muslime verabscheuen jegliche Art von Terror"

Aufnahmen eines Anwohners zeigen den Rettungseinsatz der beiden. Auch der Wiener SPÖ-Politiker Muhammed Yüksek bestätigt die Tat der beiden. "Es gab keine andere Wahl, als zu helfen", sagte Özen in einem Videotelefonat dem österreichischen "Kurier" .

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Auch ihr eigenes Leben geriet bei dem Einsatz in Gefahr. Gültekin wurde selbst angeschossen. Ein temporäres Video, das er noch am Abend auf seinen Instagram-Account lud, zeigt eine Verletzung an seinem linken Bein und ein Foto der blutbeschmierten Hände seines Freundes Özen.

Am Dienstag bedankten sich beide auf Instagram für den Zuspruch und die Anteilnahme in einem neuen Video .

Terror hat keine Religion, Terror hat keine Nation. Wir halten alle zusammen.

Wiener Ersthelfer Recep Gültekin

Gültekin musste wegen einer nach eigenen Aussagen "kleinen Schusswunde" am Bein im Krankenhaus behandelt werden. Sein Freund Özen sagte später dem "Kurier": "Gestern war natürlich Angst dabei. Ich war voller Adrenalin. Aber Angst lässt einen Sachen machen, für die man sonst nicht fähig wäre." 

Die Terrorattacke verurteilten beide scharf: "Wir türkischstämmigen Muslime verabscheuen jegliche Art von Terror, wir stehen zu Österreich, wir stehen für Wien", erklärte Özen. Gültekin schrieb auf Instagram: "Terror hat keine Religion, Terror hat keine Nation. Wir halten alle zusammen."

mrc
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