40 Jahre Z-Sportwagen Zick-Zack-Zielgerade

Auch manch eingefleischter Autofan dürfte an der Frage nach dem meistverkauften Sportwagen der Welt scheitern. Es ist die Z-Baureihe von Nissan, vormals Datsun. Deren Geschichte begann vor 40 Jahren. Zum Jubiläum ging SPIEGEL ONLINE mit dem ersten Coupé auf Tour.


Porsche 911, Chevrolet Corvette, Ford Mustang, Jaguar E-Type - im Autoquartett voller rasanter und erfolgreicher Sportwagen hatten japanische Fabrikate lange nichts zu melden. Doch weil die Strategen in Fernost bereits vor mehr als 40 Jahren gut zuhören, zuschauen und analysieren konnten und zudem schnell lernten, nahmen sie das wilde Treiben auf der Überholspur nicht einfach tatenlos hin. Inspiriert vom Erfolg sportlicher Zweisitzer im Rest der Welt zeigte Nissan daher im Herbst 1969 auf der Tokio Motorshow einen Sportwagen, der das Zeug zum Herzensbrecher hatte: den Datsun 240 Z.

Das nur 4,12 Meter kurze Coupé besticht noch heute mit einem leidenschaftlichen Design, für das die Japaner den deutschen Albrecht Graf von Goertz verpflichtet hatten. Der Schüler des legendären Raymond Loewy hatte für BMW den Luxusroadster 507 gezeichnet und nun den Entwurf für ein deutlich erschwinglicheres Coupé abgeliefert, das gezielt mit den Reizen der Rivalen spielte: Die Front des Autos erinnert ein wenig an den Jaguar E-Type, das Heck an den Ford Mustang und die Flanke an manchen Zweitürer aus der Feder von Pininfarina.

Der Datsun 240 Z war so scharf geformt wie der Degen des Filmhelden Zorro - und entsprechend gut kam er an. Die US-Kundschaft riss Nissan das Coupé aus den Händen, pro Monat wurden bis zu 6000 Modelle in den USA verkauft. Nach Deutschland kam das Auto, das in der japanischen Heimat mit Rücksicht auf die Modellhistorie den Namen Fairlady trug, deshalb erst 1973 - kurz vor dem ersten Generationswechsel. Kein Wunder also, dass hierzulande lediglich 303 Exemplare der ersten Serie verkauft wurden. Dabei kostete der 240 Z damals mit 17.600 Mark ein Drittel weniger als ein Porsche 911 und machte mindestens genau so viel Spaß.

Fetter Motor unter einer sehr langen Haube

Dafür sorgte vor allem der 2,4 Liter großen Reihensechszylindermotor unter der endlos langen Haube. Heute lächeln Sportwagenfahrer über die 130 PS, doch weil das Coupé kaum 1000 Kilo wog und noch niemand an Dinge wie Motorelektronik oder Drehzahlbegrenzer dachte, ist der 240 Z giftig und böse, wie es sich für einen Sportwagen gehört. Selbst nach beinahe 40 Jahren weckt der Oldtimer bei der Ausfahrt von SPIEGEL ONLINE den Kitzel der Rasanz, giert nach Drehzahl und hat so gar nichts von Ruhe eines Rentners.

Im Gegenteil: Als habe man eine zu starke Batterie an den Schrittmacher geklemmt, blüht der Klassiker mit jedem Gasstoß auf und klebt dem aktuellen Modell, das den Namen Nissan 370 Z trägt, wie Flugrost an der Stoßstange. Statistisch gesehen ist der Oldie im Nachteil. Statt 5,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h wie das aktuelle Modell benötigt der 240 Z 9,1 Sekunden, und während der neue Wagen 250 km/h erreicht, ist beim Oldie bei Tempo 205 finito. Doch auf einer kurvigen Landstraße liegen Junior und Senior nahezu gleichauf. Und dass, obwohl der neue Wagen mit 331 PS fast dreimal so leistungsstark ist.

Auch nach 40 Jahren noch ein eng geschnittener Sportler

Wie wenig die beiden Sportler - außer fast 40 Jahren - tatsächlich trennt, merkt man auch beim Blick in den Innenraum. Natürlich gibt es im 370 Z zahlreiche elektronische Anzeigen, reichlich Lack und Leder und jede Menge elektrischer Helfer, doch nach wie vor ist der Z ein eng geschnittener Sportwagen, der wie angegossen passt und den Fahrer förmlich umschließt. Auch ein Manko teilen beide Modelle, nämlich die große Menge an Plastikoberflächen im Innenraum. Immerhin ist das Lenkrad heute nicht mehr aus Holzimitat.

Der Datsun 240 Z wurde lediglich vier Jahre lang gebaut, doch das Auto legte den Grundstein zu einer lang anhaltenden Erfolgsgeschichte. Denn unmittelbar danach folgen der um 30 Zentimeter gestreckte 260 Z, die noch erfolgreicheren Modelle 280 Z und ZX sowie als Krönung der 300 ZX, den es am Schluss sogar mit einem 283 PS starken Doppelturboantrieb gab. Als 1995 das letzte Exemplar dieses Typs vom Band lief, war die Z-Baureihe mit mehr 1,4 Millionen Exemplaren die erfolgreichste Sportwagen-Familie der Welt.

Nach einer kurzen Pause erfolgte das Z-Comeback

Danach blieb die Marke zunächst Vollgas-Abstinent, rutschte in eine tiefe Finanz- und Sinnkrise und presste vorübergehend nur noch Langeweile ins Blech. Doch die Erinnerung an die Z-Modelle blieb lebendig, und die Forderungen des US-Marktes wurden immer drängender. So zeigte Nissan 1999 auf der Motorshow in Detroit eine Studie, aus der bis 2001 das Modell 350 Z wurde - der Urenkel des ehemaligen 240 Z. In diesem Sommer, zum runden Geburtstag der Baureihe, rollte mit dem Kürzel 370 Z bereits die nächste Generation des Klassikers an den Start.

Wie wichtig der Marke die Ahnenfolge inzwischen wieder ist, zeigen neben der fortlaufenden Nomenklatur einige stilistische Parallelen sowie der sorgfältige Umgang mit dem Erbe. Kurz bevor Nissan zum Comeback der Z-Baureihe blies, wurden in den USA zahlreiche Oldtimer der Baureihe aufgekauft und vom Werk aufgemöbelt - darunter auch das Auto aus dem Fuhrpark der deutschen Firmenzentrale, das SPIEGEL ONLINE beim Generationentreffen jetzt bewegte. Zentrale Erkenntnis: Die Idee des flotten Zweisitzers bleibt anscheinend ewig jung.

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