Videoansprache im Sicherheitsrat Selenskyj fordert Vorgehen der Uno gegen Russland

Russland könne nicht Mitglied im Rat sein, solange es Zivilisten terrorisiere: Bei seiner Ansprache per Videostream verblüffte der ukrainische Präsident Selenskyj seine Zuhörer mit einer sehr konkreten Forderung.
Präsident Selenskyj bei einer Pressekonferenz in Kiew (Bild vom 16. Juni)

Präsident Selenskyj bei einer Pressekonferenz in Kiew (Bild vom 16. Juni)

Foto: Kay Nietfeld / dpa

In einer überraschenden Botschaft vor dem Uno-Sicherheitsrat hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Vorgehen gegen Russland wegen dessen Angriff auf die Ukraine gefordert. Russland könne nicht im Rat bleiben, solange sein »Terrorismus« vor allem gegen ukrainische Zivilisten anhalte, sagte Selenskyj, der bei einer kurzfristig anberaumten Sitzung in New York per Video zugeschaltet war. Er forderte vom Uno-Sicherheitsrat, den Begriff eines Terrorstaats zu definieren, um Russlands Handlungen entsprechend einzuordnen.

Die Beratungen des mächtigsten Uno-Gremiums, in dem Russland eine von fünf Vetomächten ist, waren nach dem mutmaßlich russischen Angriff auf ein Einkaufszentrum einberufen worden. Dabei starben in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk letzten Angaben zufolge mindestens 20 Menschen, Dutzende wurden verletzt, einige schwer.

Selenskyj bat um Schweigeminute

»Es ist zwingend erforderlich, ein Tribunal einzurichten, um alles zu untersuchen, was das russische Militär gegen die Ukrainer getan hat«, sagte Selenskyj. Der ukrainische Präsident zählte dabei eine Reihe von Angriffen der russischen Seite auf, bei der Unbeteiligte – unter anderem Kinder und Senioren – getötet worden seien. Zum Ende seiner Rede bat er um eine Schweigeminute.

Russland hat als ständiges Mitglied des Sicherheitsrats verärgert auf den Auftritt Selenskyjs reagiert. Dieser sei im letzten Moment auf die Tagesordnung gesetzt und nicht mit allen Mitgliedern abgestimmt worden, klagte der stellvertretende russische Uno-Botschafter Dmitri Poljanski. Der russische Topdiplomat sprach von einem Verstoß gegen die übliche Praxis der Arbeit im Uno-Sicherheitsrat.

ani/dpa
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