WikiLeaks-Gründer US-Justiz erweitert Anklage gegen Julian Assange

Wegen der Coronakrise wurde Julian Assanges Auslieferungsprozess auf September verschoben. Die US-Strafbehörden nutzen die Zeit offenbar, um die Anklage weiter auszuführen.
Julian Assange in einem Londoner Gericht

Julian Assange in einem Londoner Gericht

Foto: Simon Dawson / REUTERS

In den USA ist eine neue Anklage gegen WikiLeaks-Gründers Julian Assange erlassen worden. Wie das Justizministerium in Washington mitteilte, werde von einer breiteren Verschwörung beim Ausspionieren von Computern als bislang ausgegangen.

Demnach hätten "Assange und andere" Menschen dafür rekrutiert, um zugunsten von WikiLeaks Netzwerke zu hacken. Zu den bisher 18 Anklagepunkten gegen Assange würden jedoch keine weiteren hinzugefügt, die Anklage werde lediglich erweitert.

Die US-Justiz wirft dem 48-Jährigen vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Dabei soll insbesondere die Sicherheit von US-Informanten aufs Spiel gesetzt worden sein, wie es aus Washington hieß.

Assange drohen bis zu 175 Jahre Haft

Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten drohen Assange bis zu 175 Jahre Haft, er bestreitet die Vorwürfe. Die WikiLeaks-Enthüllungen hatten auch zur Aufdeckung von Kriegsverbrechen durch amerikanische Soldaten geführt. Für Assanges Anwälte sind die Anklagepunkte konstruiert, um ein Exempel zu statuieren. Sie sehen in dem Verfahren einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und fordern Assanges Freilassung

Assange war aus Angst vor einer Auslieferung an die USA 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Die Ermittlungen wurden später eingestellt.

Im April 2019 verhaftete die britische Polizei Assange, weil er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte. Er wurde zu einem knappen Jahr Gefängnis verurteilt. Derzeit sitzt er im Hochsicherheitsgefängnis HMP Belmarsh im Südosten Londons. Ein Prozess über einen Auslieferungsantrag der USA sollte ursprünglich am 18. Mai fortgesetzt werden, wegen der Coronakrise wurde er jedoch auf September verschoben.

hba/dpa
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