Das Mauerfall-Auto Grenzgänger im Garten

Ein VW Käfer ist das erste nach dem Mauerfall vom Osten in den Westen verkaufte Auto. Das behauptet zumindest sein Besitzer. 25 Jahre später parkt der Wagen als Denkmal in seinem Garten. Doch der Oldtimer soll ein letztes Mal reisen.

DPA

Fuldatal - Beinahe märchenhaft schimmert es weiß-rot durch die Tannen im nordhessischen Fuldatal. Es ist ein verrosteter VW Käfer - und zwar ein ganz besonderer. "Das war das erste Auto, das nach dem Mauerfall 1989 von Ost nach West den Besitzer gewechselt hat", glaubt Otto Weymann. Einen Nachweis, dass es wirklich das erste Auto war, gibt es freilich nicht. Trotzdem ist die Geschichte plausibel: Der 77-Jährige hat den Wagen nach eigenen Worten wenige Stunden nach der Maueröffnung von zwei Sachsen gekauft.

"Ich saß am 9. November vor dem Fernseher und habe die Nachrichten geschaut", erinnert sich der pensionierte Gold- und Silberschmiedemeister. Da habe ihn ein Bekannter angerufen, der gewusst habe, dass Weymann Käfer-Sammler ist. Und von dem besonderen Auto erzählt. Nachts um halb zwölf habe er den Wagen dann gekauft, für 1000 D-Mark habe er zugeschlagen. "Die brauchten Geld und haben mir ihren Wagen günstig angeboten. Da habe ich zugegriffen."

Doch wie kam der damals im Osten extrem seltene Wagen überhaupt in die DDR? "Der Wagen ist Baujahr '46", sagt Weymann. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg seien Käfer in beiden Zonen sehr begehrt gewesen. "Der ist an die sowjetische Militärverwaltung in Ost-Berlin geliefert worden." Von dort sei er in ostdeutschen Regierungsbesitz gekommen - und schließlich in Privathand.

Zwei Eichen bilden eine archaische Wegfahrsperre

"Der Wagen war total verschlissen. Die beiden Jungs brauchten Geld. 20.000 Ostmark tauschten sie in 2000 Westmark, von mir bekamen sie dann noch mal 1000 für den Käfer", erzählt Weymann. Er ließ die beiden noch bei sich übernachten, ehe sie loszogen und von den 3000 Mark einen gebrauchten Lada kauften. "Das war ja der Mercedes der DDR." Zwei Jahre fuhr Weymann den Käfer - DDR-Kennzeichen inklusive. "Hier war ich der Ossi in der Stadt. Ich habe nie einen Strafzettel bekommen. Ein Ossi wurde nicht aufgeschrieben", sagt er lachend.

Am 13. August 1991, zum 30. Jahrestag des Mauerbaus, wurde der Mauerfall-Käfer zum Kunstobjekt - und zwar in Weymanns Garten. Er pflanzte zwei Eichen direkt vor und hinter den Wagen - eine aus dem Osten, die andere aus dem Westen. "Eine Wegfahrsperre", meint er augenzwinkernd. Seitdem parkt der Volkswagen umgeben von hohen Tannen zwischen den Beeten. Die Stoßstange ist bereits Teil eines Baumes, die Motorklappe aufgedrückt, das Heckfenster herausgesprungen. Der ehemals weiße Lack ist kaum noch zu erkennen, das Auto ist moosgrün, die Räder platt und eingesunken.

So wurde der Käfer zu einem kleinen Denkmal deutsch-deutscher Geschichte, versteckt in einem Garten in Fuldatal-Simmershausen. Geht es nach Weymann, soll der Wagen noch einmal eine große Reise machen. Weymann will das Fahrzeug dem Mauermuseum in Berlin schenken. Allerdings ist noch nicht geklärt, wie das Auto nach Berlin kommen könnte. "Ich bin zu alt, um es abzubauen und zu transportieren."

Timo Lindemann für dpa



insgesamt 29 Beiträge
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spon_2489004 09.11.2014
1. geteilte Heckscheibe?
Der sieht aber neuer aus. Da müssen mal die VW-Fachleute ran
njotha 09.11.2014
2. Baujahr 46?
Definitiv nicht! Der abgebildete Käfer ist Baujahr 64 oder jünger, aber niemals 46.
LapOfGods 09.11.2014
3. Mauermuseum
Da wird sich das Mauermuseum aber mächtig freuen, wenn es sowas Tolles geschenkt bekommt.
inverse_agonist 09.11.2014
4. 1953-1957
Der Wagen hat ein kleines ovales Heckfenster. Damit muss das Baujahr zwischen 1953 und 1957 liegen: http://de.wikipedia.org/wiki/VW_Käfer#Die_Nachkriegszeit
sametime 09.11.2014
5.
Zitat von njothaDefinitiv nicht! Der abgebildete Käfer ist Baujahr 64 oder jünger, aber niemals 46.
Baujahr 64 aber auch nicht. Der Ovali wurde von 53 bis 57 gebaut. http://www.kaeferwissen.de/html/_ovali_.html
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