Mobilitätsindex ADAC sieht keinen Fortschritt zu nachhaltiger Mobilität

Deutschland kommt mit der Verkehrswende nicht voran, beklagt ausgerechnet der Autoclub ADAC. Sein neuer Mobilitätsindex erfasst das ganze Verkehrssystem.
Verkehr in Berlin

Verkehr in Berlin

Foto: Andreas Gora / IMAGO

Das deutsche Verkehrssystem entwickelt sich nach Einschätzung des Automobilclubs ADAC »viel zu langsam in Richtung Nachhaltigkeit«. Leichte Fortschritte seien von Rückschritten in anderen Bereichen kompensiert worden, teilte der ADAC am Montag in München mit. Mit Blick auf nachhaltige Mobilität seien deshalb mehr Anstrengungen und mehr Tempo nötig, forderte der Automobilclub.

»Mit nachhaltiger Mobilität lassen sich die Lebensqualität der Menschen und die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen verbessern«, erklärte ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. Schon um die erforderliche Minderung der CO₂-Emissionen zu erzielen, müsse sich der Wandel des Verkehrssystems allerdings »erheblich beschleunigen«, fügte er hinzu.

»Die Verbraucher müssen ihr Mobilitätsverhalten ändern, sie müssen dazu aber auch in der Lage sein«, erklärte Hillebrand weiter. »Ohne einen schnelleren Ausbau des öffentlichen Verkehrs, der Ladeinfrastruktur oder von Radwegen wird dies nicht gelingen.« Als reine Autolobby will der ADAC längst nicht mehr gesehen werden.

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Laut dem in Zusammenarbeit mit dem Prognos-Institut entwickelten ADAC-Mobilitätsindex  gab es in den vergangenen Jahren unterm Strich keinen Fortschritt zu Nachhaltigkeit im Verkehr. Untersucht wurden dafür die Jahre 2015 bis 2019. Der Zeitraum der Coronapandemie, in der sich das Mobilitätsverhalten etwa durch Lockdowns zumindest zeitweilig erheblich veränderte, blieb also ausgeklammert.

Weniger Schadstoffe, aber mehr Energieverbrauch

Für den Index berücksichtigt wurden ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte. Unter die Lupe genommen wurden die Dimensionen Verkehrssicherheit, Umwelt und Klima, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit sowie Bezahlbarkeit. Für das Jahr 2015 wurde dabei ein Indexwert von 100 festgelegt – Werte darüber bedeuten eine Verbesserung, Zahlen darunter eine Verschlechterung.

Im Bereich Umwelt und Klima, in dem neben CO₂-Emissionen und potenziell gesundheitsgefährdenden Luftschadstoffen auch der Flächenverbrauch berücksichtigt wurde, gab es laut ADAC Fortschritte: Der Teilindex stieg hier bis 2019 auf einen Wert von 105. Vor allem Luftschadstoffe und Lärm konnten reduziert werden. Allerdings stiegen zugleich Treibhausgasausstoß und vor allem der Energieverbrauch im Verkehr weiter – was hier sogar zu schlechteren Werten als im Basisjahr 2015 führte.

Staus und Verspätungen als großer Rückschritt

Hauptursache für fehlende Fortschritte im Zeitverlauf seit 2015 ist »eine deutliche Verschlechterung des Faktors Zuverlässigkeit«. Straßenstaus  sowie Verspätungen und Ausfälle auf der Schiene führten laut ADAC dazu, dass der entsprechende Teilindex bis 2019 auf einen Wert von 83 abfiel. »Stetig steigende Verkehrsmengen und nur unzureichender Ausbau und Erhalt der Infrastruktur führen auf Straße und Schiene zu mehr Störungen und Verspätungen«, resümierte der Automobilclub.

Bei der Verfügbarkeit von Mobilität gab es eine Verbesserung auf einen Wert von 103 – unter anderem, weil die Verfügbarkeit von Sharingangeboten wuchs. Der Teilindex für die Bezahlbarkeit von Mobilität stieg von 2015 bis 2019 auf einen Wert von 104. »Die Einkommen stiegen stärker als der Preis für Mobilität«, erklärte der ADAC mit Blick auf den untersuchten Zeitraum – wohlgemerkt lange vor der aktuellen Inflation der Energiepreise.

Unter dem Strich veränderte sich der Indexwert für alle untersuchten Bereiche zusammen im untersuchten Zeitraum nicht. Er lag für 2019 wie im Basisjahr 2015 vor allem wegen der Verschlechterung bei der Zuverlässigkeit bei 100.

ak/AFP