35 Jahre Opel Manta Das Auto zum Fuchsschwanz

Nur wenige Autos tragen den Namen eines Fisches. Das Schweizer Edelcoupé Monteverdi Hai ist so eines - und natürlich der Opel Manta, benannt nach einer Rochenart. Vor 35 Jahren debütierte das Coupé - bis 1988 wurden mehr als eine Million Exemplare gebaut.


Fotos von Flügelrochen, die der Meeresforscher Jacques Cousteau aufgenommen hatte, dienten den Opel-Designern als Vorbild für das Emblem, das die Manta-Modelle auf dem vorderen Kotflügel trugen, zwischen Radausschnitt und Tür. Passenderweise wurde das Auto im Herbst 1970 an der See vorgestellt: Im Hotel Maritim in Timmendorfer Strand fand die Premiere statt. Der neue Wagen, so stand es im Pressetext für die Motorjournalisten, "gesellt sich zu unserem bisherigen Programm als wirkungsvolle Ergänzung und zur Deckung eines neu entstandenen Bedarfs".

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Opel Manta: Bestseller, Kultauto, Witzmobil

Ausgelöst hatte diesen neuen Bedarf in Deutschland vor allem der Ford Capri - und der wiederum basierte auf der Idee, den Erfolg der sogenannten Pony Cars in den USA auf Europa zu übertragen. Seit 1964 der Ford Mustang auf den Markt gekommen war und auf Anhieb zum Bestseller wurde, galten die sportlichen und zugleich familientauglichen Coupés auf der Plattform von Großserienmodellen als sichere Gewinnbringer der Branche. Der Opel Manta teilte sich die technischen Grundlagen mit dem nahezu zeitgleich auf den Markt gekommenen Modell Ascona, einem Mittelklasseauto zwischen den damaligen Opel-Baureihen Kadett und Rekord.

Die erste Generation des Manta, der sogenannte Manta A, kostete als Einstiegsmodell mit 1,6-Liter-Vierzylindermotor und einer Leistung von 68 PS damals 7953 Mark; für das zunächst teuerste und stärkste Modell, den Manta 1,9 S mit einer 90 PS starken Maschine, verlangten die Rüsselsheimer 8524 Mark. Die Werbeslogans für das Auto lautete damals unter anderem: "Manta. Weil man was vom Fahren versteht" oder "Opel bringt die Manta-Formel". Und diese Formel warf ordentlich Rendite ab. In nur fünf Jahren baute und verkaufte die Marke rund eine halbe Million Manta A. Das Programm wurde aufgefächert. Ab 1972 reichte die Palette von der Einstiegsversion mit 1,2-Liter-Motor und 60 PS bis zum Luxusmodell "Berlinetta" mit Halogenscheinwerfern, heizbarer Heckscheibe und Vinyldach.

Manta GT/E - der ist getunt, ey

Im Jahr darauf erschien dann die stärkste Variante der ersten Serie, der Manta GT/E mit 1,9-Liter-Einspritzmotor und einer Leistung von 105 PS, der immerhin 12.525 Mark kostete. Aus dem Kürzel GT/E wurde später übrigens auch einer der zahlreichen Manta-Witze. Er geht so: Was bedeutet eigentlich GT/E? Ist doch klar: Ge-tunt, ey!Das aber war bereits zu Manta-B-Zeiten. Die zweite Generation des Autos, erkennbar durch rechteckige Frontscheinwerfer statt der zunächst runden Doppelscheinwerfer und an der insgesamt statischeren, geradlinigeren Karosserie, war jene, die den Manta-Proll-Boom auslöste. Der erreichte seinen Höhepunkt, als der Manta B schon längst nicht mehr gebaut wurde. Manta-Witze, Proll-Tuning wie Fuchsschwanz, Seitenstreifen und wirkungslose Plastikspoiler erreichten kurzzeitig Kultstatus. Tina Ruland und Til Schweiger spielten 1991 im Film "Manta Manta" die Hauptrollen. Einem Klamauk, in dem ein gelber, selbstverständlich getunter Manta B das wichtigste Requisit war.In einem Werbespot der Mineralölfirma DEA vor einigen Jahren wurden die Klischees noch einmal buchstäblich breit gewalzt. Da fuhr ein Goldkettchen-Typ in einem extrem aufgemotzten, mit Breitreifen und roten Flammen verzierten Manta an die Tankstelle und verwechselte die Zapfpistolen. "Super, Ingo - nicht Diesel!" lautete der Spruch. Opel konnte zu dieser Zeit schon längst nicht mehr über die Manta-Manie lachen, das Proll-Getue um den Wagen hatte auch Spuren im Image der Marke hinterlassen. Ein Erfolg war der Manta dennoch. Allein in Deutschland wurden von beiden Modellgenerationen mehr als 470.000 Autos zugelassen.

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