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Nordrhein-Westfalen Das Brückendebakel im Sauerland – ein Scheitern mit Ansage

Wer ist schuld am Verkehrschaos zwischen Dortmund und Siegen? Dort muss eine baufällige Autobahnbrücke der A45 gesprengt werden, bevor es Ersatz gibt. Offenbar schätzte eine Behörde das Risiko falsch ein.
Gesperrte Autobahnbrücke Rahmede der A45 bei Lüdenscheid

Gesperrte Autobahnbrücke Rahmede der A45 bei Lüdenscheid

Foto:

Kay-Helge Hercher / dpa

Das Desaster um die marode Talbrücke Rahmede auf der Autobahn 45 wäre wohl vermeidbar gewesen – das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Bernd Reuther hervor. Demnach hat das Land Nordrhein-West­falen schon 2015 einen »Planungsauftrag für einen Ersatzneubau« der Brücke vergeben. Das Projekt sei jedoch 2017 »wegen einer geänderten Priorisierung« verschoben worden. Maßnahmen an anderen Brücken seien damals »als dringlicher eingeschätzt« worden, heißt es in der Ministeriumsantwort, die dem SPIEGEL vorliegt.

Die Talbrücke ist wichtig: Bis vergangenen Dezember fuhren mehr als 60.000 Fahrzeuge pro Tag über die Brücke, dann musste sie wegen Schäden gesperrt werden. Sie soll in diesem Jahr gesprengt werden. Bis Ende 2020 war die Landesregierung mit ihrem Landesbetrieb Straßenbau für Autobahnen zuständig, seitdem ist es der Bund mit seiner Tochtergesellschaft Autobahn GmbH – jetzt gibt es Streit um die Verantwortung.

Die neuen Erkenntnisse verärgern die Bundesregierung. An der Entscheidung 2017 seien sowohl die scheidende Regierung von SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft als auch die Nachfolgeregierung von Armin Laschet (CDU) beteiligt gewesen. Der zuständige Verkehrsminister war ab 2017 Hendrik Wüst, der heute NRW-Landeschef ist.

Im Hinblick auf die Sanierung seien »gravierende Fehler begangen« worden, sagte FDP-Parlamentarier Reuther dem SPIEGEL. Das NRW-Verkehrsministerium geht auf Fragen dazu nicht ein und teilt mit, alle Verträge und Dokumentationen lägen seit 2021 bei der Autobahn GmbH.

Brückengipfel in Berlin

Der Zustand der Autobahnbrücken wird Thema bei einem Gipfel sein, den Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) kommende Woche ausrichtet. Eingeladen sind neben den Vertreterinnen und Vertreter der Länder auch die Bauindustrie. Dabei will er nach SPIEGEL-Informationen eine »Brückencharta« verabschieden, um Sanierungen und Neubauten zu beschleunigen.

Die Autobahngesellschaft hat zu dem Zustand der Brücken einen Bericht erstellt. Über Teile hatte der SPIEGEL im Januar berichtet. Die zentrale Aussage: »Sollten die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen an den Tausenden Bauwerken nicht im erforderlichen Umfang und zeitnah umgesetzt werden, wird es in den kommenden Jahren zu erheblichen Verkehrseinschränkungen bis hin zu Sperrungen von Brückenbauwerken kommen.«