100 Jahre Prinz-Heinrich-Wagen Schicke Sammlerbox zum Jubiläum

Wie viel Automobilgeschichte kann ein Leser verdauen? Nach Ansicht des Delius Klasing Verlags eine ganze Menge. Für echte Enthusiasten gibt es jetzt eine fast fünf Kilo schwere Sammlerbox, die sich nur mit einem Thema beschäftigt: der Rennauto-Legende Prinz-Heinrich-Wagen.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Der Tourenwagen des österreichischen Herstellers Austro-Daimler galt als berühmtester Rennwagen der Welt. Bei dem Auto mit aerodynamisch günstig geformten Spitzheck, 5,7-Liter-Vierzylindermotor und einer Spitzengeschwindigkeit von 132 km/h handelte es sich um eine Konstruktion von Ferdinand Porsche. Und der saß auch am Steuer eines solchen Wagens beim damals berühmtesten Autorennen in Deutschland: der Prinz-Heinrich-Fahrt, die 1910 binnen vier Tagen über 1945 Kilometer von Berlin über Nürnberg, Straßburg nach Bad Homburg führte. Ferdinand Porsche gewann das Zuverlässigkeitsrennen, und auf den Plätzen zwei und drei kamen ebenfalls Austro-Daimler-Wagen ins Ziel, weshalb die Autos fortan den Namen "Prinz-Heinrich-Wagen" trugen.

Zum Jubiläum des Ereignisses ist jetzt im Delius Klasing Verlag die Sammlerbox "100 Jahre Prinz Heinrich" erschienen. Die Schachtel von der Größe einer Getränkekiste enthält eine DVD, drei Kunstdrucke, ein Modell im Maßstab 1:18 und den großformatigen, 487 Seiten dicken Band "Ferdinand Porsche - Genesis eines Genies" des Automobilhistorikers Karl Ludvigsen. Es gibt nur 100 dieser außergewöhnlichen Schachteln - und jedes Exemplar der durchnummerierten und handsignierten Serie kostet 999 Euro.

Entstanden ist die Spezialitätenbox auf Initiative von Ernst Piëch, ältester Enkel von Ferdinand Porsche und Bruder von VW-Patriarch Ferdinand Piëch. Das Konvolut soll einerseits eine Art Vermächtnis Ferdinand Porsches in Buchform sein, andererseits an den ersten erfolgreichen Rennwagen des Ausnahmekonstrukteurs erinnern. Ernst Piëch besitzt übrigens einen von drei weltweit noch erhaltenen Prinz-Heinrich-Wagen.

Das Porsche-Vermächtnis in Buchform ist trotz des beträchtlichen Umfangs nur Stückwerk. Denn Ludvigsen beschreibt darin das Schaffen Ferdinand Porsches zwischen 1900 und 1933. Spätere Großprojekte wie Hitlers KdF-Wagen oder der von diesem abgeleitete erste Porsche 356 sind gar nicht Gegenstand der reich bebilderten Lebens- und Werkgeschichte.

Erster Ruhm für Porsche auf der Weltausstellung 1900 in Paris

"Am 14. April 1900 öffneten sich in Paris 36 Eingangspforten dem neuen Jahrhundert." So lautet der erste Satz des Buches, das mit der Weltausstellung in Paris einsetzt, weil dort auch ein Fahrzeug des damals erst 24-jährigen Ferdinand stand, das heute als Lohner-Porsche bekannte Elektromobil mit je einem Motor in den beiden Vorderrädern.

Ausführlich wird natürlich über den Prinz-Heinrich-Wagen berichtet - und über viele andere frühe Ideen und Erfindungen Porsches, der, an seinem Todestag am 30. Januar 1951 weltweit insgesamt 1230 Patente hielt.

Man muss, will man den Gehalt der "Collector's Box" wirklich ausschöpfen, schon außerordentlich an sehr alten Autos und an der Person Ferdinand Porsches interessiert sein. Man kann natürlich auch einfach das in China handgefertigte Automodell aus der Plexiglasgarage, in der es mitgeliefert wird, herausholen und ein klein bisschen Prinz-Heinrich-Fahrt spielen. Und man kann das Gesamtpaket dazu einsetzen, um im automobilen Freundeskreis Eindruck zu schinden.

Wie man aus dem Delius Klasing Verlag hört, ist der Verkauf der bibliophilen Rarität recht gut angelaufen. Es gibt sie eben doch noch, die echten Enthusiasten.

Collector's Box "100 Jahre Prinz Heinrich", Delius Klasing Verlag, 999 Euro.

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insgesamt 2 Beiträge
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FToskana 15.11.2010
1. Fortschritt?
Interessanter als dieses Luxux-Spielzeug finde ich eigentlich die Unterschrift zum zweiten Bild: "Lohner-Porsche: Als einziges Automobil aus Österreich wurde auf der Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris dieses Elektroauto gezeigt. Zeitgenossen bewerteten das erste transmissionslose Fahrzeug überhaupt als "epochemachend". Die Elektromotoren in den Vorderrädern leisteten je 2,5 PS, eine Batterieladung reichte für rund 50 Kilometer Fahrt, die Höchstgeschwindigkeit betrug 50 km/h. Konstrukteur des Automobils war der damals 24 Jahre alte Ferdinand Porsche." Und 100 Jahre später kommt im Dezember (z.B bei der Bahn) ein Citroen CZero (gemeinsam mit Peugeot und Mitsubishi) mit immerhin 60km Reichweite in den Handel. Aber 'Made in Germany' glänzt noch mit Abwesenheit, bzw. Hybrid- und Wasserstoff-Experimenten... Epoche verschlafen?
frutal 16.11.2010
2. Austria
Wird Zeit das in Österreich wieder eine ordentliche Autoproduktion anläuft. Den die aktuellen E-Autos schaffen ja nicht mehr als ein Wagen vor 110 Jahre schon konnte, nur brauchen sie heute x mal mehr PS dafür. Traurig! Das erste Auto fuhr auch in Wien und nicht in Deutschland.
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