100 Jahre Harley-Davidson Born to be a bike

Im Jahr 1903 nahmen zwei amerikanische Jungs, die Spaß am Motorradbau hatten, einen Pinsel und schrieben ihre Namen auf eine Bretterbude: "Harley-Davidson". Nun feiert die Bike-Legende ein ganzes Jahr lang Jubiläum und kommt auch auf Tour nach Deutschland.


Für viele Biker gehört die Pose dazu: doch selbst beim Harley-Treffen werden nicht nur Harleys gefahren
DPA

Für viele Biker gehört die Pose dazu: doch selbst beim Harley-Treffen werden nicht nur Harleys gefahren

Milwaukee - Seit Juli zieht die Karawane der Motorradfans um die Welt und erreicht im Juni 2003 Europa. Zuerst wird in Barcelona, dann vom 25. bis zum 27. Juli in Hamburg gefeiert mit allem, was der gemeine Harley-Fan so gern hat: Stuntshows, Filme, Tätowierungen, Formationsfahren, Oldtimer und frisierte Bikes. Dazu eine Ausstellung mit zum Teil erstmals gezeigten Stücken zur Geschichte der Firma Harley-Davidson.

Die begann schon zwei Jahre, bevor der 21-jährige William S. Harley und sein 20-jähriger Kollege Arthur Davidson den Bretterverschlag für ihre Firma bezogen. 1901 hatten die beiden den Prototypen der ersten Harley auf die Räder gestellt.

Wenig Ähnlichkeit mit aktuellen Modellen: Die historische Harley-Davidson von 1903
GMS

Wenig Ähnlichkeit mit aktuellen Modellen: Die historische Harley-Davidson von 1903

Von dem typischen tiefen Motorsound und riesigen Hubräumen, die einmal Harley-typisch werden sollten, war damals jedoch noch nicht die Rede. Die Ur-Harley hatte einen Einzylindermotor, der den Fahrer mit der Kraft von etwa drei Pferdestärken vorantrieb. 1903 verkauften die Kompagnons drei Motorräder, 1907 waren es dann schon 150. Erst jetzt wurde Harley-Davidson ins Handelsregister eingetragen, und bis 1909 stellten die Firmenchefs 35 Mitarbeiter ein.

Außerdem schlug in diesem Jahr die Geburtsstunde einer Technik, die fortan untrennbar mit dem Namen Harley-Davidson verbunden war: das erste Motorrad der Marke mit einem Motor, dessen beide Zylinder in einem 45-Grad-Winkel in V-Form angeordnet waren.

Ein Logo ging um die Welt: Harley-Davidson

Ein Logo ging um die Welt: Harley-Davidson

1920 verkaufte Harley-Davidson als größter Motorradhersteller der Welt 28980 Räder in 67 Ländern. Allerdings folgte dem rasanten Aufstieg eine problematische Zeit, die sich in ihren Gründen und Auswirkungen später für die Motorradbranche noch einmal wiederholen sollte. Bald nach dem Ersten Weltkrieg stieg der Wohlstand, die Amerikaner leisteten sich statt eines Zweirads lieber ein Auto.

Harley-Davidson gelang das Krisenmanagement besser als der Konkurrenz. 1931 hatte von den amerikanischen Motorradmarken nur noch eine andere überlebt: Indian, die 1953 ihre Produktion einstellen musste.

Berühmtes Film-Motorrad: Die Harley-Davidson aus "Easy Rider" im Museum Guggenheim, Las Vegas
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Berühmtes Film-Motorrad: Die Harley-Davidson aus "Easy Rider" im Museum Guggenheim, Las Vegas

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts schlitterte die Firma durch ein paar unternehmerische Krisen. Die Motorräder selbst jedoch stiegen unaufhaltsam zu Ikonen der Zweiradwelt auf - woran Hollywoodfilme wie "Easy Rider" großen Anteil hatten. Sie stilisierten die V-Twins aus Milwaukee zu Symbolen für Freiheit und Abenteuer.

Zu den Motoren hatte die Fangemeinde eine besonders enge Beziehung. Jede Veränderung der Twins bekam umgehend einen untechnischen Kosenamen verpasst - der bezog sich vor allem auf die Form der Zylinderköpfe oder deren Verkleidung. So gilt der von 1929 bis 1956 gebaute Zweizylinder wegen seiner flachen Köpfe als "Flathead", der "Knucklehead" (1936 bis 1947) wiederum erinnert mit seiner knubbeligen Form an die Knöchel einer zur Faust geballten Hand.

Flache Zylinderköpfe: Harley-Davidson "Flathead" aus den vierziger Jahren
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Flache Zylinderköpfe: Harley-Davidson "Flathead" aus den vierziger Jahren

1948 bis 1965 zierten zwei pfannenförmige Deckel den "Panhead", während der "Shovelhead" (1966 bis 1985) seinen Namen schaufelförmigen Einbuchtungen verdankt. Danach war die Phantasie wohl ausgereizt: "Evolution", oder "Twin Cam 88" folgten, das neueste Modell ist der von Porsche mit entwickelte "Revolution"-Motor.

Doch Harley-Davidson hat nicht ausschließlich stilvolle Motorräder nach Tradition des Hauses gebaut. Da gab es zum Beispiel von 1932 an ein Gefährt namens "Servi Car", das aussah, als wäre ein Einkaufswagen mit einem Motorrad zusammengestoßen. Das skurrile Dreirad mit Ladefläche diente bis in die siebziger Jahre hinein als praktisches Polizeifahrzeug.

Harley-Modell von 2001: Dyna Super Glide T-Sport
Foto: GMS

Harley-Modell von 2001: Dyna Super Glide T-Sport

Während sich die Harley-Mannen immer wieder gern empören, wenn japanische Produzenten V-Motoren im Harley-Stil für ihre fernöstliche Cruiser bauen, bekam die legendäre Firma einst sogar von offizieller Seite einen Auftrag zur Imitation der Konkurrenz.

Im Zweiten Weltkrieg soll sich die US-Armee in Afrika von der Geländetauglichkeit der "Feindmotorräder" Marke BMW in den Wüsten so begeistert gezeigt haben, dass sie von Harley-Davidson entsprechende Nachbauten forderte. Immerhin 1011 dieser "XA 750" mit Boxermotor nach BMW-Vorbild sind 1942 entstanden.



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