Besetzte Inselhälfte Empörung über geplanten Erdoğan-Besuch in Nordzypern

Zyperns Präsident spricht von einer "beispiellosen Provokation": Der türkische Staatschef Erdoğan will an diesem Sonntag das besetzte Nordzypern besuchen. Dabei gehört das Gebiet völkerrechtlich zur EU.
Recep Tayyip Erdoğan (Archivbild)

Recep Tayyip Erdoğan (Archivbild)

Foto: © Enrique de la Osa / Reuters/ REUTERS

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan reist an diesem Sonntag nach Nordzypern und besucht dabei auch die Stadt Varosha. Der einstige Badeort war erst im Oktober wiedereröffnet worden, nachdem die Küstenstadt über Jahrzehnte von der türkischen Armee abgeriegelt worden war.

Der Besuch in Varosha findet nur wenige Wochen nach der Präsidentschaftswahl in der türkischen Republik Nordzypern statt – die Wahl gewann der von Erdoğan unterstützte Kandidat Ersin Tatar.

Die Türkei hält den Nordteil Zyperns seit 1974 militärisch besetzt und erkennt als einziges Land die dortige »Republik Nordzypern« an. Die Armee hatte Varosha abgesperrt, nachdem die griechischen Zyprer wegen des türkischen Einmarsches von dort geflohen waren. Allerdings beanspruchen die griechischen Zyprer den Ort bis heute für sich.

Zyperns Präsident Nicos Anastasiadis verurteilte Erdoğans geplanten Besuch in Varosha als »beispiellose Provokation«.

Zypern ist Mitglied der Europäischen Union. Völkerrechtlich gehört auch Nordzypern zu Zypern – und damit zur Europäischen Union.

Zwischen der Türkei und der EU gab es zuletzt immer wieder Konflikte. Umstritten waren zum Beispiel türkische Forschungsmissionen zur Erkundung von Erdgasfeldern, die seerechtlich zu Griechenland und Zypern gehören. Für Ärger sorgt auch immer wieder die Flüchtlingspolitik.

Hochproblematisch ist aus Sicht der EU auch das militärische Engagement der Türkei im Syrienkrieg und zuletzt im Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach. Streit gibt es außerdem regelmäßig über die prekäre Menschenrechtslage in der Türkei.

wal/AFP
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