Wissen über Straßenverkehrsordnung ADAC attestiert vielen Radfahrern Ahnungslosigkeit

Der Autoclub hat 4500 Fahrradfahrer gefragt, wie gut sie die Verkehrsregeln kennen. Das Resultat: »lückenhaft«. Autofahrer schnitten in einer früheren Befragung allerdings ähnlich schlecht ab.
Radfahrende auf der Münchner Ludwigstraße

Radfahrende auf der Münchner Ludwigstraße

Foto: Frank Leonhardt/ DPA

Dürfen Radfahrende Einbahnstraßen auch in umgekehrter Richtung nutzen? Ja, glaubt etwa jeder dritte Teilnehmer einer Umfrage des ADAC. Tatsächlich ist es nicht erlaubt, wenn es nicht extra ausgeschildert ist.

37 solcher Fragen hat der Autoclub 4500 Verkehrsteilnehmern ab 14 Jahren gestellt, die mindestens dreimal im Jahr Fahrrad fahren. Dabei ging es etwa um die Bedeutung von Straßenschildern, radelnde Kinder auf dem Fußweg oder die Smartphone-Nutzung. »Viele Radler zeigen eine mangelnde Kenntnis der aktuellen Verkehrsregeln«, schlussfolgert der Autoclub aus den Ergebnissen.

Im Schnitt seien 60 Prozent der Antworten richtig gewesen, der Rest »lückenhaft« oder »falsch«. Nur ein Prozent kannte alle oder fast alle Antworten. Zwar hätten vier von fünf Befragten gewusst, dass Radfahrende nicht in Fußgängerzonen unterwegs sein dürfen. Aber nur jeder Fünfte war sich bewusst, dass radfahrende Kinder bis zum Alter von acht Jahren den Fußweg nutzen müssen, einer der schlechtesten Werte bei dem Wissenstest. »Nur ein Viertel der Befragten kannte außerdem die Benutzungspflicht von Radwegen, sobald ein blaues Schild aufgestellt ist«, so der ADAC.

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Dass beschwipste oder betrunkene Radfahrer bei auffälligem Verkehrsverhalten ab 0,3 Promille zur Rechenschaft gezogen werden können und ab 1,6 Promille eine Straftat vorliegt, die den Führerscheinentzug und den Gang zum »Idiotentest« zur Folge haben kann, wussten demnach auch nur wenige der Befragten. Bei Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung (StVO), wie der Kennzeichnung von Radschnellwegen, gebe es ebenfalls Wissenslücken.

»Unwissenheit kann gefährlich werden, weil sie das Risiko von Konflikten erhöht und im schlimmsten Fall zu Unfällen führt«, sagte ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. Dies gelte für alle Verkehrsteilnehmer. Daher sollten sich sowohl Auto- als auch Radfahrer regelmäßig über Neuerungen informieren und ihre Regelkenntnisse auffrischen. Angesichts des weiten Zuschnitts der vom ADAC befragten Gruppe dürfte ein Großteil zugleich Autofahrer sein.

Rund 75 Prozent aller Unfälle in Deutschland mit Verletzten oder Toten, bei denen Fahrräder und Autos beteiligt sind, werden von Autofahrern verursacht. 426 Radfahrerinnen und -fahrer wurden 2020 im Straßenverkehr getötet.

Autofahrer mit ähnlich großen Wissenslücken

»Es stimmt, viele Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer kennen wichtige Verkehrsregeln nicht. Das betrifft Autofahrerinnen und Autofahrer aber mindestens so stark wie Menschen auf Rädern«, sagte Roland Huhn, Verkehrsrechtsexperte des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). »Viele Autofahrende wissen beispielsweise nicht, dass Fahrräder mit mindestens 1,50 m Sicherheitsabstand überholt werden müssen.« Die Probleme würden gerade in den Städten verschärft, weil immer größere Fahrzeuge auf den Straßen seien und Radfahrenden oft kein eigener, geschützter Raum zugestanden werde.

Bei einem ähnlichen ADAC-Test für Autofahrer aus dem Jahr 2015 konnten die rund 1000 Teilnehmer ebenfalls nur »rund die Hälfte der theoretischen Fragen rund um Verkehrsregeln beantworten«, wie das Marktforschungsinstitut Ifak damals mitteilte. So kannten 72 Prozent nicht die StVO-Regeln für das sogenannte Reißverschlusssystem , wenn sich die Fahrbahn etwa von zwei Spuren auf eine verengt. Und mehr als 60 Prozent war nicht klar, wie sie im Stau eine Gasse für Rettungsfahrzeuge  bilden sollen.

fww
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