50 Jahre Trabant Nu isser fuffzsch

Rennpappe, Duroplastbomber, Zweitaktzwerg - der Trabant wurde viel geschmäht und schaffte es doch zum Kultauto. Das erste Modell des Trabant P50 lief am 7. November 1957 in Zwickau vom Band. Pünktlich zum 50. Geburtstag des DDR-Volkswagens ist ein Remake geplant.

"Vor allem kommt es darauf an, in allen Zulieferbetrieben eine Atmosphäre der Begeisterung für den raschen Bau dieses Kleinwagens zu schaffen." So zitierte die "Freie Presse" aus Zwickau im Jahre 1956 den "Genossen Probsthahn", der damals "Werkleiter im volkseigenen Automobilwerk Zwickau" war. Ob daraufhin tatsächlich Begeisterung bei den Werktätigen ausbrach, ist nicht überliefert, aber am 7. November des folgenden Jahres begann die Produktion des Trabant. In diesen Tagen feiert das Auto, das die DDR mobil machte und nach der Deutschen Einheit zum Kultvehikel verklärt wurde, seinen 50. Geburtstag. In Zwickau wird das runde Jubiläum des kantigen Autos am 9. und 10. November groß begangen. Ein Festzelt steht auf dem Pölbitzer Platz, das August-Horch-Museum präsentiert eine Trabant-Sonderausstellung mit zahlreichen Modellen, darunter auch Rallye-Trabis. Und wer für einen der rund 52.000 in Deutschland noch zugelassenen Trabi Ersatzteile benötigt, dürfte auf dem Geburtstags-Teilemarkt fündig werden.

Dass viele Trabi-Fans zum 50. Geburtstag des Autos mal in dicken West-Schlitten nach Zwickau anreisen würden, hätte sich das Präsidium des Ministerrats der DDR in den fünfziger Jahren nicht träumen lassen. Das Ost-Kabinett hatte 1954 beschlossen, einen Kleinwagen mit zwei Haupt- und zwei Nebensitzen entwickeln zu lassen. Die Vorgaben: Der Wagen sollte nicht mehr als 600 Kilo wiegen, nicht mehr als fünfeinhalb Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen und nicht mehr als 4000 Mark kosten. Weil überdies Blech in der DDR Mangelware war, sollte das Auto eine Kunststoffkarosserie erhalten.

Der Name des Autos war eine Hommage an den 1957 ins All geschossenen russischen Satelliten Sputnik (russisch für Trabant). Bis der Wagen nach dem Präsidiumsbeschluss vom Band rollte, vergingen noch gut drei Jahre. Alle Vorgaben konnten die Konstrukteure nicht erfüllen: Bei der Publikumspremiere des P50 – so das offizielle Kürzel des Trabant – auf der Leipziger Messe gaben die Prospekte einen Durchschnittsverbrauch von 6,8 Liter und einen Preis von 8360 Mark an. Gelobt wurde seinerzeit der luftgekühlte Zweizylinder-Zweitakter (18 PS Leistung, 90 km/h Spitzengeschwindigkeit) und die flott gestylte Karosserie.

Duroplast - Wundermaterial aus Harz und Baumwolle

Auf eine Bodenplattform sowie ein Gerippe aus Stahlblech war tatsächlich eine Kunststoffhülle gestülpt worden. Diplom-Ingenieur Wolfgang Barthel hatte eigens für den Trabant das Material Duroplast erfunden, einen Mix aus Harzpulver und Baumwolle. Der billige Werkstoff trug dem Auto unter anderem den Spitznamen Rennpappe ein.

In den Anfangsjahren wurde der Trabant stetig weiterentwickelt und verändert. Es gab eine Variante mit Chromzierleisten und es wurden vorübergehend Modelle mit Zwei- und sogar Dreifarblackierung angeboten. Zwei Jahre nach Produktionsstart debütierte das Modell P500, dessen Motor nun 20 PS leistete und von dem es auch eine Kombi-Version gab, die später den Namen Trabant Universal trug. Der P500 wurde in 14 Farben angeboten, darunter Rosenbeige, Damastgrün oder gar Marmorweiß mit Silbergrau.

1963 folgte der Trabant P60, ein Jahr später der P601, ein Auto mit kantiger Linienführung, einer um 18 Zentimeter längeren Karosserie und jenen typischen angedeuteten Heckflossen, die den Wagen bis zu seinem Produktionsende begleiten.

"Temperamentvoll, Rasant, Ausdauernd"

Eine Werbeplakat aus den sechziger Jahren buchstabiert – offenbar für Kunden in Westdeutschland, denn als Importeur ist eine Firma in Hamburg angegeben – den Namen Trabant so: "Temperamentvoll, Rasant, Ausdauernd, Bequem, Ansprechend Na, Sie wissen schon, Trabant 601."

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Spätestens im Lauf der Achtziger wird jedoch überdeutlich, dass der Trabant technisch wie optisch gegenüber der restlichen Automobilwelt ins Hintertreffen geraten ist. Das schlichte Auto mit der dünnen, weißen Auspuff-Rauchfahne hatte mit zeitgemäßer Automobiltechnik nichts mehr zu tun. Die Parteiführung der SED gab deshalb die Entwicklung eines Viertakt-Motors in Auftrag. Das wenig überzeugende Ergebnis war der Trabant 1.1, der von einem 40-PS-Lizenz-Motor aus dem VW Polo angetrieben wurde. Der Wagen sollte 19.865 Ost-Mark kosten – von den jahrelangen Lieferzeiten ganz zu schweigen.

Mehr als drei Millionen Trabant wurden gebaut

Die Empörung über den horrenden Preis war seinerzeit groß – und trug möglicherweise mit zu jener Unzufriedenheit bei, die die DDR im Herbst 1989 hinwegfegt. Am 30. April 1991 wurde die Fertigung des Trabant endgültig eingestellt, das Automobilwerk Zwickau geschlossen. 3.051.485 Trabant-Modelle waren hier vom Band gelaufen.

Ob der Trabant demnächst eine Wiedergeburt erlebt? Seit der Internationalen Automobilausstellung (IAA) vor einigen Wochen sieht es fast danach aus. Die Modellbau-Firma Herpa zeigte dort das Modell eines New Trabi und fragte rund 12.000 Messebesucher, wie sie die Idee fänden. "Das Ergebnis war überwältigend", sagt Klaus Schindler, Mitglied der Herpa-Geschäftsführung, "93 Prozent der Befragten wollen einen New Trabi." Und jetzt? Schindler: "Wir suchen nun nach Partnern, denn im nächsten Jahr soll der erste Prototyp in Originalgröße auf die Räder gestellt werden." Go, Trabi, go!