Acht Milliarden – Russlands Krieg Putins Vision und Russlands Zukunft

Wladimir Putin beschwört die Ukraine als historisch unverbrüchlichen Teil des russischen Reiches. Seine Visionen erinnern an Josef Stalin und den ersten Zaren Iwan IV., genannt »der Schreckliche«.
Ein Podcast von Olaf Heuser und Christian Neef

Wie sieht das Russland der Zukunft aus?

Wenn es nach Wladimir Putins Visionen geht, dann werden die Ukraine und auch Belarus in Zukunft unverbrüchlich Teil seines Reiches sein. Und Putin selbst demnach der alleinige Herrscher über das einzige Land der Welt, das vermeintlich die wahren Werte der Menschlichkeit achtet. Und deshalb werde Russland auch schon lange vom Westen attackiert, der diese aufrechte Nation unterwandern und vernichten wolle – so geht die Legende. Man sei aber stark genug, sich nicht vom rechten Weg abbringen zu lassen, lautet die Devise aus Moskau. So hebt Putin sein Land und sein Volk hervor aus der restlichen Welt, gibt ihm eine einzigartige Stellung und seinem Tun eine fast heilige Mission.

Gefühl der Überlegenheit

Seit Jahren züchtet die russische Propaganda Putins und seiner Getreuen dieses Gefühl der Überlegenheit. Gleichzeitig fühlt sich Putins Russland dem Westen gegenüber minderwertig, insbesondere – Putins Argumentation zufolge – weil man den Zusammenbruch der Sowjetunion nicht verhinderte und so die Unabhängigkeit der Ukraine zuließ.

»Man merkt daran, dass Russland überhaupt ein neues Ziel sucht und das bisher auch noch nicht gefunden hat«, sagt Christina Neef, der jahrzehntelang als Korrespondent in Moskau, als stellvertretender Leiter des SPIEGEL-Auslandsressorts berichtet hat und als Autor die aktuelle Entwicklung verfolgt. »Und ich glaube, man merkt auch an der zurzeit sehr erratischen Politik Putins, dass selbst er auf Sicht fährt und immer wieder etwas ausprobiert, aber das große Ganze bisher nur auf dem Papier existiert und erst noch gestaltet werden will.«

In dieser Folge des Auslandspodcasts »Acht Milliarden« geht Christian Neef der Frage nach, wie das Russland der Zukunft aussehen könnte. Und warum in Wladimir Putins Kontrollstaat plötzlich das Wort »Revolution« eine so große Rolle in den Traktaten spielt, die Putins Propaganda unterfüttern.

»Dieser Begriff der Revolution wird zweigeteilt. Zum einen ist er bezogen auf die äußere Welt. Man ist der Meinung, dass die postsowjetische Epoche als Epoche der Zweideutigkeiten endlich beendet wird. Und dass man wieder versucht, den historischen Platz Russlands in der Welt zu finden« erklärt Christian Neef. »Der zweite Punkt ist, dass dazu eine Revolution im Inneren des Landes, also in Russland, nötig ist. Und das bezieht sich interessanterweise auf die Intelligenz, auf die Elite. Man ist der Meinung, dass die jetzige Elite nicht zuverlässig ist, wie es übrigens bei Stalin in 30 Jahren immer wieder auch auftauchte«.

Doch es sei womöglich weniger Stalin, dem Putin nacheifere, sagt Christian Neef. Ein anderes Vorbild aus der russischen Geschichte käme eher als Vorbild in Betracht: Iwan IV., der sich als erster Fürst von Moskau zum Zaren krönen ließ und während seiner Herrschaft im 17. Jahrhundert das Gebiet des russischen Reiches erheblich vergrößerte. Dessen Beinamen kennt heute jedes Kind: Iwan, der Schreckliche.

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