Abgewürgt Rettet den Steinschlag!

Kaum hat SPD-Verkehrsminister Tiefensee eine Lichtung des umfänglichen deutschen Schilderwalds befohlen, scharen sich Union und Grüne um das STOP-Zeichen: Sie möchten einige ihrer Ansicht nach unverzichtbare Warntafeln erhalten - etwa die für Steinschlag und Rollsplitt.


Das vornehmlich in hügeligen Gegenden zu findende Warnschild für Steinschlag macht mächtig viel her. Es erweckt beim Betrachter stets den Eindruck, Brocken von der Größe eines Meteoriten könnten ihn und sein Auto jeden Moment zerschmettern. Doch die imposante Tafel, argumentieren nun die Beamten Wolfgang Tiefensees, sei nicht nur wunderlich - sondern auch überflüssig. Denn: Wer sich ins Gebirge begebe, der wisse schließlich, was ihm blüht. Felsbrocken. Wetterstürze. Rennradfahrer. Deshalb müsse der Steinschlag weg.

Insgesamt 22 Schilder möchte der Bundesverkehrsminister abschaffen, um den Schilderwald auf deutschen Straßen etwas zu lichten. Doch nun wird der SPD-Mann ausgebremst: Politiker von CDU und Grünen warnten umgehend davor, Warnschilder wegfallen zu lassen. Dirk Fischer, der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, donnerte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Den von Tiefensee angekündigten Wegfall sicherheitsrelevanter Warnschilder wird es mit der Union ganz bestimmt nicht geben." Hinweise auf Gefahren durch Steinschläge, aber auch durch die Traktion kompromittierenden Schotter oder gefährliche Bahnübergänge müssten erhalten bleiben. Auch die der automobilen Tradition verpflichteten Grünen finden den Plan, knapp zwei Dutzend der insgesamt etwa 300 deutschen Schilder zu streichen, arg überzogen. "Der Bundesverkehrsminister schießt über das Ziel hinaus", hadert Verkehrsexperte Winfried Hermann.

Ganz neue Gefahrenlage

Möglicherweise tun CDU und Grüne dem Minister unrecht. Zwar will Tiefensee den Bürger fortan ohne vorherige Warnung in den potentiellen Steinschlag rasen lassen - gleichzeitig möchten seine Referenten jedoch gänzlich neue Warnschilder kreieren, ohne die der deutsche Verkehrsteilnehmer viel zu lange auskommen musste.

Die Truppe um den stets weitsichtig agierenden Minister hat nämlich völlig neue Gefahrenlagen ausgemacht, die andere noch nicht einmal erahnen. Forthin soll beispielsweise eine neue Warntafel vor Pferdekutschen, Brauereigespannen und Reitpferden warnen.

Zugegeben, davon gibt es derzeit auf Deutschlands Autobahnen nicht allzu viele. Aber wenn der Benzinpreis weiter im derzeitigen Tempo steigt, könnten Pferde und andere Unpaarhufer vielleicht schon bald wieder ein ernsthaftes Verkehrshindernis darstellen.

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