Abgasskandal Audi manipulierte Dieselmotoren stärker als bekannt

Audi hat in Dieselmotoren mehr Abschaltvorrichtungen genutzt als bisher bekannt. Das Kraftfahrtbundesamt wusste wohl davon - hielt eine Überprüfung aber für unnötig.

DPA

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks und des "Handelsblatts" hat Audi bei verschiedenen Motoren nicht nur eine, sondern vier Abschalteinrichtungen genutzt. Das von der CSU geführte Bundesverkehrsministerium hat die Öffentlichkeit darüber nicht informiert.

Der Sender stützt sich auf Bescheide des Kraftfahrtbundesamtes, die bis ins Jahr 2018 hinein ausgestellt wurden. Dem Bericht zufolge geht es um insgesamt rund 200.000 größere Dieselmotoren mit der Abgasnorm Euro 6, die auch bei VW und Porsche zum Einsatz kamen.

Nur eine von vier Abschalteinrichtungen war offenbar unzulässig

Die nicht öffentlichen Bescheide zeigten, dass Audi nicht nur eine, sondern vier Abschalteinrichtungen verbaut habe. Mit diesen Softwaretricks waren Fahrzeuge auf dem Prüfstand deutlich sauberer als im realen Verkehr.

Den Bescheiden zufolge habe das KBA allerdings nur eine dieser Software-Einrichtungen, nämlich die sogenannte "Aufwärmfunktion", als unzulässige Abschalteinrichtung eingestuft. Die anderen drei "Strategien" habe Audi freiwillig entfernen können, berichtet der Sender unter Berufung auf die Bescheide.

Kraftfahrtbundesamt prüfte viele Modelle offenbar nicht

Besonders bemerkenswert: Die Behörde habe die meisten Modelle gar nicht geprüft, sondern sich auf Angaben des Herstellers verlassen. Der Verkehrsexperte der Grünen, Oliver Krischer, kritisierte, jeder Mensch würde erwarten, dass sich eine Behörde bei einem Betrugsverdacht selbst ein Bild verschaffe. "Dazu sei das Kraftfahrtbundesamt aber nicht willens und in der Lage."

Der Jurist Martin Führ von der Hochschule Darmstadt, auch Gutachter im Abgasuntersuchungsausschuss des Bundestags, geht nach Sichtung mehrerer Bescheide davon aus, dass das KBA alle vier Strategien als Abschalteinrichtung qualifizierte und diese auch "nicht nötig waren für den Motorschutz, denn dann hätte man sie nicht herausnehmen können."

Schließlich kritisiert auch die Münchner Staatsanwaltschaft, die im Zuge des Dieselskandals bei Audi gegen 27 Beschuldigte ermittelt, die Arbeit des Kraftfahrtbundesamtes. Laut BR ginge aus vertraulichen Unterlagen hervor, dass das Kraftfahrtbundesamt Audi mehrfach über Maßnahmen wie Rückrufe informiert habe, ohne zuvor die Staatsanwaltschaft davon in Kenntnis zu setzen. Das KBA hatte auf Fragen des Senders nicht reagiert.

Abgasskandal kostete VW-Konzern über 25 Milliarden

Audi gilt im Abgasskandal des Volkswagen-Konzerns als Hauptbeteiligter. Im Oktober vergangenen Jahres hatte der Autobauer in Deutschland ein von der Staatsanwaltschaft München verhängtes Bußgeld von 800 Millionen Euro akzeptiert, worauf die Ermittler das Verfahren einstellten.

In den USA wurden mehrere Manager von Audi angeklagt, die bei dem Hersteller mit für die Motoren- und Dieselentwicklung zuständig waren. Die rechtliche Aufarbeitung des Abgasskandals in den USA hat den Volkswagen-Konzern nach teuren Kompromissen mit Behörden und privaten Sammelklägern bereits mehr als 25 Milliarden Euro gekostet.

rei



insgesamt 116 Beiträge
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roberto.lisker 01.07.2019
1. Es lohnt nicht,
sich darüber zu echauffieren. Da ja doch keine Konsequenzen folgen.
dumb nut 01.07.2019
2. Ist da noch jemand erstaunt?
VW wird sich sicherlich nicht lumpen lassen und bald nachziehen. Die Politik hält weiterhin die Augen geschlossen. Also nichts Neues in Schland.
lyoner 01.07.2019
3.
Warum hat das Ermittlungen bei Audi,aber nicht im Kraftfahrtbundesamt zur Folge?!
mbb209 01.07.2019
4. Vier Abschaltvorrichtungen ?
Naja, Audi hat ja auch ein aus vier Ringen bestehendes Firmenlogo. Pardon, es sind zwei Handschellen. Man verzeihe den Zynismus, aber langsam fällt einem außer Zynismus nichts mehr ein.
tempus fugit 01.07.2019
5. The never ending story,...
...wann kommen überfällige Konsequenzen?
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