Flüchtlinge auf den Gleisen Zug erfasst Migranten in Calais – ein Toter und drei Verletzte

Von Calais versuchen sie über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu kommen: Auf den Gleisen des Hafens sind jetzt Flüchtlinge umgekommen. Andere starben bei der Kenterung ihrer Boote.

Ein Regionalzug hat im nordfranzösischen Calais eine Gruppe von Migranten erfasst, eine Person getötet und drei weitere verletzt. Insgesamt hätten sich am Donnerstagabend rund 50 Migranten auf den Gleisen aufgehalten, berichtete der Sender France bleu. An einem Strand südlich von Calais wurden laut France bleu zuvor am Donnerstag außerdem ein toter und zwei unterkühlte Flüchtlinge neben einem kleinen Boot gefunden.

Am Vortag waren bei weiteren Bootsunglücken bereits ein Migrant gestorben und ein weiterer verschollen. Bei dem Toten handelt es sich nach Angaben der Präfektur um einen etwa 30 Jahre alten Mann. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Mehrere Boote seien gekentert, weil sie überladen gewesen seien, hieß es.

Die Migranten nutzen oft seeuntaugliche Boote und zahlen Schleppern hohe Preise für die Überfahrt nach England. Viele wollen dorthin, weil sie die Sprache sprechen und dort bereits Bekannte oder Verwandte haben. Mehr als 400 Menschen wurden laut den französischen Behörden im Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien seit Dienstagabend aus Seenot gerettet. An den Hilfseinsätzen waren Schiffe der französischen Marine, der Küstenwache, des Zolls sowie zwei Hubschrauber beteiligt.

Lokführer unter Schock

Der regionale Transportbeigeordnete Franck Dhersin sprach auf Twitter von einer »dramatischen Bilanz« bei der Kollision des Regionalzugs aus Dunkerque mit der Gruppe.

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Wie der Sender berichtete, wurde der unter Schock stehende Lokführer von der Feuerwehr betreut. Der Bahnbetreiber SNCF informierte über am Donnerstagabend über einen Personenunfall, wegen dessen der Verkehr in beide Richtungen unterbrochen sei. Erst am Freitagmorgen könne der Verkehr wieder aufgenommen werden.

Die Zahl der Flüchtlinge, welche die Überfahrt über den Ärmelkanal nach Großbritannien wagen, ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Ein Grund dafür ist die stärkere Überwachung der Routen via Fähre oder Tunnel. Die Überfahrt ist aufgrund des starken Schiffsverkehrs, tückischer Strömungen und des kalten Wassers riskant.

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3500 Migranten gerieten in Seenot

Nach Angaben der Präfektur versuchten zwischen Januar und Ende August etwa 15.400 Migranten die Überfahrt über den Ärmelkanal. Etwa 3500 von ihnen wurden aus Seenot gerettet und zurück nach Frankreich gebracht. Im gesamten Vorjahr waren es 9500 gewesen, 2018 waren es etwa 600.

Der britischen Regierung, die nach dem Brexit ein neues, rigides Einwanderungssystem eingeführt hat, sind die illegal ankommenden Migranten ein Dorn im Auge. London und Paris verständigten sich kürzlich darauf, die Kontrollen an den Küsten zu verstärken.

oka/AFP/dpa
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