Kritik an China Maas besorgt über korrigierte Zahl der Corona-Toten in Wuhan

Die Zahl der Corona-Todesfälle im Zentrum der Pandemie in China ist deutlich höher als bislang bekannt. Außenminister Heiko Maas fordert Transparenz - und ein Überdenken kultureller Gepflogenheiten.
Heiko Maas: "Es gibt Fragen, die müssen irgendwann beantwortet werden"

Heiko Maas: "Es gibt Fragen, die müssen irgendwann beantwortet werden"

Foto: Manuel Lehmann/ imago images/photothek

Chinas Kommunikationsstrategie in der Coronakrise steht zunehmend in der Kritik. Nun hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) die überraschend nach oben korrigierte Zahl der Corona-Toten in der Provinz Wuhan als "besorgniserregend" bezeichnet und die Regierung in Peking zu mehr Transparenz gedrängt. "Es gibt Fragen, die müssen irgendwann beantwortet werden", sagte Maas bei "Bild Live". Für die Ursachenforschung und die Entwicklung eines Impfstoffs sei es wichtig zu wissen, wo das Virus herkomme und wie es entstanden sei.

"Das sind alles Fragen, die beantwortet werden müssen, und da gehe ich davon aus, dass China, so wie es ja auch öffentlich vertreten wird, dabei eine konstruktive Rolle spielt", sagte der SPD-Politiker. In den nächsten Wochen habe die chinesische Führung ausreichend Möglichkeiten, unter Beweis zu stellen, wie transparent sie tatsächlich mit dem Virus umgehen wolle.

Die Wiedereröffnung des umstrittenen Tiermarkts in der zentralchinesischen Millionenstadt Wuhan könne er "nicht nachvollziehen", sagte Maas. In Wuhan hatte die weltweite Coronavirus-Pandemie ihren Ausgang genommen. Im Kampf gegen Pandemien gehe es darum, dass jeder seinen Beitrag leiste, so der Außenminister.

Dafür müssten möglicherweise auch kulturelle Gepflogenheiten geändert werden. "Das tun wir ja hier auch: Wir gehen anders miteinander um, wir halten Distanz, wir schütteln uns nicht mehr die Hände, wir laufen mit Masken durch die Gegend." Niemand könne sich darauf berufen, dass "irgendwelche Dinge bei einem schon immer so gewesen sind", sagte der Minister.

China gerät international wegen seines Umgangs mit der Coronakrise zunehmend unter Druck. Vor allem die USA werfen Peking vor, zu spät über die Verbreitung des neuen Erregers informiert zu haben. Zudem gehen US-Stellen dem Verdacht nach, dass das Virus aus einem Labor in Wuhan gekommen sein könnte und nicht von einem Wildtiermarkt, wie bisher von den chinesischen Behörden angegeben. Auch Frankreich und Großbritannien stellten das Krisenmanagement der chinesischen Regierung infrage.

Diese wies die Kritik an ihrem Corona-Krisenmanagement am Freitag zurück und bestritt Vorwürfe, das Ausmaß der Epidemie im eigenen Land vertuscht zu haben. "Es hat nie eine Vertuschung gegeben, und wir werden nie eine Vertuschung zulassen", versicherte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian.

mes/AFP