Fotostrecke

200 Jahre Peugeot: Gut gebrüllt

200 Jahre Peugeot Vorfahrt für die Familie

Der Löwe im Logo passt durchaus: Seit 200 Jahren ist Peugeot eine industrielle Macht. Erst in der Region Franche-Comté, dann in Frankreich, heute weltweit. Der Durchbruch gelang mit der Herstellung von Automobilen - mehr als 55 Millionen waren es von 1889 bis heute.

"Schon lange, bevor es die Japaner erfunden haben, gab es bei Peugeot Kaizen, also die stetige Verbesserung der vorhandenen Produkte", sagt Jean-Louis Loubet, Professor für Wirtschafts- und Technikgeschichte an der Universität Evry-Val-d'Essone. Die ständige Veränderungsbereitschaft sei das Fundament gewesen, auf dem das Familienunternehmen Peugeot zum Weltkonzern wuchs. Eine weitere Säule des Erfolgs erwähnt Loubet nicht: Es ist das protestantische Ethos der Familie Peugeot. Noch immer funktioniert die Mixtur aus Fleiß, Kontrolle und absoluter Diskretion - mittlerweile in der siebten Generation, seit die Gebrüder Jean-Pierre und Jean-Frédéric Peugeot am 19. Juni 1810 die Firma "Peugeot Frères et Compagnie" gründeten und die elterliche Ölmühle in Hérimoncourt um eine Eisengießerei erweiterten.

Heute, 200 Jahre später, ist die Marke Peugeot mit rund zwei Millionen verkauften Autos pro Jahr der zehntgrößte Automobilproduzent der Welt. "Das Jubiläum ist der Ausgangspunkt für unsere Offensive, bis zum Jahr 2015 der siebtgrößte Hersteller weltweit zu werden", sagt Xavier Peugeot, derzeit Marketing- und Kommunikationsdirektor der Marke. Die Familie verfügt noch immer über rund 40 Prozent der Stimmrechte am Konzern PSA (zu dem auch Citroën gehört). Den Vorsitz des PSA-Aufsichtsrats hat derzeit Thierry Peugeot inne. Nichts im Unternehmen geschieht ohne Zustimmung des Clans. In Einstellungsgesprächen für verantwortungsvollere Posten werde die Frage gestellt, "ob man Teil der Familie werden wolle", berichtet einer, der darauf vor Jahren mit Ja antwortete.

Die Wende vom Eisenwarenhersteller - Peugeot produzierte Sägen, Bajonette, Schraubstöcke, und Pfeffermühlen - zum Fahrzeugfabrikanten leitete Armand Peugeot ein. Bei einem Englandbesuch hatte er das Fahrrad kennengelernt und ließ ab 1886 ebenfalls welche bauen. Zwölf Jahre später folgten die ersten motorisierten Zweiräder. Parallel dazu weckte das auf der anderen Seite des Rheins von Carl Benz erfundene Automobil das Interesse Peugeots. Der Franzose baute 1889 ein dreirädriges Gefährt, das mit einem Dampfantrieb ausgestattet war.

Bereits im darauffolgenden Jahr, Armand Peugeot hatte zu dieser Zeit engen Kontakt mit Gottlieb Daimler, verließ der Typ 2 die Peugeot-Fabrik in Beaulieu. Er war der erste Peugeot mit Verbrennungsmotor, gebaut unter Daimler-Lizenz. Es begann der für diese Epoche typische Aufschwung: 1895 wurden bereits 72 Benzinkutschen gebaut, 1899 waren es bereits 300; dazu kamen immer neue Verbesserungen, wie etwa Vollgummireifen, die Peugeot als erster Automobilhersteller verwendete. Ab 1896 baute man die Benzinmotoren selbst, das neue Geschäftsfeld war endgültig etabliert.

Peugeot setzte stets auf komfortables, unkompliziertes Autofahren

Neben Armand Peugeot, der die Technik vorantrieb, kümmerte sich sein Vater Emile um die Mitarbeiter. "Er ist der Erfinder der Sozialpolitik bei Peugeot", sagt Professor Loubet. Es gab eine Hilfskasse für Bedürftige, Witwenrente, ein Arbeiterspital. Ab 1871 - 33 Jahre vor einer entsprechenden gesetzlichen Regelung - galt bei Peugeot der Zehn-Stunden-Arbeitstag. Auch dies entsprang dem protestantisch geprägten Unternehmensgeist und förderte zugleich das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter.

Die Zukunft liegt in einem frischen Design - und in China

Was die Automobiltechnik betrifft, setzte Peugeot zwar durchaus Maßstäbe, doch die ganz großen Neuerungen kamen meist von der Konkurrenz. Auch optisch orientierten sich die Fahrzeuge meist am Mainstream. Allerdings war Peugeot einer der ersten Autohersteller, die einen Stilisten beschäftigten, wie Autodesigner damals hießen.

In den dreißiger Jahren prägte Henri Thomas das "Raketendesign aus Sochaux", der Modelle 402 und 202, deren auffälligstes Merkmal die hinter dem schildförmigen Kühlergrill platzierten Scheinwerfer waren. Auch zuletzt erweckten Peugeot-Scheinwerfer Aufmerksamkeit, weil sie zu immer groteskeren Leuchtobjekten wurden; der neue Designchef Gilles Vidal hat diesen Trend glücklicherweise gestoppt.

Wie geht Peugeot die Zukunft an? Derzeit versucht sich das Unternehmen neue Märkte zu erschließen, insbesondere den chinesischen. Dort kooperiert Peugeot mit dem Hersteller Dongfeng und plant, jedes Jahr ein neues Modell zu lancieren. Und auch im Heimatmarkt Frankreich reüssiert das Unternehmen. Passend zum Jubiläum wurde im ersten Quartal 2010 Renault, die ewige Nummer eins, von Peugeot überflügelt - das hatte es zuvor noch nie gegeben.