Länder fordern Papierfahrschein 49-Euro-Ticket nur digital? Kritik an Wissings Plan wird lauter

Der Start des 49-Euro-Tickets droht sich weiter zu verschieben. Wichtige Fragen sind ungeklärt, etwa in welcher Form die Fahrkarte erhältlich sein wird. Niemand dürfe ausgeschlossen werden, mahnen mehrere Länder.
Regionalbahn fährt in den Hamburger Hauptbahnhof ein: »Längst nicht alle Menschen haben ein Smartphone«

Regionalbahn fährt in den Hamburger Hauptbahnhof ein: »Längst nicht alle Menschen haben ein Smartphone«

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Das 49-Euro-Ticket soll in diesem Jahr die Nachfolge des 9-Euro-Tickets aus dem vergangenen Sommer antreten – doch ein mögliches Startdatum verschiebt sich immer weiter nach hinten. Zuletzt schien sogar fraglich, ob der von Wissing avisierte späteste Termin 1. Mai zu halten ist.

Denn zahlreiche grundsätzliche Fragen zum Ticket sind bisher ungeklärt. Dazu zählt die, ob der Fahrschein auch in Papierform angeboten wird. Bayern etwa lehnt die Pläne des Bundesverkehrsministers Volker Wissing ab, das Ticket nur digital anzubieten. »Längst nicht alle Menschen haben ein Smartphone, das gilt für Ältere wie auch für kleine Schulkinder«, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) dem »Münchner Merkur« .

Aus den Ländern kommt die Forderung, zumindest zeitweise auch Papierfahrkarten anzubieten. »Wir können nicht diejenigen ausschließen, die digital noch nicht fit sind«, sagte die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) dem »Redaktionsnetzwerk Deutschland« (Samstag). Schaefer wirft Wissing bei dem Thema eine Blockade vor.

Dass die Einführung eines rein digitalen Tickets für Bus- und Bahnbetreiber ein Kraftakt ist, machten Schaefer und Müller mit ihrem Hinweis deutlich, ein Papierticket werde kleineren Verkehrsunternehmen helfen, die nicht schnell auf Digitaltickets umstellen könnten. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) betont jedoch: »Die Branche wäre bis 1. Mai startklar.«

FDP: Smartphone ist für digitales Ticket nicht Voraussetzung

Die FDP-Fraktion in Baden-Württemberg erinnert derweil an die Grundidee hinter dem Ticket. »Es gibt klare Vereinbarungen des Bundeskanzlers mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder«, sagte der FDP-Verkehrsexperte Christian Jung. »Dort heißt es zweifelsfrei ›digital‹ und ›deutschlandweit‹. An diese sollte man sich halten und zügig die Vorbereitungen treffen.« Außerdem müsse man kein Smartphone besitzen, sondern könne eine Chipkarte erhalten, wie es von Bankkarten oder der Bahncard bekannt ist.

»Herr Wissing spricht zwar oft davon, dass das Deutschlandticket bald starten soll, ist aber immer noch viele Antworten schuldig«, sagte CSU-Mann Bernreiter weiter. So habe der Bund die Fragen des Beihilferechts noch nicht abschließend mit der EU-Kommission geklärt.

Am Samstag hatte Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schaefer (Grüne) davor gewarnt, der Start zum 1. Mai sei akut in Gefahr. Detailfragen seien demnach noch ungeklärt, Wissing blockiere die Umsetzung, sagte die Bremer Senatorin Schaefer zudem. Das Bundesverkehrsministerium hingegen hatte zuletzt erklärt, für die Umsetzung des Tickets seien in erster Linie die für den ÖPNV zuständigen Länder und Verkehrsunternehmen zuständig.

Auch die Grünen in Baden-Württemberg machen Wissing als Schuldigen für die Verzögerungen aus. »An uns Ländern liegt es nicht, dass sich das 49-Euro-Ticket verzögert«, sagte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann der »Süddeutschen Zeitung«. »Wir sind verwundert, dass der Bundesverkehrsminister mit den Vorbereitungen nicht vorankommt.« Wissing selbst habe das deutschlandweite Ticket für Busse und Bahnen schließlich ursprünglich bereits zum Jahreswechsel einführen wollen. Die Länder seien bereit, die Verkehrsverbünde auch.

Im vergangenen Sommer hatten Millionen Fahrgäste während der dreimonatigen Aktion das 9-Euro-Ticket genutzt. Als dauerhafter Nachfolger ist ein bundesweit gültiges Ticket für 49 Euro im Monat für Busse und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr geplant. Es ist als Abo gedacht. Je nach Region können Abonnenten auch Kinder, Hunde oder Fahrräder mitnehmen.

Noch im Herbst hatten die Verkehrsminister eine Einführung im Januar angestrebt, doch die Vorbereitungen ziehen sich hin.

ani/dpa
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