40 Jahre Hot Wheels Der Trick mit der Saite

Die Spielzeugautos seiner Enkelkinder fand Elliott Handler lahm und langweilig. Deshalb schuf er die Modellauto-Serie Hot Wheels. Zum 40. Jubiläum gestalteten jetzt erstmals sechs Autodesigner spektakuläre Kinderzimmer-Renner im Maßstab 1:64.


Mattel-Mitbegründer Elliott Handler war es leid, mit seinen Enkelkindern und deren Modellautos zu spielen. Die kleinen Fahrzeuge wollten einfach nicht flott über den Fußboden rollen, sondern blieben immer nach ein paar Zentimetern stehen. Als eine kleine Metallgussfabrik im kalifornischen Hawthorne zum Verkauf stand, erstand Handler die Anlage kurzerhand - und machte sich gemeinsam mit dem ehemaligen Raketeningenieur Jack Ryan und dem Ex-Autodesigner Harry Bradley daran, bessere Spielzeugautos zu entwickeln.

Ryan und Bradley griffen tief in die Trickkiste: Als Achsen kamen dünne Musiksaiten zum Einsatz, die in Plastiklagern steckten. Die kleinen Rädchen daran ließen sich so leicht und schnell drehen wie bei keinem anderen Spielzeugauto. Auch optisch fielen die Renner auf, denn die Metallformen wurden erst auf Hochglanz poliert und anschließend mit leicht transparenten Farben lackiert - Metallic-Look im Kinderzimmer, das hatte es zuvor noch nie gegeben.

Mit 16 Autos startete der US-Spielzeugkonzern Mattel 1968 die Modellautoserie Hot Wheels. Die kleinen Flitzer revolutionierten seinerzeit den Kinderzimmer-Fuhrpark, denn sie waren bunter, poppiger und vor allem schneller als alle anderen erhältlichen Spielzeugautos.

Unmittelbar nach dem Debüt der neuen Hot-Wheels-Spielzeugautos begann die Triumphfahrt der Mobile im Maßstab 1:64. Bis heute wurden mehr als drei Milliarden Exemplare gefertigt - und etwa 800 Modelle in rund 11.000 Variationen aufgelegt. Allein 40 neue Typen kommen in diesem Jahr, anlässlich des 40. Jubiläums der Marke hinzu. Und quasi als Sahnehäubchen obendrauf gibt es weitere sieben Sondermodelle speziell für Sammler in den USA, von denen sechs von Autodesignern und eines vom Hot-Wheels-Designteam gestaltet wurden.

Roter Faden: Erkennungszeichen auf den Reifen

Auch zum Namen gibt es eine hübsche Legende. Angeblich sah Handler auf dem Firmenparkplatz den Hot Rod von Designer Bradley, war beeindruckt von dem Auto und sagte: "Man, those are some hot wheels." Damit die kleinen Renner sich auch auf den ersten Blick von allen anderen Autos in der Spielzeugkiste unterscheiden ließen, erhielten alle einen dünnen roten Streifen auf den schwarzen Plastikrädern. Das blieb so bis 1977, heute sind vor allem diese "Redliners" unter Sammlern sehr begehrt.

Längst nämlich gibt es neben den Kindern, die auf die rasanten Autos abfahren, auch Tausende von Erwachsenen, die in Erinnerung an ihre Kinderzimmer-Rasereien die kleinen Modelle nun in Vitrinen sammeln. Wie stets, wenn die Sammelleidenschaft überschäumt, gibt es Extreme: So zahlte ein Hot-Wheels-Fan im Jahr 2000 rund 72.000 Dollar für ein originalverpacktes Modell namens Beach Bomb - einen VW-Bulli, in dessen Flanke ein Surfbrett steckt. Und in Sammlerkreisen heißt es, dass manche Hot-Wheels-Fuhrparks auf einen Wert von mehr als einer Million Dollar taxiert werden.

Extreme Seltenheit: Ein Käfer ohne Sonnendach

Hierzulande kümmert sich der Club "Hot Wheels Collectors Germany", der rund 170 Mitglieder aus ganz Europa hat, um die Belange der Modellauto-Sammler. Zum Jahrestreffen reisen die Gäste aus Holland, Frankreich, Tschechien und der Schweiz an. Doch selbst unter den Fans besitzt keiner eine originalverpakte Ikone der deutschen Hot-Wheeler - einen VW Bug (Käfer) NSR, eine spezielle Version, die damals nur in Deutschland verkauft wurde. Die Besonderheit des Autos: es hat kein Schiebedach, deshalb auch der Zusatz NSR für "no sunroof". Wer auf solch ein Hot-Wheels-Juwel stieße, könnte nach Insiderschätzungen leicht 2000 bis 3000 Dollar auf dem Sammlermarkt erlösen.

Aber: Zuallererst sind die flotten Autos noch immer Spielzeuge für Kinder. Pro Jahr verkauft Mattel zirka fünf Millionen Hot-Wheels-Modelle in Deutschland. Je nach Spielwarengeschäft und Typ kosten die Autos zwischen einem und zwei Euro. Da heißt es Taschengeld sparen, denn in diesem Jahr steht ja aufgrund des Jubiläums eine Modellflut an. Unter anderem mit Audi R8, Chevrolet Grand Sport, VW Fastback, Pontiac GTO, Custom Chevy und all den anderen heißen Reifen.



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