»Global Terrorism Index« Zahl rechtsextremer Angriffe weltweit deutlich gestiegen

Einmal im Jahr ziehen Forscher Bilanz zum globalen Terror. Die gute Nachricht der neuen Studie: Die Zahl der Terrorismus-Opfer ist weiter gesunken. Die schlechte: Das gilt nicht für Angriffe durch Rechtsextremisten.
Niedergelegte Kränze erinnern vor der Synagoge in Halle an den rechtsextremen Anschlag vom 9. Oktober 2019

Niedergelegte Kränze erinnern vor der Synagoge in Halle an den rechtsextremen Anschlag vom 9. Oktober 2019

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Utøya, Christchurch, München, Charlottesville oder El Paso: In den vergangenen Jahren haben rechtsextreme Anschläge massiv zugenommen. Forscherinnen und Forscher haben für den internationalen »Global Terrorism Index 2020 « nachgezählt: In Nordamerika, Westeuropa und Ozeanien ist die Zahl dieser Taten demnach seit 2014 um 250 Prozent angestiegen. Bei den Todesopfern lag der Anstieg innerhalb von fünf Jahren bei über 700 Prozent. 2019 kamen insgesamt 89 Menschen bei derartigen Taten ums Leben.

Es gebe nun so viele rechte Angriffe wie zu keinem anderen Zeitpunkt in den vergangenen 50 Jahren, schreiben die Forscherinnen und Forscher in dem Bericht. Er wird jährlich vom Institute for Economics and Peace herausgegeben, einem europäischen Thinktank.

Zahl der Terror-Opfer insgesamt gesunken

»Mit dem Beginn einer neuen Dekade sehen wir neue terroristische Bedrohungen. Der Anstieg des Rechtsextremismus im Westen und die Verschlechterungen in der Sahel-Zone sind wesentliche Beispiele dafür«, sagte der Exekutivdirektor des Instituts, Steve Killelea. Von islamistischer Seite sehe man derzeit vermehrt Angriffe kleinerer Gruppen, die mit dem sogenannten »Islamischen Staat« (IS) sympathisierten – wie in der Subsahara, aber auch in Europa etwa bei den jüngsten Vorfällen in Frankreich und Österreich.

Insgesamt ist die Zahl der Toten durch Terrorismus allerdings erneut gesunken: In den vergangenen fünf Jahren ging sie um knapp 60 Prozent zurück. So lag sie 2019 bei etwas weniger als 14.000 Todesopfern weltweit. Im Vergleich zum Vorjahr war dies ein Rückgang um 15 Prozent. Außerdem sind immer weniger Länder überhaupt von Terrorismus betroffen: Im vergangenen Jahr verzeichneten 63 Länder mindestens ein Terroropfer – das ist die niedrigste Zahl seit 2013.

Weniger Opfer der Taliban

Die Widerstandsfähigkeit vieler hoch entwickelter, westlicher Gesellschaften habe in den vergangenen Jahren abgenommen, schreiben die Studienautoren. Die Corona-Pandemie könne diesen Trend noch verschärfen und wegen unsichererer wirtschaftlicher Aussichten zu mehr politischer Instabilität führen. Es müssten daher Maßnahmen ergriffen werden, um terroristischen Organisationen ihre Medienpräsenz und ihre Finanzierung zu entziehen und zu verhindern, dass sie neue Anhänger gewännen.

Obwohl die Opferzahlen durch islamistische Terrorangriffe weiterhin in den Tausenden liegen, verzeichnen die Studienautoren einen deutlichen Rückgang. Der Einfluss und die Macht des IS sinke kontinuierlich. Zum ersten Mal, seit die Terrormiliz aktiv wurde, lag die Zahl ihrer Todesopfer dem Bericht zufolge bei unter 1000. Die Organisation, die für die meisten Opfer terroristischer Angriffe verantwortlich ist, bleiben weiterhin die Taliban – auch hier ist der Trend jedoch rückläufig.

Anhaltende Krisen sind der Untersuchung zufolge weiterhin die hauptsächlichen Treiber für Terrorismus. So ereigneten sich mehr als 96 Prozent der terroristischen Angriffe in Ländern mit anhaltenden Konflikten wie in Afghanistan, Syrien, Nigeria, Somalia oder dem Jemen.

mrc/dpa
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