»Kleine Kanalratte« Ankara bestellt nach Kubicki-Äußerung gegen Erdoğan Botschafter ein

Weil Wolfgang Kubicki den türkischen Präsidenten Erdoğan bei einem Wahlkampfauftritt als »Kanalratte« bezeichnete, ist das türkische Außenministerium außer sich. Der FDP-Vize reagiert mit Ironie.
FDP-Vize Wolfgang Kubicki: »Eine Kanalratte ist ein kleines, niedliches, gleichwohl kluges und verschlagenes Wesen«

FDP-Vize Wolfgang Kubicki: »Eine Kanalratte ist ein kleines, niedliches, gleichwohl kluges und verschlagenes Wesen«

Foto:

Mike Schmidt / IMAGO

Das türkische Außenministerium hat den deutschen Botschafter in Ankara wegen Äußerungen von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki einbestellt. Der FDP-Vize bezog sich nach eigener Darstellung bei der Äußerung auf Erdoğans Flüchtlingspolitik. Dabei bezeichnete der den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan auf einer Wahlkampfveranstaltung in Niedersachsen als »kleine Kanalratte«.

Ein Sprecher des türkischen Außenministeriums sagte, man verurteile die beleidigenden Worte Kubickis auf das Schärfste. Dem deutschen Botschafter sei der »starke« Protest der türkischen Regierung übermittelt worden. Kubicki »fehlt es vollständig an politischer Moral und Verantwortung«. Die »unanständigen Äußerungen geben letztlich einen Eindruck von Kubickis politischer und moralischer Ebene wider, und offenbaren seine Vulgarität.«

Kubicki reagierte mit Ironie und erklärte: »Eine Kanalratte ist ein kleines, niedliches, gleichwohl kluges und verschlagenes Wesen, weshalb sie auch in Kindergeschichten als Protagonistin auftritt (›Kalle Kanalratte‹, ›Ratatouille‹).«

Erdoğan habe in der Flüchtlingspolitik »einen für die Türkei vorteilhaften Deal mit der Europäischen Union zur Reduzierung der Flüchtlingszahlen abgeschlossen«. Danach erhielt die Türkei von der EU Geld dafür, dass sie Flüchtlingen den Weg nach Europa versperrte. »Gleichwohl müssen wir sehen, dass die Flüchtlingswelle über die Balkanroute wieder zunimmt, was erneut Herausforderungen für die deutsche Außen- und Innenpolitik mit sich bringt«, erklärte Kubicki weiter.

Erinnerung an Erdoğan-Prozess gegen Böhmermann

Der Fall erinnert an das Gedicht »Schmähkritik« des Satirikers Jan Böhmermann im Jahr 2016. Böhmermann hatte dieses in seiner TV-Satireshow »Neo Magazin Royale« im öffentlich-rechtlichen Sender ZDFneo vorgetragen und Erdoğan darin unter anderem mit Sex mit Tieren in Verbindung gebracht.

Erdoğan wehrte sich vor Gericht gegen Böhmermann und erzielte einen Teilerfolg. In dem Fall ging es im Kern um die verfassungsrechtlich geschützte Kunst- sowie Meinungsfreiheit auf der einen und das Persönlichkeitsrecht auf der anderen Seite. Nach Urteilen von Hamburger Gerichten wurden große Teile des Gedichts verboten, das gesamte Werk aber nicht. Der türkische Präsident hatte erreichen wollen, dass das Gedicht insgesamt untersagt wird. Böhmermann wiederum scheiterte Anfang des Jahres mit einer Verfassungsbeschwerde.

sol/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.