Zu viele offene Fragen Bahngewerkschaft stellt raschen Start des 49-Euro-Tickets infrage

Am Deutschlandticket entzündet sich Kritik: Bevor es losgeht, müsse der Bund neue finanzielle Zusagen machen, fordern Arbeitnehmervertreter. Die Bahn wiederum sieht Probleme für den Fall, dass das Ticket zum Erfolg wird.
Lokführer in Berlin: Bahn und Bahngewerkschaft sind beim 49-Euro-Ticket skeptisch

Lokführer in Berlin: Bahn und Bahngewerkschaft sind beim 49-Euro-Ticket skeptisch

Foto: Adam Berry / Getty Images

Der genaue Starttermin des von Bund und Ländern geplanten 49-Euro-Monatstickets im Nah- und Regionalverkehr ist weiter offen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geht inzwischen von einer Einführung im Frühling aus. »Realistisch erscheint aus unserer Sicht eine Einführung des Deutschlandtickets zum 1. April, weil einige Fragen der Umsetzung noch ungeklärt sind«, sagte EVG-Chef Martin Burkert dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Nötig sei eine Ansage des Bundesverkehrsministeriums. »Der Bund muss ein sicheres Startdatum für das Deutschlandticket nennen.« Zudem müsse der Bund den Ländern die Möglichkeit anbieten, die Kosten auszuwerten – damit Berlin notfalls mehr Geld zuschießen kann.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte als Ziel für die Einführung des neuen Tickets Anfang 2023 genannt. Ein Starttermin bereits im Januar gilt aber zunehmend als unwahrscheinlich. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hält einen Start des Deutschlandtickets Anfang März für realistisch.

EVG-Chef Burkert sagte, der Bund solle bereit sein, falls nötig, mehr Geld als 1,5 Milliarden Euro für das Ticket bereitzustellen. »Spätestens sechs Monate nach Start des Deutschlandtickets muss der Bund die bisher entstandenen Kosten mit den Ländern evaluieren und gegebenenfalls Gelder nachschießen«, betonte Burkert. Dieses Zugeständnis an die Länder solle der Bund auf der für Dienstag angesetzten Sonderkonferenz der Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister machen. Sonst drohe ein »klimapolitischer Totalschaden«. Auch aus Sicht der Verkehrsunternehmen sind noch Finanzierungsfragen offen.

Kritik am geplanten Standardpreis des Tickets übte derweil das Bündnis Sozialverträgliche Mobilitätswende. Die 49 Euro lägen weit über dem, was für viele bezahlbar sei. Das Bündnis forderte von den Verkehrsministern ein bundesweit gültiges »Sozialticket« für maximal 29 Euro. Dieses solle sich speziell an einkommensschwache Haushalte richten. »Ohne eine zusätzliche soziale Lösung verspielen Bund und Länder die Chance, mit dem Deutschlandticket einen echten Beitrag für nachhaltige Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe zu leisten«, teilte das Bündnis aus Gewerkschaften, Sozial- und Umweltverbänden mit.

Bahn: »Die Infrastruktur ist dicht«

Grundlegende Bedenken äußerte auch die Deutsche Bahn. Sollte die Nachfrage im Regionalverkehr durch das 49-Euro-Ticket steigen, gebe es kaum Spielraum für ein größeres Angebot, sagte der für die Infrastruktur verantwortliche Bahnvorstand Berthold Huber der »Welt am Sonntag«. »Im Regionalverkehr rund um die großen Knotenbahnhöfe gibt es keinen Platz für zusätzliche Züge.« Man könne aus einem Halbstunden- keinen Viertelstundentakt mehr machen. »Die Infrastruktur ist dicht.«

Man müsse versuchen, mehr Plätze in den Zügen bereitzustellen, aber auch hier gebe es Grenzen. »Die Infrastruktur verzeiht lange, aber jetzt ist der Punkt erreicht, wo es nicht mehr geht und die Lage zu kippen droht.«

Indes hat Bremen als Vorsitzland der Konferenz der Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister einen Antrag eingereicht, die Maskenpflicht im ÖPNV bundesweit zur Einführung des vorgesehenen Deutschlandtickets Anfang März abzuschaffen – falls die Pandemielage dies zulässt. Angestrebt wird ein einheitliches Vorgehen der Länder.

ani/dpa
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