Dieselaffäre Behörden drohen Daimler mit Rückrufaktion

Das Kraftfahrt-Bundesamt untersucht nach SPIEGEL-Informationen bereits seit Längerem Dieselautos von Mercedes. Den Beamten sollen deutliche Hinweise auf illegale Abschalteinrichtungen vorliegen.

Mercedes-Stern
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Seit Wochen testen Beamte vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Dieselautos von Daimler auf illegale Abschalteinrichtungen. Nach SPIEGEL-Informationen haben sie deutliche Hinweise darauf gefunden, dass bei den Fahrzeugen die Harnstoff-Einspritzung des Abgassystems verändert wird - je nachdem, ob der Wagen im offiziellen Prüfmodus fährt oder tatsächlich auf der Straße unterwegs ist. Die Folge ist ein erhöhter Schadstoffausstoß im Realbetrieb. Bei einem Gespräch zwischen Daimler-Vertretern und dem Verkehrsministerium am Donnerstag wurde dem Autokonzern deshalb angedroht, eine Rückrufaktion einzuleiten. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Die Tests des KBA sind damit schon viel weiter fortgeschritten, als bisher angenommen: Am Freitag hatte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums in Berlin noch gesagt, die Behörde nehme Fahrzeuge von Mercedes erst jetzt in die Prüfung. Der Sprecher äußerte sich auf eine entsprechende Nachfrage hin nicht zu einer eigenen Bewertung des Ministeriums zu den Abgasvorwürfen.

Zuvor war bekannt geworden, dass Ermittler der Stuttgarter Staatsanwaltschaft den Verdacht erheben, Mercedes habe fast ein Jahrzehnt lang Fahrzeuge mit unzulässig hohen Emissionen verkauft. Laut einem Bericht von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR gehe das aus einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Stuttgart hervor, der Grundlage für eine Razzia vor wenigen Wochen bei Daimler und anderen Firmen gewesen sei. Insgesamt seien mehr als eine Million Fahrzeuge betroffen.

Meinungskompass

Prüfer verfolgen eine heiße Spur

Der SPIEGEL hat Angaben aus Justizkreisen erhalten, wonach sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart maßgeblich auch auf die Erkenntnisse des Kraftfahrt-Bundesamts stützen. Die staatlichen Prüfer seien optimistisch, bei den Mercedes-Modellen bald einen eindeutigen Nachweis für illegale Abschalteinrichtungen führen zu können.

Betroffen davon sind unterschiedliche Modelle wie die E- und C-Klasse, die mit den Motorentypen OM 642 und 651 ausgestattet sind. Auf Anfrage des SPIEGEL wollte sich der Stuttgarter Autokonzern nicht zu den laufenden Ermittlungen und einer möglichen Rückrufaktion äußern.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
baghira1 14.07.2017
1.
Wieso hat der Daimler Konzern nicht schon nach dem Bekanntwerden des VW Skandals damit angefangen, ihre Motoren nach Betrugssofware abzuklopfen und diese Software gegen gesetzeskonforme auszutauschen? Es ist seit dem möglich und wahrscheinlich, das sämtliche Fahrzeuge, die eine Betrugssoftware installiert haben, beim Betrug erwischt werden und Strafen nach sich ziehen. Wenn die Hersteller von selbst in Aktion treten und ihre Fahrzeuge von selbst schadstoffärmer machen lassen.
florianm-k 14.07.2017
2. Dobrindt wird nichts machen
Die Rückrufaktion bei VW diente nachweislich nicht der Verbesserung der Abgaswerte, sondern nur der nachträglichen Legalisierung der Abschaltvorrichtungen, damit die Autos weiterfahren dürfen. Also eine reine Placebomasnahme, was zumindest die Giftgase angeht. http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-03/vw-dieselauto-abgasregel-deutsche-umwelthilfe-klage-placebo-massnahme Dies wird auch bei Daimler so sein.
karljosef 14.07.2017
3. Und schon wieder wartet Deutschland darauf,
dass der Diplom-Soziologe Dobrindt seine technischen Kenntnissen, die doch für seinen Job als Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (eigentlich) Voraussetzung wären, beweist! SPOTT OFF
kritischer-spiegelleser 14.07.2017
4. Behörden drohen? Soll wohl ein Witz sein?
Die haben doch diese ganzen Autos zugelassen! Und jetzt wird wegen der Wahl Wirbel gemacht? Man sollte das Kraftfahrtbundesamt und den Verkehrsminister in Verantwortung nehmen. Denn die haben den ganzen Betrug am Laufen gehalten!
Braveheart Jr. 14.07.2017
5. Wann rotten sich endlich ...
... die Scharen der betrogenen Kunden vor den Konzernzentralen zusammen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen? Was 1789 die Bastille war, ist heute das "Bullshit Castle" (wie Herr Schrempp es nannte). Die Alt-68er dürfen "Zetsche weg, hat kein' Zweck" skandieren, die Bildungswutbürger stimmen an "Ah, ca ira, ca ira, ca ira ... et Monsieur Zetsche, on lui penda!"
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