Dieselaffäre Abgas-Tricks auch beim neuen Porsche Cayenne

Die Abgasaffäre ist vorbei? Im Gegenteil: Bei Messungen des SPIEGEL mit einem neuen Porsche Cayenne zeigte sich eine dubiose Softwarefunktion. Experten sprechen von einer illegalen Abschalteinrichtung.
Porsche Cayennes im Porsche Werk in Leipzig (Archivbild)

Porsche Cayennes im Porsche Werk in Leipzig (Archivbild)

Foto: Jan Woitas/ picture alliance / dpa

Der Abgasskandal scheint für den Volkswagen-Konzern nicht ausgestanden zu sein. Der TÜV Nord stellte bei einem Labortest eines Porsche Cayenne im Auftrag des SPIEGEL deutlich erhöhte Stickoxidwerte fest. Einem Insider zufolge sind die Diesel-Modelle dieses Geländewagens mit einer Abschalteinrichtung ausgestattet, die dafür sorgt, dass der Geländewagen im Straßenverkehr weit mehr giftige Abgase ausstößt als zulässig.

Der Insider hatte dem SPIEGEL einen Hinweis darauf gegeben, dass in der Getriebesoftware des Cayenne ein als Aufwärmmodus getarnter Mechanismus arbeitet. Dessen Zweck ist es offenbar, die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten. Aber nur auf dem Prüfstand: Schon bei kleinen Kurven oder einer Steigung registriert der Wagen, dass er auf der Straße ist, und wechselt in ein anderes Schaltprogramm. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

SPIEGEL-Redakteure gingen diesem Hinweis in einer aufwendigen Recherche nach - und wurden fündig. Als sie auf einem Prüfstand des TÜV Nord in Essen das Schaltprogramm aktivierten, stiegen die Emissionen deutlich. "Die bei diesem Test gemessenen Abgaswerte liegen über dem für die Typenzulassung geltenden Grenzwert", sagte der TÜV-Prüfleiter Helge Schmidt dem SPIEGEL. Damit hätte der Wagen keine Genehmigung von den Zulassungsbehörden erhalten.

Umfangreiche Fahrtests zeigten, dass das vermeintliche Aufwärmprogramm nicht bei warmem Motor ausgeschaltet wird, sondern sobald der Wagen etwa in Kurven oder am Berg bestimmte Längs- und Querbeschleunigungen registriert. Dies bewirke, dass "Porsche gegenüber seinen Kunden und den Zulassungsbehörden niedrigere Verbräuche und NOx-Emissionen angeben kann, als das Fahrzeug in der Realität hat", sagte der Professor für Motorentechnik der Hochschule Aschaffenburg, Kai Borgeest, dem SPIEGEL. "Porsche verwendet hier eine Abschalteinrichtung, die nach europäischem Recht verboten ist", erklärte Martin Führ, Verwaltungsrechtsprofessor der Hochschule Darmstadt, nachdem er die Unterlagen gesichtet hatte.

Ein Porsche-Sprecher erklärte dem SPIEGEL, der beim TÜV Nord vorgenommene Test sei "für Porsche nicht plausibel nachvollziehbar". Porsche habe "umgehend eigene Messungen an einem vergleichbaren Fahrzeug durchgeführt". Dabei seien "die gesetzlich geforderten Stickoxid-Grenzwerte in beiden Schaltprogrammen erfüllt". Der Cayenne V6 TDI, so Porsche, "beinhaltet gemäß unseren vorliegenden Informationen keine unzulässigen Abschalt- oder Umschalteinrichtungen".

Das Getriebe ist auch in anderen Modellen des VW-Konzerns verbaut, unter anderem im Audi A8, A7 und dem Q7 und Q5. Vergangene Woche gab Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bekannt, dass man eine illegale Abschalteinrichtung in Audi A8- und A7-Dieselfahrzeugen gefunden habe, die nach der Abgasnorm Euro 5 zugelassen seien. 24.000 Fahrzeuge seien mit dieser Abschalteinrichtung ausgestattet. Audi behauptete daraufhin, es handele sich um einen technischen Fehler und versprach eine Umrüstaktion für die betroffenen Modelle. Der Audi-Konzern blieb auch bei dieser Aussage, nachdem er vom SPIEGEL über die Ergebnisse am Porsche Cayenne informiert worden war. Nun wird Dobrindt nichts anderes übrig bleiben, als weitere Überprüfungen in dem Luxusklasse-Segment des VW-Konzerns vorzunehmen.

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