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18. Juli 2018, 22:08 Uhr

Studie von Umweltphysikern

Stickoxidbelastung ist im Auto am höchsten

Dieselabgase machen krank, schuld daran sind auch die enthaltenen Stickoxide. Eine Studie zeigt, wer davon besonders stark betroffen ist: Autofahrer.

Die Stickoxidbelastung in deutschen Städten ist zu hoch: Der erlaubte Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Atemluft wird in vielen Städten nicht eingehalten - immer mehr Städte verhängen deshalb Fahrverbote. Unter Autofahrern ist diese Maßnahme nicht besonders beliebt, obwohl sie selbst am meisten davon profitieren könnten: Denn am höchsten ist die Stickoxidbelastung nicht an den Messstationen - sondern in den Innenräumen der Autos.

Das geht aus einer Studie des Instituts für Umweltphysik der Universität Heidelberg hervor, die der Zeitschrift "Auto Bild" und dem NDR vorliegt. Bei acht Testfahrten im Raum Düsseldorf war die Belastung für Autofahrer dabei deutlich höher als für Anwohner.

Während die beiden Messstationen auf Werte zwischen 24 und 92 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Atemluft kamen, lag der Wert im Auto weit darüber: Bei einer einstündigen Autobahnrunde maßen die Wissenschaftler 117 Mikrogramm NO2 im Wagen, zeitweise waren es sogar 447 Mikrogramm. Im Stadtverkehr lag der Wert im Mittel bei 110 Mikrogramm Stickstoffdioxid.

Andere Filter könnten das Problem lösen

"Einen großen Teil der persönlichen Schadstoffbelastung bekommen wir bei Autofahrten ab", sagte Studienleiter Denis Pöhler gegenüber der "Auto Bild". Dabei können Konzentrationen von über 200 Mikrogramm bereits nach kurzer Zeit laut Weltgesundheitsorganisation WHO merkliche Gesundheitseffekte haben. Zum Vergleich: Der natürliche mittlere NO2-Wert liegt weltweit zwischen einem und neun Mikrogramm.

Vor allem für Vielfahrer wie beispielsweise Pendler, Taxifahrer oder Angestellte im Außendienst besteht durch die hohen Werte im Fahrzeuginneren ein erhöhtes Risiko für chronische Erkrankungen.

Dabei ließe sich die Belastung mit einfachen Mitteln senken: Durch Aktivkohle-Innenraumfilter. Bei Messfahrten senkten sie den NO2-Wert gegenüber dem Standardfilter um 92 Prozent. Zur Serienausstattung gehören solche Filter selbst bei neuen Fahrzeugmodellen bisher jedoch oft nicht - obwohl sie nur minimal teurer sind.

ene

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